Bi Wind und e bitzeli Rääge – ganz e dolle Kindersääge

18. Februar 1997 | Von | Kategorie: Nachrichten

Halb zwei Uhr – die Ruhe vor dem Sturm. Noch gibt es ein Durchkommen beim Marktplatz. Eine halbe Stunde später eine verwandelte Szenerie. Aus allen Gassen und Gässchen strömen sie herbei, die Einzelmasken, Gugge, Gruppen und Cliquen, aber in erster Linie unzählige Familien-Zigli. Es ist der Nachmittag der Kinder. Unterwegs sind sie in und auf Wagen aller Art. Vom Buschiwagen über den aus Korbmaterial geflochtenen Stubenwagen, in dem schon die Urgrosseltern lagen, und den «handgestrickten» Leiterwagen bis hin zum selbst gezimmerten Handwagen, der sogar Fenster mit kunstvoll gefertigten Spitzenvorhängen hat, reicht das Angebot.

Meist werden diese Gefährte von Eltern, Verwandten oder Bekannten gezogen, zum Beispiel von Babbe und Mamme Dummbeeter (oder heisst’s Dummbeeterin?), in deren Wägeli drei allerliebste, samtene Dummbeeterli grosszügig Däfeli verteilen.

Die hunderten von kleinen Fasnächtlerinnen und Fasnächtler realisieren kaum, dass zwischendurch heftige Windböen durch die Gassen wehen und die Räppli hochwirbeln lassen; auch dass der Himmel anfänglich einige Tränen weint, stört sie in ihrer fasnächtlichen Glückseligkeit nicht. Im Gegenteil, ihr sonniges Lachen bringt schon gegen drei Uhr die schwarzen Wolken zum Resignieren – die Sonne bricht durch und lässt das «Gewusel» in der Innerstadt in schönsten Farben erstrahlen.

Nebst den mit grosser Liebe zum Detail in hunderten von Arbeitsstunden eigenhändig gefertigten Wagen und Wägeli sind wie immer auch jene der Wagen-Cliquen unterwegs. Auf dem Marktplatz steht eine veritable Wagen-Burg – der einzige Unterschied zum Cortège ist, dass heute die Kinder auf den Wagen das Sagen und Verteilen haben. Sie tun dies mit grosser Freude und eifern ihren Vorbildern nach. Nicht immer aber sind die «Alten» gute Vorbilder: Was haben die Wäglitramper ihren Binggissen für einen Wagen gebaut? Aus Stroh – zu mehr Fantasie reichte es offenbar nicht. Schade.

Diese hat die Guggenmusik Fuege-Fäger schon vor 15 Jahren bewiesen, als sie erstmals den «Kinder-Gugge-Plausch» organisierte. Auch heute warten Hunderte von Kindern auf dem Theaterplatz auf ihr Geschenk: eine Mini-Trompete. Mit ihr können sie dann inmitten der Fuege-Fäger die Freie Strasse hinab nach Lust und Laune mitschränzen, und ihr Einsatz wird erst noch mit einem währschaften Zvieri belohnt.

Das gute Guggen-Beispiel hat in gewissem Sinn Nachahmer gefunden. So lassen die 50 Jahre alten Baggemugge den Nachwuchs in ihrer Mitte mitmarschieren, und die Räpplischpalter führen mitten in ihren Reihen ein Zügli mit etwa sechs Wagen mit, auf denen die Kinder mitfahren. Mit einem schlechten Beispiel tun sich dagegen die Schänzli-Fäger unrühmlich hervor. Sie sind für ein paar Minuten mit den Ueli-Schränzer eine Fusion eingegangen und geben auf dem Seibi ein Platzkonzert – ohne Larven…

Und – nomen est omen – die Schrumpfkepf machen es ihnen im Spiegelhof nach.