Die diesjährige Ausgabe des Charivari überzeugt mit einer tollen fasnächtlichen Grundstimmung – gefördert durch „haimeliggi“ Bühnenprojektionen –, mit grösstenteils sehr pointierten Rahmenstücken, einem Schnitzelbank in Frühform und musikalischen Highlights. Vermisst wird dagegen etwas die Einheit; die einzelnen Teile ergeben nicht unbedingt ein stimmiges Ganzes, auch wenn die Regisseurin als Charivarimännli mit meist sehr witzigen Auftritten als Klammer dient.
In die richtige Stimmung wird das Publikum gleich zu Beginn gebracht, wenn sechs Charivarimännli die traditionelle Erkennungsmelodie spielen, und dies aus allen Teilen des Saales. Ein Charivarimännli bleibt dann, erkennbar als die Regisseurin Colette Studer, die den Prolog mit fein gedrechselten Versen lanciert. Den Ball übernimmt auf der Bühne ein Karussell mit Fasnachtsfiguren, welche all diejenigen Dinge aufnehmen, die in den letzten Monaten nicht so gut gelaufen sind in Basel und Umgebung.
Die folgenden Wortbeiträge sind von unterschiedlicher Qualität. Zu den absoluten Höhepunkten gehört zweifellos der Schnitzelbank: „D Gwäägi“ brillieren mit einem BVB-Vers, bei dem jede Zeile ein Lacher ist, und mit einer überraschenden Conti-Pointe. Auf gleich hohem Niveau ist die fast schon dadaistische Baustellen-Nummer mit einer sehr originellen Hommage an das „Grääbe graabe“ von Megge Buser. Viele Höhen, aber auch einige Tiefen erlebt man in den beiden „Rääme“ über die Uelis am Vogel Gryff und die Heilsarmee, wobei letztere immerhin einen Trost für mollige Frauen bereithält: Diese seien nicht dick, sondern verfügten nur über mehr erotische Projektionsfläche.
Von auch eher geringer Pointendichte stellt sich ein Cliquen-Integrationsstück dar, dass man in dieser Art irgendwie schon mal gesehen hat. Versöhnt wird man danach mit Pirmin Muggenhirn als fanatischem Pfeifer und Stephanie Schluchter als seine Schwangerschaft gestehende Partnerin – diese Nummer ist kurz, prägnant – und schlicht grandios.
Musikalisch überzeugen die Spale-Clique – etwa mit der Adaption des River-Kwai-Marsches „S Hündli“ – wie die VKB-Tambouren als Römer mit einem sehr schmissigen „Dreier“. Geradezu sensationell ist dann die Pfeifergruppe „Schäärede“; bei ihrer „Swingin’ Safari“ inklusive „The Lion sleeps tonight“ swingt der Saal voll mit.
In eine ähnliche Richtung geht die Schotte-Clique, welche nach der Pause das Publikum perfekt abholt und zeigt, dass sie nebst Instrumenten auch den Gesang beherrschen. Die „alten Herren“ des Top Secret Drum Corps erweisen sich als sicherer Wert und überraschen damit, dass sie sogar noch die Baseline selber bedienen. Und die musikalische Schlussnummer – mittlerweile fast schon Tradition am Charivari – reisst von den Sitzen.
Wenn eine grundsätzliche Kritik angebracht ist, dann die, dass die einzelnen Teile nicht so richtig zu einem Ganzen werden im 2014er Charivari. Den Roten Faden spinnen soll das Charivarimännli, gespielt von der Regisseurin selbst. Das ist teilweise grandios, etwa wenn sie als fasnächtliche Ober-Feministin Mitglieder für ihre „Spitzewyyber“ sucht oder sich als „Gugge-Tussi“ einen „Umbau“ überlegt, und vor allem im äusserst witzigen Prolog-Einstieg. Als Fremdkörper wirkt es dagegen, wenn das Charivari-„Männlein“ auf Liza Minelli macht, auch wenn der Erotik-Faktor unbestreitbar hoch ist. Spannend wiederum das „News-Männli“, dass tagesaktuell das Geschehen aufnehmen will.
Die leise Kritik ändert nichts am positiven Gesamteindruck der diesjährigen Ausgabe des Charivari. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Bühnenbild-Projektionen von Roger A. Magne, Dätt Marti, Markus Mensch, Jürgen von Tomëi und Cornelia Ziegler, wird eine Stimmung in den Saal übertragen, die ihresgleichen sucht. Die Schauspieler, neben den bereits erwähnten sind dies Bernadette Brack, Benjamin Merz, Niggi Reiniger und Béatrice Waldis „Struppi“, tun ihr übriges dazu, so dass man am Schluss sagen kann, das Charivari hat seine Hauptaufgabe prächtig erfüllt: Es macht Lust auf die Fasnacht.
Charivari 2014: 8. – 22. Februar 2014 im Volkshaus Basel, werktags jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Ticketpreise Fr. 49.- – Fr. 70.-, diverse Hospitality-Angebote. Beratung, Information und Reservation 061 266 1000 oder ticket@charivari.ch. Weitere Informationen unter www.charivari.ch.



