Charivari ohne Odyssee

27. Januar 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Wenn der Verantwortliche Jonas Blechschmidt keine sichtbaren Blessuren hat, bin ich immer froh. Das zeigt mir nämlich, dass alles im Lot ist und keine grösseren Probleme zu erwarten sind.» Dies waren die Begrüssungsworte von Daniel Thiriet, der sich auch äusserst lobend über die Stargäste Trudi Roth und Nubya äusserte, welche sich ohne jegliche Allüren perfekt ins Ensemble integriert hätten. Letztere hätte ausserdem den Vorteil, das Duchschnittsalter der Stargäste an den Vorfasnachtsveranstaltungen «auf deutlich unter 72 Jahre zu senken», wie sich Thiriet einen kleinen Seitenhieb auf eine andere und deutlich länger dauernde Veranstaltung nicht verkneifen konnte.

Der Eindruck, dass alles nach Plan verläuft, bestätigte sich auch an der Probe selbst. Der Text sitzt, die Korrekturen von Regisseurin Bettina Dieterle kommen präzis, aber ruhig, und die jetzt gesehenen «Mimpfeli» machen richtig Appetit auf das gesamte Menu, welches am 9. Februar Premiere hat. Als heimlicher Liebling des Publikums könnte sich dabei Kurt Walter erweisen, der den «geilen, alten Bock» im Altersheim zum Lamm auch nach der zwölften, von der Regisseurin angeordneten, Wiederholung mit hinreissender Vehemenz gibt.

Ein sicherer Wert ist zweifellos auch die «Grand Old Lady» Trudi Roth, die laut Daniel Thiriet «den Jungen so richtig zeigt, was noch gutes Handwerk ist». Sie selber nahm dieses Kompliment allerdings mit gemischten Gefühlen auf: «Altersbedingt verfüge ich nun mal über einen reichen Erfahrungsschatz, von dem die anderen gerne profitieren dürfen. Immerhin „theäterle“ ich nun, seit ich 16 Jahre alt bin. Absichtlich schulmeistern tue ich aber sicher nicht», erklärte sie gegenüber Basler Fasnacht Online. Auch über Erfahrungen in der Vorfasnachtsszene verfügt Roth, spielte sie doch 1992 bereits unter Helmut Förnbacher im Charivari und vor drei Jahren unter demselben Regisseur im Ridicule.

Auch die aus «Fascht e Familie» bekannte Schauspielerin bestätigt, dass es mit den Proben nach Plan laufe, ja mehr noch: «Eine so lange Vorbereitungszeit ist fast Luxus. Im Theater wird sonst oft nur 14 Tage geprobt.» Und es fehlt sicher nicht an der Begeisterung: «Im Fernsehen ist alles so steril. Hier kann ich mich auf den Kontakt mit dem Publikum freuen. Ausserdem ist die Zusammenarbeit mit dem Team grossartig. Man spricht zwar immer von „Laien“. Diese Leute, die nebenher auch noch einen Job haben, leisten aber Sensationelles.»

Ueber das Stück selbst soll noch nicht allzu viel verraten werden; der Vorhang wurde am Probenbesuch auch nur ein wenig gehoben. Vom Stil her ist die 03er Ausgabe aber sicher näher bei der letztjährigen «Faschtewaihe» als bei noch früheren, nicht von allen goutierten Experimenten. Man versucht sich aber trotzdem auch an neuen Stilelementen. Neu ist zum Beispiel, dass sich die prominenten und weniger prominenten Mitwirkenden zu Beginn beim Publikum mit richtigem Namen und der Bühnenrolle vorstellen. Dies schafft Nähe und gleich am Anfang Kontakt zum Publikum.

Und dieses Publikum scheint die Vorfreude bereits jetzt zu teilen. Wie der für den Vorverkauf verantwortliche Rico Tarelli berichtet, verlaufe dieser mehr als erfreulich. Freie Plätze gebe es praktisch nur noch für die beiden Montage und Dienstage, auch der Champions League-Mittwoch am 19. Februar sei so gut wie ausgebucht.

Dem Publikumszuspruch nicht geschadet hat anscheinend auch die Tatsache, dass man sich vom Attribut «Kleinbasler» getrennt hat und nur noch als Charivari firmiert. Getrennt hat man sich auch vom Charivari-Märschli, das über 500 Mal die Zuschauer nach der Pause in den Saal zurückrief. Die Nachfolge-Melodie lässt sich aber ebenfalls gut an und ist alles andere als neu. Erkennen werden sie all diejenigen, die das 98er Charivari mit Klezmer-Star Giora Feidman noch in Erinnerung haben.