Charivari 2006 Alter schützt vor Fasnacht nicht

5. Februar 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

Dem Sprichwort nach schützt Alter vor Torheit nicht. Dies beweist das Stück «E Zwaier uss dr Schnabeltasse!» des Charivari 2006 genau so wie die Tatsachen, dass Alter auch nicht vor Liebe und schon gar nicht vor Fasnacht schützt. Der Titel weist schon darauf hin, dass dieses Jahr nicht die Jugend, sondern eher die reiferen Jahrgänge im Vordergrund stehen. Das «Muusigtheater vo dr Fasnacht» spielt denn auch in einem Kleinbasler Altersheim, wo die beiden alten Freunde, Karli und Mäni ihren Lebensabend geniessen, bis mit Dorli eine alte Dame ins Heim eintritt, die sich noch zu jung fühlt, um der Liebe vollends zu entsagen.

Was die beiden Alt-Galane dann in zum Teil aberwitzigen Szenen an Liebeswerben aufführen, bietet reichlich Gelegenheit für viel Humor von der feinen bis zur rabenschwarzen Sorte und manchmal auch für einen Schenkelklopfer – etwa, wenn die Krankenschwester mit «Beate Uhse» zum Gehen aufgefordert wird. Die Szenen sprechen aber auch durchaus romantische Gefühle an, stets rechtzeitig durch Witz gebrochen, bevor es ins Kitschige abdriften könnte. Oder sie werden, wenn sie – wie eine Box-Einlage im zweiten Teil – etwas gesucht wirken, sofort durch Musik aufgefangen.

Dass es eine wirklich runde Geschichte ist, dies ist zum einen der Verdienst der beiden zum Brüllen komischen Hauptdarsteller Domenico Pecoraio und Niggi Reiniger, welche dem berühmten Balkon-Renterpaar aus der Muppet Show in Nichts nachstehen. Zum zweiten ist es aber auch ein Werk des Regisseurs Peter Portmann, der den Handlungsstrang straff führt und trotzdem immer wieder Raum für kleinere Nummern der umwerfenden Amateur-Nebendarsteller lässt. Dazu ist es ihm wie letztes Jahr perfekt gelungen, Musik und Stück zu einer Einheit zu verknüpfen. Am besten kommt dies gleich am Anfang zu Geltung, als Karli und Mäni stark alkoholisiert nach Hause wanken und dies von Piccolos perfekt untermalt wird – wahrlich ein Fasnachtsrausch!

Bei den musikalischen Elementen überstrahlt Othella Dallas alles. Was für eine Präsenz und was für ein Feuer mit 81 Jahren! Alters- und Musik-mässig fast gleichwertig ist Ruedi Gassert mit seiner Mundharmonika, der ausserdem als Nebendarsteller für einige Lacher sorgt und mit dem Stück «Spiel mir das Lied vom Tod» auf für einen gehörigen Schuss Morbidität. Sehr (viel)stimmig auch die «Basler Rolli», «Schäärede» und «Ruesser», während die Gugge «Rhy-Pirate» (mit einem Auftritt am Morgestraich!) den Takt noch etwas suchen müssen.

Zu kritisieren gibt es wenig. Vielleicht den Schnitzelbangg «d Muulwiirf», der mit einem «Schwoobe-Värs» begann und dann wenig Steigerung zeigte. Oder die Nummer, in der auf einem Küchenherd getrommelt und dazu gerappt wurde. Wenn man um die trommlerische Brillianz von Edith Habraken und die humoristischen Fähigkeiten von Roland Herrmann weiss, so war das in der (auch akkustisch schlecht verständlichen) Nummer etwas verschenkt. Dafür sorgten die «Shipwrecked Chanteymen» mit ihren Baseldeutsch (!) gesungenen Seemannsliedern für einen herrlichen Schuss schwarzen Humors.

Alles in allem ein wirklich gelungenes Stück Vorfasnacht in bester Charivari-Tradition. Vom (etwas sehr lang geratenen) Schluss soll nicht mehr verraten werden, als im Programmheft steht: «Karli und Mäni bekommen, was sie brauchen, Krankenschwester und Ärztin, was sie verdienen und Dorli eine neue Aufgabe.» Und wir ergänzen gerne: Die Zuschauer bekommen das, was sie sich erhofft haben – einen sehr vergnüglichen Abend mit einer guten Story, herrlicher Musik, gewürzt mit einem guten Schuss Humor und einer pikanten, makaberen Prise.