Als gelungene Mischung von Wortwitz und Fasnachtsmusik präsentiert sich das Charivari in der Ausgabe 2012. Die einzelnen Nummern sind nicht mit einer durchgehenden Geschichte verbunden, aber mit sauberen Übergängen sanft verwoben. Nebst viel sonstigem Gutem begeistern vor allem die beiden Schnitzelbänke und die Alte Garde der Top Secret sowie eine rockige Nummer zwischen AC/DC und „de Alte“.
Bei Vorfasnachtsveranstaltungen sind die Schnitzelbänke oft „auch dabei“ und tragen bestenfalls zum guten Gesamteindruck bei. Beim Charivari begeistern die beiden „Bängg“ dagegen als absolute Höhepunkte. Die „Gwäägi“ überzeugen mit einer überraschenden Gass-Pointe und einem „Weltuntergangs-Vers“, der Musikalität und Witz in perfekte Harmonie giesst. Die „Schlyffstai“ im zweiten Teil steigern diese Kombination noch, indem die einzelnen Verse regelrechte Couplets mit den passenden Melodien sind. So werden die Finanzkrisen zu „Griechischer Wein“ und die Banken zum ABBA-Song „Money Money“ veräppelt. Ganz grosses Theater auch hier.
In unterschiedlich hoher Qualität – aber immer mit solcher – präsentieren sich die anderen Wortbeiträge. Voller Wortwitz ist der Prolog, der allerdings genauso noch Kürzungen verträgt wie der „Rahme“ über die Basler „Wiesn“, wo die Längen aber durch die umwerfende Komik der beiden Darstellerinnen (Colette Studer und Stephanie Schluchter) wettgemacht werden.
Als „Running Gag“ und quasi „Integrationsbeitrag“ wird der Prolog immer wieder von Vertretern verschiedener Volksgruppen „übersetzt“. Die Rolle übernimmt Ayhan Sahin, hoch-komisch als Afrikaner oder Araber. Schade, dass dieses Element vor der Pause nur einmal eingesetzt wird und so etwas in der Luft hängt.
Nach der Pause werden die Rahmenstücke spritziger und kurzweiliger. Bei einer Banntags-Parodie wird sogar gesungen, wobei diese Version des Baselbieter-Lieds jenseits der Hülftenschanz wohl auf wenig Begeisterung stossen dürfte.
Diese Nummer wird kombiniert mit einem Auftritt der „Charivari-Pfyffergrubbe“ und gibt somit ein typisches Beispiel für das Ineinandergreifen der einzelnen Elemente. Es gibt keinen roten Faden, trotzdem fügt sich alles am Charivari zu einer Einheit. Es ist ein Verdienst des Regisseurs Dany Wehrmüller, dass die diesjährige Ausgabe keine blosse Abfolge von Nummern darstellt, sondern ein Ganzes, das „verhebt“.
Musikalisch bewegt man sich mehrheitlich in traditionellen Gefilden, etwa mit den sauber intonierten „Gugger“ und „Vaudois“ der VKB, der „Ney Basler Daagwach“ der „weltbesten Tambouren“ (Zitat Charivari-Programmchef Erik Julliard), vuglo: Ruesser 89, oder dem schmissigen Medley der Negro Rhygass.
Allerdings gibt es drei Ausnahmen, wo alles andere als traditionelle Wege beschritten werden: Die Starpfeifer geben eine Melange aus den Melodien von „Schwanensee“ und „Nussknacker“ zum wirklich besten, und die Basel Dance Academy tanzt dazu, nicht ohne bei allem Können auch noch die verschiedensten Gags einzustreuen. Eine Super-Nummer, die aber nach der Pause von „TSAG“ noch getoppt wird.
Die Abkürzung steht für Top Secret Alte Garde. Da haben sich ein paar „Alte“ der Gruppe nochmals zusammengefunden, um sich auf der Bühne so richtig auszutoben. Eine frühere Nummer wird nochmals aufgegriffen, aber gleichzeitig persifliert. Man merkt den Akteuren den Spass daran an – und dem Publikum bereiten sie einem Riesenspass!
Regelrecht ausflippen tut das Publikum bei der Schlussnummer „Charivari on the rocks“, einer Fusion zwischen Rock- und Fasnachts-Klassikern. Mit einer Standing Ovation wurde eine Zugabe gefordert – mit Erfolg und völlig zu Recht!
Ob alle Politiker einen Riesenspass haben werden, die jeweils in eine Talkshow eingebaut werden, bleibt abzuwarten. Regierungspräsident Guy Morin war an der Premiere dran – und rezitierte tatsächlich das eigene „Värsli“, welches er am Abend zuvor schon bei Telebasel gesungen hatte. Das in der Generalprobe eingesetzte Morin-Double (Thomas Stauffer) war aber wesentlich schlagfertiger und lustiger als das Original.
Der General-Arabi beendete eine Premiere die folgenden General-Eindruck hinterlässt: Vor und nach der Pause je eine Stunde geballtes Amüsement mit vielen Höhepunkten und einem stimmigen Ganzen. Ein Charivari, dass ausverkaufte Ränge verdient hat – es soll für die meisten Vorstellungen an der Abendkasse noch Tickets geben.
Charivari 2012: 28. Januar bis 11. Februar, jeweils 20.00 Uhr im Volkshaus. Vorverkauf an allen Verkaufsstellen des Ticketcorners. Weitere Informationen und Buchung der Hospitality-Angebote: Glaibasler Charivari, c/o Basel Tattoo Shop, Schneidergasse 27, 4001 Basel, www.charivari.ch, ticket@charivari.ch.



