Die Story lässt viel Gutes erwarten: Eine «Vereinigung mittelmässiger Vorfasnachtsveranstaltungen» will das Charivari sabotieren und beauftragt dazu den Teufel persönlich. Dieser verwandelt sich in die höchst attraktive Luzia und übernimmt gleich den Vorsitz der Programmkommission. Logisch, dass nun alles schief geht und das Programm schliesslich mit gerade mal drei Nummern auf bedenklichem Niveau dasteht. Nach und nach kommt man der «Teufelin» aber auf die Schliche, und das Charivari wird gerettet, wobei «aus der Not geboren» sensationelle, musikalische Darbietungen entstehen.
Trotz dieses originellen «Plot» kommt vor allem im Teil vor der Pause kaum Stimmung auf. Zu starr ist die Inszenierung: Auf einer sehr spartanisch eingerichteten Bühne agieren praktisch nonstop dieselben sechs Darstellerinnen und Darsteller. Es entsteht fast keine Bewegung und noch weniger Überraschendes, dazu ist der Text etwas langfädig und wird nur selten von Pointen aufgelockert. Einzig «Tortella», die mit «Pfeifen» in verschiedenen Grössen von ihrem italienischen Vater als Charivari-Nummer portiert wird, darf als «running Gag» diverse Male auf- und wieder abtreten. Die Darstellerin Stephanie Schluchter dankt dieses Privileg mit einer hinreissenden Komik.
Betont werden muss, dass die Kritik denn auch keineswegs den Schauspielerinnen und Schauspielern gilt, welche die in den meisten Cliquen-Vorständen vorkommenden Charaktere perfekt herausbilden. Grandios ist vor allem die exaltierte Cécile Gschwind als «Sälber-Gstriggti», nicht minder die intrigante «Teufelin» Franziska Flückiger und die «Cüpli-Tante» Barbara Näf. Auch der männliche Part überzeugt mit dem als Gutmenschen auftretenden Marcel Mundschin, Ueli Ackermann als Macher und Macho und dem kurrligen «Italo» Olivier Mantel. Gegen die zu starren Bedingungen im ersten Teil kommen sie aber nur schwer an.
Deutlich besser wird es nach der Pause, als Tempo ins Spiel kommt, die Zusammensetzung des Ensembles auf der Bühne in stetem Wechsel ist und die Texte zwischen den musikalischen Darbietungen kürzer sind. Dazu sind diese Nummern schlicht grossartig. Vor allem die Interaktion zwischen der Karibikband «Schwellheim», dem Schnitzelbänkler «Schwoobekäfer» und dem Beatboxer Claudio Rudin ist eine Sensation. Überraschend auch die Komination von Piano, Vibraphon und Piccolo, letzteres wie immer perfekt von Kevin Klapka. Dazu gefallen die Gugge «Mohrekopf» mit Alphorn-Begleitung, die auf und an Bügelbrettern musizierende Tambourengruppe «Aprico» und – ein Höhepunkt vor der Pause – die Pfeifergruppe «Schäärede», welche neben perfekter Beherrschung des Instruments auch noch eine lustige Choreographie drauf haben.
Alles in allem sicher ein gutes Charivari. Allerdings ist man mit dem etwas gefährlichen Motto «Besser als die andere…» (Charivari) angetreten: Diese Vorgabe erfüllt sich leider nicht so ganz.
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