BSG-Schlussoobe: Klein, aber fein

4. März 2012 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Nur noch elf Formationen bringt die Basler Schnitzelbangg Gsellschaft auf die Bühne. Diese zeigen aber mehrheitlich Qualität, was den Schlussoobe in den Rasser-Theatern zu einem angenehmen Erlebnis werden lässt. Musikalisch fein lässt sich auch die fasnächtliche Umrahmung an.

Starformation nach dem Abgang des „Schorsch“ vor einigen Jahren ist und bleibt der Schnitzelbangg Die Gsalzene. Einmal mehr brillieren sie mit einem Monstervers zur Melodie des Kriminaltangos, welcher deutlich zu lang ist, um ihn zu zitieren. Gut ist aber auch dieser hier:

Im Fümoir vo de Sioux im Indianerreservat
Said dr Haiptling „Fetter Elch“ zem Haiptling „Kleiner Kopfsalat“:
„Die Sach mit däne Fumoir schyynt mr gspässig als Idee
Bi dämm Durenand vo Rauchsignal kasch s‘aigne Wort nimm gsee!“

Von allen Parteien bekommt die SVP naturgemäss das Meiste ab. So etwa beim Stoorch:

Bi de Bundesrootswaale landet d SVP hart.
Voorhäär no zaigt si sich isserscht smart.
Aber smart und SVP basst halt kai bizz
denn e Smart hett doch immerhin – zwai Sitz.

Bitter böse verknüpfen Babberlababb die SVP mit dem unseligen Nationalbank-Präsident:

S’Trio Blocher, Köppel, Somm isch ganz erreggt
Sy hänn bim Hildebrand am Schtägge Drägg entdeggt
Mir versteen das jo und dien drumm au nit muule
Jä, wo’s vyyl Drägg git geen sich d’Säu halt gärn go suule

Zu diesem Thema fanden auch die Haiggle eine schöne Variante:

Dr Philipp Hildebrand het si Job verloore
D Mainige göön ussenand in allne Foore
Nur dr Paabscht lächlet still, und dänggt sich ganz genau
Isch daas e Glügg, hann yych kai Frau

Mit lokalen Desastern beschäftigen sich die Bebbi-Buebe und schaffen mit dem folgenden Vers das, was man eigentlich immer anstreben sollte: die Pointe erst ganz am Schluss zu verraten.

Mi Bueb kunnt heim und d Mamme schreit
Wo bisch au wiider umme keit
E Loch im Sogge , dr Grind verschlaage
S Hemmli offe , ab dr Graage
Mir hänn doch nur, seit är und lacht
Am Voltablatz e Feschtli gmacht

Auch die Rätschbääse halten die Spannung bis zum Schluss hoch – und haben dazu eine äusserst originelle Pointe:

D Frau Käller wird bald hundert und isch gaischtig no guet druff
numme d Bai wänn nim so rächt, das macht si langsam muff
fascht jeedi Wuche keiht si um, das koschtet Schmärz und Quaale
jetz hett si d Grangekasse gfroggt: „ab wenn grieg y Fallpauschale?“

Die Mac Väärs’s kommen schottisch daher, geizen aber keineswegs mit Pointen. In der von der BSG zusammengestellten Dokumentation kommen sie auf nicht weniger als 18 (!) Verse. In einem treiben sie das Prinzip der späten Auflösung auf die Spitze – hier kommt die Pointe buchstäblich am Schluss:

E Phasaschier vo dere Gryzfaart Het gsait das Ungligg haig me blaant
Nur, ass daas wiirgglig ärnscht isch Het är am Aafang noonig gaant
die ganzi Crew sig involwiert gsi Är wär am liebschte wiider Hai
Denn scho bim boarde het me nämmlig Allne gsait – heee, comme Stai

Wenn einem nichts anderes einfällt als Schnitzelbangg, so bringt man einen Zircher- oder Schwoobe-Värs. Dass ein solcher aber auch gut sein kann, beweisen die Unerheerte, die unter em Moto „Nuda veritas“ (Die nackte Wahrheit) auftreten, aber selbstverständlich kostümiert sind:

Uff Facebook sin mer aafangs 20, sexy und nid bunde
Frindschaftsaafrooge bestäätige mer unumwunde
Doch die vom Phaapscht hän mir abgsait
Noo mee Schwoobe hätte mir nimm vertrait

Das zweite Mal dabei sind d Emigrante – und die gehen nach dem bewährten Motto „die einfachsten Verse sind die besten“:

D Baselbieter, die sinn doo
Am Neijoorsapéro nit koo
Dr Grund dä lyychtet yy de maischte:
Die kenne sich die Rais nit laischte.

An dasselbe Rezept halten sich auch d Uffestuehler, die wirklich „härzig“ reimen:

Kyrzligg isch im Gundeli
Verschrogge mi glai Hundeli
Nai nit wäägen em Fliegeli
He nai deert fliege Ziegeli

Der frühere „Binggis-Bangg“ Schloofkappe ist den Kinderschuhen eindeutig entwachsen. Entsprechend anzüglicher werden auch seine Verse. Der da gefiel besonders gut:

Es fluecht ain in Italie „Mammamia, Goppelooni!“
„Kaini Maiteli liebt me in däm Land Silvio BerLUSCHTconi
Ass äär het miesse goh, das wurd ihm scho e bitzli gruuse
Jetz isch si Schuss statt vorne – halt emolle hinde-n-uuse.

Nicht vergessen wollen wir die musikalische Ummantelung mit der „Fägi Musig“ und den „Schoggihaase“. Auch sie hatten ihren Anteil an einem äusserst gelungen Abend.