Mit gerade mal elf Formationen ist die Basler Schnitzelbangg Gsellschaft in den letzten Jahren etwas geschrumpft. Dass Quantität nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun hat, zeigten die Darbietungen am Schlussoobe in den Rasser-Theatern und im Keller des Hotel Basel aber deutlich. Das Allermeiste liess sich gut bis sehr gut an – die Bänkler hatten an der gerade vergangenen Fasnacht natürlich auch gemerkt, welche Verse „gehen“ und welche man getrost weglassen kann. So war der Genuss ein nahezu ungetrübter, und auch die fasnächtliche Umrahmung passte.
Nummer 1 der BSG – wenn solche „Ranglisten“ überhaupt zulässig sind, ist auch im 2013 der Schnitzelbangg die Gsalzene. Einmal mehr brillieren sie mit einem Monstervers zur Melodie des Kriminaltangos, haben dieses Mal aber auch einen „Halbmarathon“ auf Lager:
Dr FC Sion hett mee Trainer gha als Fans uff syne Räng
au mit Alggohool verstoosch nit de St. Galler iri Gsäng
zem d’Yynaame verdopple duet me d’GC Spieler zwinge
ab jetz an d’Haimspiel je e aigne Zueschauer mitzbringe
Vom Schutte hänn die z’Lausanne unde gar kai blasse Dunscht
Bim FC Thun doo isch dr Raase effektiv die ainzig Kunscht
Bi Servette isch s’Bedryybigsamt dr allertreuschti Gascht
YB wird „gäng“ Maischter, doch wie immer numme fascht
Luzern und Ziiri geen uff d’Närve, bis zem bittre Änd
Zwaiezwanzig linggi Fiess, und je e gsteerte Bresidänt
So wie die Pflutte schutte und die Clübli sich gebärde
Muess halt dr FCB au das Joor wieder Schwyzer Maischter wärde
Den Babberlababb gelingt es wunderbar, die Pointe bis fast zum letzten Wort offen zu lassen – oder wie man vom ganz Grossen zum (relativ) ganz Kleinen kommt:
Bi dr Novartis sait d Laboor-Muus 70C
„Vo dääre Spritzi hätt i gärn no aini mee
No zwei, drei Pille und y ha e gueti Chance
Uff dr Titel bi dr näggschte Tour de France!“
Eine abgewählte National- und wieder neu gewählte Grossrätin aus dem Kleinbasel hat sich in ihrer Rolle als „Möchtegern-Alles-Verhinderin“ schon in den Vorfasnachtsveranstaltungen als „Lieblingsfeindin“ der Aktiven und des Publikums profiliert. Die Bebbi-Buebe haben da eine originelle Variante:
Das Schyssihyysli mues ewägg
Frei mues bliibe do dä Flägg
Mir kenne das nur unterstizze
Denn mir wänn au dä Blatz benizze
Mir wänn das do nyt aane kunnt
Denn do schysst immer unsere Hund
Dann ist es gerade bei so Veranstaltungen oft ein Problem, dass fast jeder Bangg über dieselben Themen singt. Die schwangere Kate, der waschende Neo-Regierungsrat und der vergrippte Verteidigungsminister kamen die ganze Fasnacht über zu nicht enden wollenden Ehren. Da geniesst man es, wenn eine Formation auf ganz andere Felder ausweicht – so wie d’Emigrante:
Mir Schwyzer schaffe schuurig gärn,
Säggs Wuche Ferie ? – S’liggt is fäärn!
Au d’Lehrer gseen das sofort yy,
Es deerf jo nit so weenig syy!
Wenn man aber trotzdem die „Standard-Themen“ anfasst, dann braucht es noch ein deutlich grösseres Mass an Originalität als sonst, damit man nicht in Gefahr gerät, beim Publikum ein gegähntes „Scho wider!“ zu provozieren. Diese Originalität ist aber zweifellos möglich – die Haiggle beweisen es:
Am 21. Dezämber isch s uns bassiert
Kurz vor den Elfe, mir hänn fascht hyperventiliert
Mir hänns erläbt und hänn d Wält nümm verstande
Im Ganze sinn vier Kunden in dr Märthalle gstande
Da passt doch das Motto der Unerheerte, welches „in Nuda veritas“ heisst. Dazu haben sie einen ganz „gschäftige“ Vers:
In dr Määrthalle duet ain sy Nootdurft verrichte
Doch s Schuggermyysli duet uff e Buess verzichte
Ganz verschmitzt het sii drnoo glacht
«Äntlig ain wo doo e Gschäft macht»
Nebst guten Versen und „feyne Helge“ ist bei einem Schnitzelbank ja auch der Auftritt selbst ein wichtiger Aspekt. Wie so ein „Gesamtkunstwerk“ aussehen kann, verdeutlichen die Rätschbääse, die sich ebenfalls zwei Dauerbrennern unter den diesjährigen Themen annehmen, dies aber sehr unterhaltsam verknüpfen:
S nei Affehuus im Zolli isch vo Fachlyt konschtruiert
d Affe findes gail und gniesse s Lääben unscheniert
nit wyt ewägg gseesch s Geegedail – e Saich, e ganz e schlimme
dr Wooghoof isch vo Affe baut und d Fachlyt hogge dinne.
Ein genauso perfektes Harmonieren von Inhalt und Verpackung zeigt das Schotten-Duo der Mac Väärs’s – sie „rocken“ das Publikum mit einem grandiosen FCB-Monstervers – hier ein Ausschnitt:
10 Minute z’spoot zem Spiil kunnt dr Murat, s’isch e Glatte
S’dääch em laid aber das Dreiraad vo dr Mueter haig e Blatte
5 Minute vor dr Pause sait är tschüss wär hät das dänggt
Är miess noomool zer Mueter s’het e-re d’Ketti no ussghängt
Neu bei der BSG ist dr Warmduscher, der sich mit sehr lakonischen, aber durchaus unterhaltsamen Versen einführt:
Es kunnt e Schiff, es kunnt kei Schiff, an Haafe Santihans.
S kunnt doch e Schiff, s kunnt doch kei Schiff, doo lach ych mir e Schranz.
Es kunnt am einezwanzigschdde kai Ändi vo dr Wält.
Was jedes Joor ganz sicher kunnt: d Landschäftler hänn kei Gäld!
Die Schloofkappe war mal der jüngste Bänggler aller Zeiten – mittlerweile ist er seit zehn Jahren dabei. Und auch wenn Zircher- und Schwoobe-Witze eigentlich verpönt sind – wenn einer so daher kommt, dann geht es bestens:
“Salli zämme” sag y do in Basel, die Sprooch duet mir sehr gfalle
“Grüessech” sag y in Bärn, “Saletti” in St. Galle
Nur in Ziiri hänn si mit dr Begriessig mieh, dert muess y undeduure
Wenn y in dr Uni e „Guets Mörgeli“ winsch – grieg y ains uff d Schnuure.
Um trotz der gegenüber früher geringeren Zahl an eigenen Formationen einen „runden Abend“ zusammenzubringen, wurden noch „Gascht-Bängg“ engagiert. Und das Trio aus Gwäägi, Frau Länzli und Schlyychwäärbig war eine Verstärkung. Verstärkt gegenüber früher haben sich namentlich die Gwäägi – was aber nur nominell gemeint ist: Sie treten nun zu viert statt zu zweit auf. Und sie begeistern das Publikum unter anderem mit einem Monstervers über die Basler Presselandschaft – hier ein Ausschnitt:
Bi dr BaZ do schrybe nur no siibe Journalischte,
Fir die letschte Lääser, das sinn fimf im ganze Land.
Und sytt me d Druggerei verkauft het, geege e baar Kischte,
Schribt dr Somm die letschte Exemplar jetzt halt vo Hand.
Noch ein Wort zur fasnachtsmusikalischen Umrandung des Abends: Es ist nicht einfach, ein Programm zu kreieren, dass auf all die verschiedenen Bühnen passt, welche am BSG-Anlass besungen werden. Dem Schlussoobe-Verantwortlichen Thomy Neuenschwander ist es aber auch dieses Jahr gut gelungen, die entsprechenden Elemente passend zusammenzufügen, von den Pfeifern der Schoggihaase bis zum Fasnachts-Dudelsack-Ensemble Bebbi-Segg.
Bleiben wir beim Bebbi-Sack. Was passt besser am Schluss einer Bänggler-Aufzählung als eine BSG-Formation, die sich d’Uffestuehler nennt. Ihr Eingangsvers ist vielleicht nicht ganz so lustig, aber leider wahr:
Em Bebbi sy Sagg, em Bebbi sy Joggeli
Em Bebbi sy Jazz, em Waggis syni Zoggeli
Em Bebbi sy Fasnacht, em Bebbi sy Ryy
Nur d Basler Zytig die isch nimme myy



