Charivari 2010: Mamme, blyb hange! E Stuubete an dr Petersgass

14. September 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Dass der Ort, an welchem die erste Medienorientierung vom neuen Charivari stattfindet, etwas mit der jeweiligen Aufführung zu tun hat, gehört zur Tradition wie die Mehlsuppe zum Morgestraich. Trifft man sich im Schällemätteli, so geht es um Mord. Ist es das Antikenmuseum, so passt es zum Thema Odyssee und ist es der Barbara-Keller, dann handelt es von der Fasnacht. Diesmal lud das Team ins Haus der Familie Lautenschlager an der Petersgasse 50. Der Zusammenhang wird klar, sobald man den Untertitel kennt: «Mamme, blyb hange! E Stuubete an dr Petersgass». Programmchef und Vice-Obmann Jonas Blechschmidt gab einen kleinen Einblick ins neue Programm:

An der Petersgasse 50 wohnt Päuli Kuenz, ein 60-jähriger, eher engstirniger Kleingewerbler. Hier findet seit vielen Jahren an der Fasnacht eine Stuubete statt. Dies nach stets demselben Strickmuster – zumindest zu Lebzeiten von Mamme Loreli Kuenz. Sie ist allerdings nur noch als schlecht an die Wand genagelte Fotografie präsent, bringt sich allerdings immer wieder in Erinnerung, da sie mit fast bösartiger Zuverlässigkeit von der Wand fällt, wenn bei der Vorbereitung nichts mehr ist wie es einmal war. So merken Babbe Kuenz und seine 28-jährige Tochter Jessica immer wieder, welche Lücke sie hinterlassen hat. Und weil zu allem Überfluss das ebenso selbstbewusste wie renitente Töchterchen Tschesseli lieber Fasnacht macht statt am Herd zu stehen und stundenlang in der Mehlsuppe zu rühren ist es am Montagmorgen um fünf vor vier Uhr eher fünf vor zwölf. Die Ziibelewaie ist noch kalt, der Weisswein warm und Kuenz zunehmend gereizter und verzweifelter. Zwar hat Tschesseli vorgesorgt und ihre beste Freundin engagiert. Doch diese nimmt es mit der Pünktlichkeit nicht so genau.

Das Stück spielt in der Zeit vom Laterneneinpfeifen am Sonntagabend bis zum Ändstraich am Donnerstagmorgen. Es beinhaltet schrägen Witz, eine romantische Liebelei, viele berühmte Stubete-Gästen aus Sport, Gesellschaft und Politik und natürlich viel Fasnachtsmusik, tolle Bängg und mit bestens in den Plot eingebettete Satire-Stücke, die mal bitterböse, mal lieblich-sanft daherkommen, ehe am Ende der Schlusspunkt an einem überraschenden Ort gesetzt wird. Dort nämlich, wo Päuli Kuenz üblicherweise sein Brett vor dem Kopf hat.

«Es war ein extrem spannendes Vorbereitungsjahr», berichtete Obmann Daniel Thiriet. Da die letzte Produktion erstaunlich viel negative Kritik einstecken musste, das zu teure Programm 2009 mit einem Defizit von 3’500 Franken abschloss und der Hauptsponsor UBS, welcher immer eine ganze Vorstellung aufgekauft hatte ausgestiegen ist mussten neue Wege gesucht werden. So musste der Ticketpreis um 2 Franken erhöht werden und die Vorstellungen beginnen alle eine halbe Stunde früher. So sollen die Besucher die Möglichkeit haben, nach der Vorstellung in der Charivari-Beiz noch ein Bierchen zu trinken, was auch etwas Geld in die Kasse bringen würde. «Und sehr wichtig ist», so Thiriet, weiter, «dass in der neuen Produktion viel gelacht wird».

Neu sind auch der Regisseur und die Texter. Regie führt der in Basel geborene Danny Wehrmüller. Er arbeitet als freier Regisseur und als Primarlehrer im Teilpensum, ist aktiver Fasnächtler und Verfasser von zahlreichen Fasnachtszeedeln und Schnitzelbänken. Texter sind die St. Galler Ueli Ackermann (Schauspieler, Kabarettist, Autor, Texter, Regisseur, Pädagoge) und Josef Zindel (Satirischer Kolumnist, Buchautor, Mediensprecher und Öffentlichkeitsbeauftragter des FC Basel 1893 und Inhaber der Einzelfirma Josef Zindel in Pratteln).

Mitwirkende sind die Basler Mittwoch-Gesellschaft 1907, die Guggemuusig Krach-Schnygge 1964, die Pfyffergruppe Schäärede, die Tambourengruppe Chriesibuebe, sowie der Schwoobekäfer und zwei weitere noch nicht bekannte Schnitzelbängg. Das Schauspielensemble besteht aus Walter Kurz, Barbara Näf, Colette Studer, Salomé Jantz und Andreas Aelter. Dazu verspricht David Bröckelmann – ja, auch das Charivari hat einen Stargast – ein echter Leckerbissen zu werden. So unterhielt sich der Imitator an der Medienorientierung als Matthias Hüppi mit den Stuubetegästen Christian Grooss, Hakan Yakin, Kurt Aeschbacher, Moriz Leuenberger und – last, but not least – BFO-Redaktor André Auderset.