Bim Juubelmarathon heersch mängge Bangg nur mikrophon

27. Februar 1996 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Spreu hat sich vom Weizen geschieden: Nach eher ermüdenden viereinhalb Stunden im Stadttheater bleibt die nüchterne Feststellung, dass die Bänggler-Spitze im Jubeljahr des Schnitzelbank-Comités eher dünner geworden ist.

Von den 31 aufgetretenen Bängglern und Bänggler-Gruppen haben nur wenige das Publikum wirklich mitgerissen. Der Rest war vielfach guter Durchschnitt, der sich zuweilen auch unter seinem Wert verkaufte. Namen tun nichts zur Sache, denn jeder Bangg wird auf seine Art säälig, auch wenn dem einen oder anderen eine schöpferische Pause wohl gut täte. Eine Frage sei aber trotzdem gestattet: Warum singen eigentlich immer nur die schlechtesten Bänggler ihr ganzes Repertoire gnadenlos durch, obwohl sie beim Publikum keine Resonanz finden?

Doch genug der Kritik, die auch vor dem Publikum nicht halt machen darf, denn umgekehrt ist auch mancher Vers besser als sein Echo im Saal, das jeweils nur dann in schallendes Gelächter ausbricht, wenn die Namen der Protagonisten bekannt und die Pointe erkannt ist. Doch das ist auch nicht neu, darum also los von Rom und ab ins Lesevergnügen. Etwa mit den Verschiffte, die nach der jungen Garde der Pfluderi den Abend im farbigen Ölzeug und einer «Los Paraguayos»-Melodie eröffneten:

D Granggekasse dien Prämie aapasse

und zwoor s isch wohr gegen oobe.

Alli dien mee, nur unsri, muesch gseh,

isch beschaide, mir dien sy loobe.

Ai-ai-ai-ai:

s isch glychvyl aifach mool zwai.

Statt halbprivat het vo uns jede doo

e Näscht immene Achterschlag bykoo.

Als Alti, mit klarer Stimme, trat d Filzluus auf. Erfolg hatte sie mit diesem Vers:

D Tina Turner, wie bin ych froh,

het Wohnsitz im Kanton Ziri gnoo.

Sii isch die erschti Zircher Schneere,

wo my in kainer Wyys duet steere.

Ein Riesenchor mit sechs ausgewachsenen Stinggmorcheln, klaren Helgen und ganz passablen Stimmen hat ungewohnte Verbindungen (zum popoulärsten BSG-Bangg) aufgedeckt:

Noo em Bsuech vom Fitodrome

hoggt d Lady Di elay dehome,

sy zäppt dur s Färnseh,

doch d Programm sind alli morsch.

Uff Schwyz 4 höört sy mit Bange,

dr Hodgson sygg uff Mailand gange,

dr neyi Schwyzer Fuessball-Trainer

haissi Schorsch.

«Aexgysi», maint der Butler forsch,

«i beg your pardon, Lady Di,

isch das verglemmi sälle Schorsch

uss em Haafebeggi zwai?»

Der Fast-Jubilar Kaffi-Mihli, (24 Johr derby) kommt im gewohnten Outfit, und seine Verse sind wie allewyl. Die Lacher kommen sobald Reizwörter auftauchen. Beispiel dafür:

Am Schwingfescht vo de Eidgenosse

sait dr Schwingerkeenig fescht entschlosse

als Siigerprys isch mir dr Muni vyl z glai,

do nimm y glaub lieber dr Blocher mithai.

Wiederum einen in jeder Beziehung glanzvollen Auftritt absolvierten d Pfäfferschoote. Das Trio mit den klaren Stimmen, das seinen Versen immer noch einen pointierten Zweizeiler hinterher schickt. Zur Polizeiaktion gegen falsch parkierte Velos am Bahnhof ist ihnen der eingefallen:

Jede het sy Hobby:

Dä doo züchtet Broccoli,

dä goht in e Migros-Kurs

und schnitzt die aigene Zoccoli,

dä fahrt uff «Klassisch» ab

und spiilt dr ganz Daag Cello,

und dä Schugger do,

dä filzt ys amme d Velo

«Verglemmi», rieft dr Schugger Stöppel,

«ych glaub, das isch my aigene Göppel.»

Aufwendig, in Comedia-dell’Arte-Kostümen und Figuren, die in ein Guckloch-Theater gesteckt werden, kommt der Helgeli-Mooler und sein Staat daher. Ihre eher anspruchsvollen Verse kommen nur an, wenn das Publikum eine Leitplanke wie die folgende erhält:

Dr Dostojewski het vor Johre

dr «Idiot» als Typ gebore.

Het ägscht dä Dostojewski dert,

scho d Reed vom Niggi Schoellkopf gheert?

Die Verse des bz-Running-Gags Gartezwärg kommen beim Lesen offenbar besser an, als wenn er sie auf der Bühne vorträgt, selbst wenn er Reizwörter eingebaut hat, wie im folgenden Beispiel:

Für das Gäld, wo sich d Ciba

dr Randegger losst koschte,

kennte die doch im Oschte

drey Staats-Scheff go poschte.

Mit einer neuen Melodie und einem Refrain zum Mitsingen präsentieren die ebenfalls neu auftretenden Stroossewischer diesen Chirac-Vers:

Jä bi däm Franggrych-Boykott

macht jede mit.

Me dringgt kai Cognac mee

und Flute, das isst me nit.

Es nutzt nur striggty Disziplin

und nyt derzwische:

Au mir dien nooch wie voor

d Burgunderstrooss nimm wische.

In diesem Jahr wieder dabei in alter Frische dabei und messerscharf wie immer, Betty & Bossi, die ihren «Mut zum Aufbruch» mit diesem Vers unter Beweis stellen:

E Wyssbuech,

vo Wirtschaftsfiehrer gschriibe,

het dr Bodemaa zer Wyssgluet driibe.

Är wiss zwor nit rächt,

was e Wyssbuech syg,

är wiss aber, dass das e Schyssbuech syg.

Gut verständlich, mit sehr rudimentären Helgen und der Hali-Halo-Melodie ist der Hanslimaa unterwegs und schiesst gegen das EMD diesen Vers ab:

Ze Jeanmairs-Zytte

hät dä Nyffenegger do,

vom Furgler zäädausig Johr Kischte byko.

Hit wurd y folgendi Stroof begriesse,

dass dä d Carla del Ponte

sott hyroote miesse.

D Stächmugge kommen in einem neuen Kostüm und stellen sich mit diesem Vers gleich selbst vor:

Au Basler Schnitzelbänggler

Schreegstrich Inne

sotte sich wäge däre Wyberform

nit hintersinne

D Stächmugge sin in Ussverkauf

zem Mori gflooge,

sin nei caballeros exquisitos

und haisse vo jetz aa mucho macho:

el Banggo très Mosquitos!

Animiernudeln wie eh und je, prächtig anzusehen und das Publikum mit ihrem «Iinestäche, ummeschloo, duurezieh und aabeloo…» anzündend, bringen d Striggede drei Themen unter einen Hut:

Me bricht die Freyi Strooss bald uff,

well «Uffbruch» aagsait isch.

Und «Muet zum Uffbruch» diskutiert

hit jede Wirtschaftsdisch.

Bim de Pury hätts fir uns Basler glänggt,

wenn digg und fätt

är iber d Wettstaibrugg, s wär nätt:

s Buech «Muet zum Abbruch» gschriibe hätt.

Als letschti Ballettöse der Bâlet-Compagnie in Tigerfingge, mit schwarzen Tütüs und entsprechendem Gehabe holen sich d Zahnstocher schon Auftrittsapplaus. Und mit Versen wie dem folgenden haben sie die Lacher auf ihrer Seite:

Dä gstressti Maa het nassi Schueh

und au sy Gwändli

het unde iiberaal so pfläddernassi Rändli.

Jä Sii, dä Schiggsaalsschlag macht klar,

was das bedüttet,

wenn bim Brinzle

pletzlig au no s Handy lüttet.

Auch neu sind d Spyyrhind, gelb betrenchcoatete Hunde, die sich hinter mafiosen Schlapphüten und schwarzen Sonnenbrillen verstecken. Sie haben sich den «Kriminaltango» als Melodie ausgesucht und killen sich deswegen aus musikalischen Gründen meist die Pointe. Aufgefallen ist dieser:

Und sie tanzen einen Tango

d Bâloise und e baar Mafioosi.

S Grichtsverfahre isch in Gang koo,

dr Ueli Vischer sett au do si.

S gieng um luschi Transaggtioone.

Är isch nit tschuld, numme kai Paanig:

Vo Finanzgschäft, wo sich lohne,

hett dä Ueli gwiss kai Ahnig.

Nur dem Namen nach neu sind Big & Ben. Big singt und der letzte Setzlig dreht die Helgen, etwa zu diesem Vers, auf dem der verpackte Reichstag zu sehen ist:

Dr Päggli-Christo het ys glaggt:

wird denn z Basel nüt verpaggt?

Mir hänn ys d Chance nit lo nää

und em halt dr Tschudi gää.

Ein Traum in Blautönen, d Myysveegel, von denen zwei singen und das mitgeführte Mäsggeli offenbar nur dazu da ist, auf die beiden Veegel aufzupassen, damit sie nicht jenem Vogel nacheifern, der auch in ihrem Repertoire nicht fehlen darf, wie das Beispiel zeigt:

Dr Piccard mit sym Forschigsboot

het dr Rekord im Aabedauche.

Das ka nur wär Asket isch – solang kai Sex

nur Wasserpfyffe rauche.

Dä unglaubligi Wältrekord

het ihm dr Bischof Vogel gnoo –

syt gnau säggs Monet underdaucht

und bis hit nit uffekoo!

Auch nicht ganz unbekannt sind Passe-Vite , die mit diesem Vers die Lacher auf ihrer Seite haben:

As niemerts z Basel Angscht muess ha,

het unser Phantom d Larve aa.

Das isch s glaub, was my z Ziri steert:

Bym Blocher ischs grad umgekehrt.

Der Pierrot als Pierrot bringt es als Bänggler und auch sonst auf den Punkt:

Ych ha sunscht kai schlächte Lohn,

aber doo sing y wääge dr Subvention.

Nit dass y die mecht go verbrasse:

die gheert scho jetzt dr Granggekasse.

Erneut ein musikalischer Genuss d Gluggersegg, die mit Melodie- und Ideenreichtum auch zur späten Stunde noch begeistern, etwa mit dieser Kombination:

Gang rief dr Seibi,

gang rief de Griene Hind,

de findsch si alli, de findsch si alli.

Gang rief dr Sans Gêne, gang rief dr BSG,

de findsch si alli im Internet.

Schyssdräggziigli, Wääge,

Schääse, Glygge, Gugge,

gsehsch jetz z Moskau, z Kairo,

z Rom, z Paris und z Tugge.

D Frau vom Bohnebluescht schreyt:

Rüdiger is des geil guck mal

d Baaseler Käfersammlung z Weil.

Zu den alten Kämpen gehört auch d Gasladärne, deren Vortrag auch Versen wie diesem Pfiff geben:

Ass me dr Rychsdaag so verpagge duet isch guet,

wells dr Tourismus nach Berlin so fördere duet.

Numme z Basel duets dr Zwägg nid rächt erfülle,

obwohl mir d Hauptposcht scho syt vyyle Johr verhülle.

Sehr spät am Abend haben die beiden Käärnebigger mit ihrer Schwyzerörgeli-Melodie nochmals für heitere Stimmung gesorgt. Sie schleichen sich meistens sehr gemächlich an ihre Pointe heran, so auch bei diesem Vers, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit dem berühmten Anggebliemli-Trämmli-Vers nicht abzusprechen ist:

Sy gsehn do s Kuchifänschter,

s Bad- und s Stubefänschter,

s Schloofzimmerfänschter,

s Gartefänschter, s Källerfänschter.

Das sinn jetzt alli Fänschter gsi

vo unserer Wohnig

das Window-95 hämmer laider noonig.

Als Senn und (TV-Tanz-)Kuh treten d Peperoni auf, die in ihrem Repertoire auch einen auf den Comité-Ehrenobmann zugeschnittenen Vers haben. Aber lesen Sie selbst:

Lut neyschtem Basler Werterbuech,

Vom Ruedi Suter – s isch e Fluech –

sait me schyynts z Basel:

tschüss und tschüssli,

nimm Adie, gueten Oobe.

Scho hän mer z Zircher iberhoolt

und schnuure glych wie d Schwobe.

Mit einem Extravers, mit dem die vier Seeleweermer nach 75 Jahren endlich eine Frau im Comité fordern, haben sich die beiden Paare im Bauernlook beim Publikum viel Schlussapplaus geholt. Vorher haben sie mit diesem Vers auf die seit 1921 doch etwas geänderten Zeiten hingewiesen:

Friehner bini zoobe mit dr Frau ins Bett

Hit surf y als no uff em Internet.

Vo Melbourne husch uff Rom

und denn no rasch no Tennessee,

und yberall heissts «Bonjour mon cherie».

E Knopfdrugg und de bisch am Ball

und as erscht grad no yberall.

Doch lytt y uff Birsfälde aa

und nochhär no in Zoo

muess y verdooria zwai Biecher duuregoo.

So, das wärs. Mit ganz wenigen Ausnahmen ist das das Resumé eines durchzogenen Bänggler-Jahrgangs, der sicher nicht als ein ganz grosser in die Geschichte eingehen wird, aber besser ist als am Anfang zu «befürchten» war.