Comité-Bängg füllen Schindhelms Häuser

6. Februar 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Fasnacht ist nicht nur lustiges Treiben. Sie bietet auch die Möglichkeit, Kritik an allem zu äussern, was dem Normalbürger missfällt. Die Cliquen tun dies mit ihrem Zeedel, auf welchem das Sujet ausgiebig abgehandelt wird. Ganz anders aber die Schnitzelbänggler: Ihre Kunst besteht darin, in kurzen Versen und mit bis zum Schluss aufgesparten Pointen ihre «Narrenfreiheit» auzunützen.

«Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sank das Niveau der Bängg immer tiefer», erklärte Andreas «Dres» Nabholz, Obmann des Schnitzelbank-Comités, an der Medienorientierung im neuen Basler Schauspielhaus. Um dem entgegenzusteuern wurde 1921 dieses Comité gegründet. Heute gehören ihm 24 Bängg an, welche am Fasnachts-Montag und -Mittwoch abends von Beiz zu Beiz ziehen und das Publikum begeistern. Zu ihnen gesellen sich über 40 weitere Gruppen. Sie gehören entweder der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG), Verainigty Schnitzelbangg Gsellschaft (VSG), Bängg fir Basel und Bebbi Bängg an. Daneben gibt es immer mehr sogenannte wilde Bängg, die dort auftreten, wo es ihnen gerade gefällt.

Neben den normalen Bankliebhabern gibt es aber auch «Bangg-Gourmets», welche sich durch die Nebengeräusche und das ständige Kommen und Gehen in den Restaurants gestört fühlen. «Baslerinnen und Basler, eher mittleren Alters, die meist politisch, kulturell und gesellschaftlich interessiert und deshalb gut orientiert sind und die sich an den Ideenverknüpfungen, Pointen und an der immer perfekter werdenden Vortragsweise ergötzen.» So beschreibt sie Nabholz, früher selbst aktiver Schnitzelbänggler. Sie bevorzugen theaterähnliche Säle, wie sie im Swissôtel am Messeplatz, im Stadtcasino oder im Atlantis zu finden sind. Doch auch echte Theater wie Fauteuil, Tabourettli, Häbse-Theater, seit Jahrzehnten das Theater Basel und neu das Schauspielhaus kommen ihren Ansprüchen entgegen. «Bei den Auftritten der Comité-Bängg ist das Theater an zwei Abenden immer voll.» Diese scherzhafte Bemerkung, an Theaterdirektor Michael Schindhelm gerichtet, konnte sich Nabholz nicht verkneifen – zusammen mit dem neuen Auftrittsort im Schauspielhaus beträgt das Angebot in Schindhelms Räumlichkeiten nun rund 1500 Plätze.

Wie Comité-Mitglied Paul Burkhalter mitteilte, ist das Schauspielhaus mit seiner Guckkasten-Bühne für Bangg-Auftritte ideal. Von keiner Dekoration abgelenkt, sollen Kostüme und Helgen voll zur Geltung kommen, so dass man jedes Detail geniessen kann. Zudem hat man hier die Möglichkeit, sämtliche 24 Comité-Bängg an einem Abend zu hören, während es in einem Restaurant möglicherweise deutlich weniger sein können – allerdings muss im Theater während der Autritte auf Verpflegung verzichtet werden.

Grosser Beliebtheit erfreut sich auch der jährliche Schlussabend des Schnitzelbank-Comités am Samstag nach der Fasnacht auf der Theaterbühne. «Wenn ein Profi-Satiriker und -Kabarettist wie Victor Giacobbo ihn regelmässig besucht und die Ansicht äussert, es gebe nirgends in der Schweiz eine so verbreitete und hochstehende Satire-Kultur wie in Basel, dann ist das immerhin ein Urteil aus berufenem Mund», bemerkte Nabholz mit sichtlichem Stolz.

Weitere Informationen:

Homepage Comité-Bängg