Das diesjährige „Glaibasler Charivari“ beeindruckt bereits, bevor der erste Vorhang aufgeht. Die Kulisse, welche auf der linken Seite den Münsterturm und auf der Rechten die Clarakirche darstellt und die bei der Inszenierung eine tragende Rolle spielt, ist ein absoluter Blickfang. Von diesen beiden Aussichtsplattformen aus hat man schliesslich auch den besten Blick auf die Szenerie, die sich genau dazwischen auf der Bühne während über 2 ½ Stunden abspielt.
Während mehrere „Charivarimännli“, im ganzen Festsaal verteilt, mehrstimmig „s Charivari-Pfyfferstigg“ spielen, thront eines bereits auf dem Münsterturm und entledigt sich beim Öffnen des Vorhangs seiner Larve. Darunter befindet sich Colette Studer. Die Schauspielerin, welche auch in diesem Jahr Regie führt, setzt mit ihrem Ensemble Bernadette Brack, Stephanie Schluchter, Tatjana Pietropaolo, Benjamin Merz, Martin Stich und Nico Jacomet sogleich zum Rundumschlag gegen Bundes- und Regierungsvertreter an. Das Ganze in farbenprächtiger Kulisse auf der „Fähri“ vor der Mittleren Brücke. Närrisch mit Kappe, grosser Klappe, feinem Wortwitz und natürlich in Versform, laden die Mimen zu einem abwechslungsreichen Programm ein, welches mit vielen Höhepunkten gespickt ist und mit überraschenden Kombinationen aufwartet.
Mit einem zünftigen „Rossingnol“ glänzen d Naarebaschi, dr Schwoobekäfer (Comité-Bängg) zelebriert die Verse in seiner unnachahmlichen Art, d Schäärede mit em „Ablauf“ pfeiferisch gediegen und immer aufmerksam, dass sie nicht in der Toilette heruntergespült werden, und „dr Vorträbler“ alias Mathias Brenneis, frohlockt Figaro-mässig „alli wänn Zeedel haa!“ D Drummelgrubbe vo de Naarebaschi ruessen „d Faschtewaie“ und das Ensemble tummelt sich in mehreren „Raamestiggli“ auf der Fähre vom Leu, und dies unter ständiger Beobachtung vom Münsterturm und der Clarakirche. Sehr gelungen und zeitgemäss ist die SMS-Korrespondenz zwischen einem Fasnachtspaar. Sehr lustig, aber ohne Happy End.
Der Abschluss des erstem Programmteils ist den Negro Rhygass vorbehalten. Pompös, fetzig mit dumpfem Schlag, feinen Piccolotönen, schmetternden Trompeten und satten Posaunen, setzen sie volkstümliches und nostalgisches „give a little bit vo Supertramp“ glanzvoll in Szene, „Negro-Buebe halt“. Gespannt darf man sein, ob einige Medienvertreter ihr Outfit als nicht zeitgemäss kommentieren werden, obschon sich ihr diesjähriges Charivarikostüm einzig und alleine an ihrem Vereinsemblem orientiert!
Nach der Pause sorgen erneut d Naarebaschi mit „em Elfer“ für fasnachtliche Klänge, bevor d Gwäägi (Comité 1914) hoch über den Dächern von Basel das Publikum mit einem brillianten Vortrag zu Beifallsstürmen hinreissen. Wirklich gelungen ist auch der Auftritt der Six Chicks. Das aus sieben Frauen bestehende Acapella-Sextett ist hinreissend, sympathisch und stimmgewaltig. Wunderbar auch die Kombination aus Stimme und Piccolo (mit de Schäärede). Ein wirklicher Genuss und einer der vielen Höhepunkte des diesjährigen Charivari.
Im Programmheft gross angekündigt erwartet man nun die Trommelvirtuosen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Die Schlaginstrumente sind auf der Bühne bereitgestellt und da sind die Taiko Traditional Drumming Group aus Kyoto. Ääääm? Die vermeintlich japanischen Schlagvirtuosen scheinen etwas gar gross zu sein und haben auch nicht unbedingt ein asiatisches Aussehen. Ohne hier einer grossen Überraschung den Dampf aus dem Kessel zu lassen, kann ich berichten, dass es sich hierbei um eine rasante Persiflage durch das Top Secret Drum Corps handelt. Gewohnt präzise, aber auch mit einem gewissen Schalk im Nacken, sorgen sie für viel Wohlgefallen beim Premierepublikum.
Die Schlussnummer „Morgestraich“, schön arrangiert mit den Six Chicks, d Schäärede und den Top Secret, machte die Gäste jedoch nicht atemlos. Leider war der Ton etwas übersteuert, und so büsste die Nummer etwas sehr an Qualität ein.
Nebst der wirklich gelungenen Kulisse von Christoph Knöll und den darin befindlichen Sprecherinnen (Bernadette Brack und Stephanie Schluchter) steht das „Charivarimännli“ im Zentrum des diesjährigen Charivariprogramms. Colette Studer weiss in verschiedensten Charakteren zu glänzen. Sei es als hauchdeutschsprechendes Schulmädchen auf der Fähre, als blauperückte Guggetussi oder als suizidal veranlagte Quotenfrau, als Dame vom Daig oder als Nachrichtensprecherin. Wirklich grandios! Sie, aber auch der Rest des tollen Ensembles, wurde vom Premierenpublikum verdientermassen mit einer Standing Ovation beglückwünscht, und es stand ihnen die Erleichterung über eine überaus geglückte Charivari-Premiere ins Gesicht geschrieben.
Das Charivari 2015 überzeugt mit feinen Texten von Walter F. Studer, Felix Julius, Dieter Moor, Lucien Stöcklin, Vloggy Strohm, Hansjürg Thommen und Christine Wirz-von Planta, mit Piccolovirtuosinnen, welche ihr Handwerk verstehen, einer tollen Fasnachtsclique, zwei Spitzenbänken, einer sympathischen Acapella-Formation, einer Gugge, die fäggt, den Schlagakrobaten, einem Ensemble, das glänzend aufspielt, und einer kleinen, blonden Frau, die aber in der Vorfasnachtsszene ganz gross ist!
Charivari 2015: 24. Januar bis 7. Februar (15 Vorstellungen) im Volkshaus. Beginn jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Preise zwischen CHF 49.- und CHF 70.-, dazu div. Hospitality-Angebote. www.charivari.ch.



