Charivari 2005: Musik und Theater in perfekter Harmonie

15. Januar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Wenn s am Määntig sächsi lüttet!» heisst die fasnächtliche Geschichte «in zwei Dialekten». Dass dabei die Animositäten zwischen Basel und Zürich ausgespielt werden, war schon vorher bekannt – und viel mehr soll über den Inhalt der Geschichte auch jetzt gar nicht verraten werden. So viel sei aber gesagt: Die Autoren sind nicht der Verführung erlegen, billige Pointen über Zürich zum Unguten zu geben. Vielmehr werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten und ihren Bewohnern in einem heiteren Schwank mit viel Feingefühl aber ebenso viel Humor herausgearbeitet.

Um so etwas umzusetzen, braucht es natürlich die richtigen Darstellenden, und die sind im Uebermass vorhanden. Ein Highlight der besonderen Art ist Kurt G. I. Walter, der sich umwerfend über die Zürcher aufregen kann; in nichts nach steht ihm aber sein Zürcher Pendant, verkörpert von Heidi Diggelmann, die alle Vorurteile gegen die Basler darlegt. Aber auch die jüngeren Hauptdarsteller zeigen eine grosse Präsenz auf der Volkshaus-Bühne. Kristina von Holt und Roland Herrmann brillieren in ihren «kantonalen» Rollen, aber auch – welch grossartiger Einfall – als jeweiliger Gegenpart. Wer das nun nicht versteht: Man muss es sich anschauen!

Und wenn wir nun gleich bei den grossartigen Einfällen sind: Ein solcher war es zweifellos, das Zürcher Original Blues Max zu verpflichten. Sein Prolog und die Schnitzelbangg-Versuche (lustigerweise hatte man im Pfyfferli einen ähnlichen Einfall) waren schon zum brüllen. Mit dem Cervelat-Song und vor allem mit seinem fast schon verzweifelt vorgetragenen Montagmorgen-Blues schlägt er aber alles.

Auch zwei «richtige» Schnitzelbänggler sind zu hören. «S spitzig Ryssblei» überzeugt in seinen Versen mit überraschenden Wendungen. Speziell zu erwähnen sind hier die Verse über Hakan Yakin und Frau Zanolari. «D Gwäägi» sind etwas musikalischer, ohne das die Pointen darunter leiden. Der beste Bank, wenn auch leicht unter der Gürtellinie, kam aber vom Blues Max. Dass in Basel so viele Ehen schief liefen, liege nämlich an der Fasacht: Die Männer hätten zu grosse Trommeln und zu kleine Pfeifen.

Bei allem Lob für den Theater-Teil sei das Musikalische nicht vergessen. Kevin Klapka verrengt sich die Finger am Piccolo und erntet den ersten tosenden Applaus. Die Chriesi-Buebe brillieren an den Trommelschlegeln, die Lälli-Clique unter anderem mit einem wunderschön arrangierten Arabi und die Rätsch-Beeri mit einem FCB-Meadley in Rot-Blau. Keineswegs «näbe de Schiine» war Edith Habraken als Lokführerin an der Kesselpauke. Speziell für das diesjährige Charivari wurde die Pfeiffergruppe «Schäärede» gegründet; es ist zu hoffen, dass Annika Juillard diese Fomation noch länger am Leben erhalten kann.

Sensationell waren aber nicht nur der Theater- und der musikalische Teil. Sensationell war vor allem die Verknüpfung der beiden gleichberechtigten Hauptelemente. Hatte man in früheren Charivaris bisweilen das Gefühl, nach so-und-so-viel Text würde nun relativ zwanghaft ein fasnächtliches Musikelement reingezwängt, so stellt das Charivari 2005 ein harmonisches Ganzes dar. Alles passt mit- und ineinander. Ein grosses Kompliment an den Regisseur Peter Portmann, der zum ersten Mal eine solch «grosse Kiste» inszeniert hat. Diese Herausforderung hat er brilliant gelöst und sich so hoffentlich für eine Vertragsverlängerung empfohlen.

Alles in allem ein wirklich ausserordentliches Charivari 2005. Man habe wohl nun wirklich seine Linie gefunden, erklärte nach der Premiere einer der Macher. Bei dieser Linie kann man auch gerne bleiben. Und noch eine Empfehlung: Feiern sollte man das grossartige Erlebnis eines Besuchs im Volkshaus danach im Charivari-Keller. Das Team führt ihn nämlich selbst – und dies nächstes Jahr nur dann, wenn sich das Experiment bewährt.

Weitere Informationen:

NEU Foto-Galerie von der Vorfasnacht 2005