Charivari 2016 – aktuelle Vorfasnacht uus em Volgg, für s Volgg

16. Januar 2016 | Von | Bilder: Patrick Straub | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Musikalisch wie auch schauspielerisch zeigt das Charivari in diesem Jahr, dass sich der Weg ins Volkshaus lohnt. Nachdenklich, spitz, aber auch lustig sind die Rahmenstücke. Ideenreich die behandelten Themen. Eine Vorfasnachtsveranstaltung mit Qualität.

Was der Besucher zuerst zu sehen bekommt ist das setzkastenartige Bühnenbild. Im Grunde simpel, aber sehr wandlungsfähig. Colette Studer, Stephanie Schluchter, Mirjam Buess, Tatjana Pietropaolo, Nico Jacomet, Ayhan Sahin und Martin Stich haben ihren Platz wie die Fasnachtsblaggedde oder der Offiziellebecher. Sei es, dass sie ihre Sache denkt oder er als Junge Garde versus Stamm, schauspielerisch zeigen alle ihr Bestes.

Besonders hervor zu heben ist im ersten Teil das TeleCharivari, bei welchem kaum ein Auge trocken bleibt. Colette Studer als Guggetussi (und Regisseurin) schafft es sogar, dass an diesem Abend Guy Morin mehrere Lichter aufgehen. Als Premierengast kann sich der Stadtpräsident auf der Bühne noch körperlich ertüchtigen. Die diversen Basler Sender sind im pointierten Feuer des Ensembles, wie auch die Millionsspritze an den Landkanton oder die neuen Steine in der Innerstadt.

Nachdenklich und klamm wird es dem Besucher bei der Frage „Justitia quo vadis?“. Das Rahmenstück regt zum Nachdenken und Hinterfragen an und geht dem Gros der Zuschauer unter die Haut. Programm-Chef Erik Julliard hat es geschafft, sehr unterschiedliche Aspekte der Basler Fasnacht auf zu zeigen.

Die beiden Schnitzelbänke, Wanderratte im ersten und D Gwäägi im zweiten Teil, bringen spitze und pointierte Verse auf die Bühne. Apropos Schnitzelbängge, der Helgebueb erhält einen separaten Auftritt. Grammatikalisch gibt es keine Diskussion, wenn die Namen der bekanntesten Schnitzelbängge analysiert werden. Mathias (Mats) Brenneis reimt in einer Geschwindigkeit, welche nur noch durch seine Pointen übertroffen wird.

Der musikalische Teil ist ein Genuss, der seinesgleichen sucht. Die Pfeifergruppe Schäärede zeigt Piccoloklänge auf höchstem Niveau, dies sowohl im intonierten wie auch im unterhaltsamen Bereich. Die Vereinigten Glaibasler 1884 legen unter anderem mit den „Neye Glaibasler“ einen guten Auftritt hin. Zwar sind die Schränz-Gritte nicht rot, sondern orange, dafür zeigen sie mit gut arrangierten Musikstücken, das Quantität auch Qualität haben kann. Sängerische Qualität bietet auch das Quartett des Basler Männeroktetts, welches Colette als Justitia begleitet und die Vergangenheit mit der Gegenwart verwachsen lässt.

Über das Älterwerden haben sich auch die Altgardisten der Top Secret Gedanken gemacht. Merklich gealtert zeigen sie, dass trommeln auch mit Gehstöcken und im Rollstuhl noch möglich ist. Ein schöner Gedanke, zumindest für jeden Tambour.

Als Fazit kann gesagt werden, dass es ein guter Charivari-Jahrgang ist. Es hat Stellen mit Längen, welche jedoch gleich wieder von kurzweiliger Unterhaltung abgelöst wird. Schauspielerisch, schnitzelbanggtechnisch wie auch musikalisch ist alles auf hohem Niveau. Schliessen möchte ich meinen Bericht mit den letzten Worten des Charivari: „Die wo zämme yystööhn, die schtööhn au zämme“.

Das Charivari findet vom 16. bis 30. Januar 2016 im Volkshaussaal statt. Es hat für einzelne Vorstellungen noch Tickets. Tickets zwischen CHF 49.- und 70.- können sowohl im Basel Tattoo Shop (Schneidergasse 27 oder www.charivari.ch) wie auch an allen Ticketcorner-Verkaufsstellen bezogen werden.