Für einmal wurden Schnitzelbängge am BSG-Schlussoobe nicht nur gesungen, sondern auch gepfiffen. Der Auftritt der Charivari-Starpfeifer war – nebst einigen gepfefferten Gesangsauftritten – der Höhepunkt des Anlasses am Kehruus-Samstag. Bei den Versen würde man sich mehr Vielfalt und vor allem mehr Regionales wünschen. Trotzdem und alles in allem: ein wirklich gelungener Abend mit vielen zündenden Pointen.
Wenn die Schnitzelbänggler am Kehruus-Samstag nochmals ein „Best of“ vortragen, nennt man dies „Schlussoobe“, bei der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG) übrigens schon zum 91. Mal. Seit einigen Jahren ist es bei der BSG nicht nur ein Auftritt pro Abend, die Formationen gehen auf eine kleine „Route“ in den Rasser-Theatern Fauteuil, Tabourettli und Kaiser-Saal sowie ins Hotel Basel.
Apropos „Best of“, es hatte tatsächlich einige Spitzennummern darunter. So die noch jungen und trotzdem sehr selbstbewussten MäcVäärs’s, die sich gleich einigen Themen sehr speziell – und originell – nähern:
Dr Lumengo het betrooge
Jetz will en d’SP nimme gsee
Im Nazionaalroot nim willkomme
Fir d’CVP isch är passé
Au d’FDP will nid me wisse
Jetz macht iim d’SVP dr Hoof
Si wurde iin gäärn anngaschiere
Uff e Blakaat als schwarzes Schoof
Ebenfalls anders als andere nehmen sich die Babberlababb den gängigsten Sujets an:
Die katholisch Kirche, Sii Jä sapperlott
Loggeret pletzlig s’hailigi Kondom-Verbot
So kondom sinn praggtisch, koschte nit vyyl Stutz
Und biete glaine Buebe optimaale Schutz
Das ist bitterböse-gallig, wie es sein soll. Beim nächsten Vers war dann allerdings nur etwa die Hälfte des Publikums amüsiert:
Jä Sii, die Fraid do dra, leen mir is nit lo nää
Es het im Bundesroot e Frauemehrhait gää
S lauft zwoor nit besser so, de facto s’het nit gnutzt
Derfir isch’s Bundeshuus jetzt immer suuber butzt
Ebenfalls bitterböse kommen – in Mönchsgewändern – die Unerheerte daher:
Dr Berlusconi het sich das grad z’Häärze gnoo
Lot syni Gspuusi diräggt us em Kindsgi koo
Mir so vyyl Liebi fir Kinder – es deent zwoor brudaal
Wär är perfäggt als Oberarzt im neie Kinderspidaal
Und die Verlumpte bauen auf ein altes Feindbild, aber neu eingebunden:
Dass’s bi dr FIFA lauft wie gschmiirt isch sunneglaar
Drum baut me Staadie wo kain bruucht bald in Katar
Will’s nid rentiert verschängge si denn halt dä Schund
Mir isch’s jo glyych – so lang as GC kains bikunnt
Damit hätten wir schon einige der am meisten vorkommenden Sujets erwähnt – und sind auch gleich beim Haupt-Kritikpunkt. Zu viele Bängge – beileibe nicht nur bei der BSG – setzen auf die gängigsten Themen. Und nach dem fünfzehnten Kachelmann-, Berlusconi- oder Guttenberg-Vers ist der Lacheffekt halt einfach nicht mehr derselbe. Dazu sind diese Themen meist nationaler oder gar internationaler Natur, und an der BASLER Fasnacht sollte man sich doch wenn möglich um regionale Themen kümmern. Wie man das – auch bei einem Dauerbrenner – sehr schön machen kann, beweisen die Bebbi-Buebe:
Im Summer, jo kaasch Gift nää druff
Risse si z’Basel Stroose uff
Dr Grund dä dien mir rescherschiere
Und kenne d’Antwort bräsentiere
Das d’Tourischte wo duur Basel geen
Au ebbis vom Landesinnere gseen
Ebenfalls wieder (zu) stark in Mode kommen anscheinend Verse über Zürcher und „Schwoobe“. Wobei man dies auch originell und lustig machen kann, etwa so wie die Gsalzene, die nicht nur mit ihrem obligaten Monstervers brillierten, sondern auch mit dem nachfolgenden:
D’Schugger Sepp und Guschti faare stolz im neie Straiffewaage
nur die blau-wyss Ziircherfaarb isch fir die baide kuum z’ertraage
Druff maint dr Sepp: „Los Guschti, s’hätti schlimmer kenne koo
Wenn dr Lips hätt derfe wääle, hätt är roosarooti gnoo“
Angenehm unterbrochen wurden die „bängglerischen“ Darbietungen durch ein fasnächtliches Rahmenprogramm und dabei mit einer grossartigen Attraktion Die speziell für das Charivari geschaffene Star-Pfeifergruppe intonierte den dort als BWUUF (Basler Wält-Uur-Uffiehrig) vorgetragenen „Schnitzelbänggler“ nochmals. In diesem Arrangement von Michi Robertson werden verschiedene Melodien von noch aktiven und zurückgetretenen Schnitzelbangg-Formationen auf das herrlichste miteinander verwebt. Ebenfalls belebend war die Pfeifergruppe Schoggihaase, die auf 25 Jahre zurückblicken kann, und die Gugge Schpezibalischte. Sehr speziell auch die Berner Formation Venner Spiegel, die sehr amüsante Bängge vortrug, aber – gewöhnungsbedürftig – ohne Larve. Aber zurück zu den Hauptakteuren. Wieder auf der Bühne steht nach einem Jahr Pause die Schloofkappe, die den Stimmbruch überwunden, die Auftrittsqualität aber nicht verloren hat:
S bloggt uns d’Frau Wernli im TeleBâle – Vornaame Tamara
Mit „Koche im Schloss“, lutt Statistygg luege 20% das Drama
Die Zaal verfolgt si – s isch e Quaal – uff das beharrt dä Hooge fescht
Es sigg die glyych – wie s’Resultat vom letschte IQ-Tescht
Neu bei der BSG sind die Emigrante mit wenigen, aber feinen Versen wie diesem da:
Ändligg! gseet dr Pabscht in Rom
Dr Sinn und Nutze vom Kondom
Für d Interpol – mir diens beduure
Verwüsche sich so Prieschter-Spuure
Alte Kämpen sind dagegen die Rätschbääse, die (endlich!) einen Merz-Vers bringen, in dem das Wort „Bündnerfleisch“ nicht vorkommt:
Dr Merz het gnueg und nimmt dr Huet – s goot em schyynt’s um d’Eer
Dr dieffer Grund, hänn mir vernoo, syyg’s Amt fir dr Verkeer
Die hänn em gschryybe, kurz und heeflig, aber amtlig-drogge
Im Auti miess är kimpftig uff em e Kindersitzli hogge
Abschliessen wollen wir den Bericht über einen sehr unterhaltsamen und gelungenen BSG-Schlussoobe mit einem Vers der Haiggle, der beweist, dass man nationale Themen durchaus ansprechend ansprechen kann:
Nach dr Abstimmig dien d Parteye diskutiere
D Verlierer iiri Niiderlaag als Sieg formuliere
Pletzlig haisst „Jo“ „Nai“ und „Nai“ bedittet „Jo“
Mit em Frauestimmrächt hett s jo miesse so koo



