Was in aller Welt macht die Heilsarmee am Cortège? Dies fragen wir uns gleich zu Beginn des Umzugs. Ach so, pardon, es ist die «Heils-Ari», denn die Stammclique Alti Richtig hat sich in stilechten Kostümen einer Mission verschrieben: «Halleluja für Stadt und Land.» Wollen wir hoffen, dass es dem Vortrab gelingt, zumindest zur Fasnachtszeit zwischen den beiden Halbkantonen Frieden zu stiften.
Im Kontermarsch zur ARI kommt gleich die nächste Stammclique den Steinenberg hinunter, der Barbara-Club steht ganz im Zeichen des Lifting-Wahns, besonders deutlich ist dies bei den Pfeifern zu sehen, denen es vor lauter kosmetischen Eingreifen auf gut deutsch «d Schnuure verrysst». Die Verursacher folgen auf dem Fuss; die Tambouren sind die Chirurgen, auch Halbgötter in Grün genannt.
Ein ganz grosses Thema ist bei den Cliquen dieses Jahr Bundesrat Couchepin und seine AHV. «Kai Blatt vors Muul» nehmen zu diesem Thema die Rhygwäggi. «Schaffsch wien e Sau fir d’AHA-VAU» lautet ihr Sujet. Die ganze Clique kommt als Rentnerinnen und Rentner in den letzten Kleidern aus dem Estrich daher und pfeift, beziehungsweise ruesst buchstäblich aus dem letzten Loch.
Ganz toll spielen auch die Basler Rolli dasselbe Thema aus. Sie kommen mit einer Prachtslaterne daher, auf der «roi Couchepin» verkündet: «L’état, c’est moi.» Dementsprechend bleibt den Tambouren und Pfeifern nur noch die Rolle des verlumpten Volkes. Couchepins Rezept für eine stabilere AHV verstehen die Alte Glaibasler als Lustbefehl: Magister dixit. Die Clique stellt das Lustergebnis dar, nämlich Babies soweit das Auge blickt. Auf dem dazugehörigen Wagen der Basler Gwäggi springen zehn «Couchepin-Luschtpfropfebuschi» in der Wiege umher.
«Meer Buscheli» sieht auch der Central-Club Basel als gutes Rezept an, damit Basel dann anno irgendwann wieder mehr Sitze im Ständerat hat. Vortrab, Tambouren und Pfeifer sind lauter süsse «Amor-Biebli» mit roten Herz-Luftballons, und der Tambourmajor tritt passend dazu als ein Riesenstorch auf.
Omnipräsent am diesjährigen Cortège ist auch das Bauen in Basel. «Basel, mir grau…ts» sagt hierzu die J.B.-Clique Santihans. Im Vortrab tauchen überfüllte Abfallkübel auf, patentiert vom Baudepp. Der eindrucksvolle Tambourmajor ist ein abgesägter Baum mit Wachstumsstörungen im Beton. Mehr als düster kommen auch alle Cliquenmitglieder in ihren grauen Kostümen daher, selbst die Blumen auf ihren Köpfen sind angegraut. Positiver beurteilt scheint Basels Architektur bei den Opti-Mischte zu sein, die allesamt als exakte Ebenbilder dem bekanntesten Basler Architekten huldigen. Doch halt, auch hier spielen selbstredend fasnachtstypisch kritische Töne mit, das Sujet dieses Prachtzugs lautet schliesslich «Herzog & Demeuropolis», und der Tambourmajor ist eine riesige schwarze Spinne, die sich ins Stadtbild frisst und dort sitzen bleibt.
Und grosses Cortège-Thema zum dritten: Das Hochzüchten von sogenannten Stars in Shows à la «Music Star». Die Giftschnaigge sind mediengeil und die Kameras in ihrem Vortrab unübersehbar. Die Rhyschnoogge zeigen mit ihren Pfeifern und Tambouren, wie die Welt rings um einen der Super-Stars zur grauen Masse wird, der Tambourmajor ist eine Riesenkamera, frei nach dem Motto: «Big Brother is watching you.»
Auch die Vereinigten Kleinbasler (VKB) suchen den Superstar, zwei Unermüdliche krampfen sich mit dem Schleppen einer Showbühne ab, und die Kostüme der Tambouren haben eine grandiose Wirkung: Obwohl die VKB-Trommler voll am Ruessen sind, strecken sie die Arme in die Höhe und fordern auf Schildern «Meh Drägg».
Bereits um drei Uhr ist es mit den wärmenden Sonnenstrahlen schon vorbei, dafür pfeift ein Wind um den Steinenberg, dass einem die Räppli nur so um die Ohren fliegen, und sogar einer der riesigen Sonnenschirme vom Comité-Standpunkt fällt der Bise zum Opfer. Deshalb verzichten wir doch lieber auf eine Glace vom Dupf-Club, so «gluschtig» die Kugeln auch aussehen, welche die Vorträbler der Stammclique den Kiebitzen servieren. «E waansinn, wie mir mediteraan sinn!», lautet das diesjährige Sujet der Stamm-Clique, und Pfeifer und Tambouren Stamm kommen farblich wunderschön in Strandkleidern und mit Sonnenschirmen auf den Köpfen daher. Um den Süden dreht sich auch das Sujet der Seibi, oder genauer gesagt um unsere nördlichen Nachbarn, die es nicht lassen können, alljährlich zur Ferienzeit den Süden zu überfallen. Die mit Hawaii-Hemden ausgerüsteten Mallorca-Touristen haben den langen Armen nach zu schliessen ihre Finger überall im Spiel. Uns kann dies wenig kümmern, denn wer denkt schon trotz Kälte an den Süden, wenn in Basel Fanacht ist.



