Bewunderndes Staunen beim «Ypfiffe»

2. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Das sind die prickelnden Stunden vor dem «Morgestraich», wenn am Sonntagabend die Fasnächtler aus allen Richtungen zur Innerstadt marschieren.

«Mensch, sind hier die Bänkelsänger zu hören?» Das will Frau Treichel aus Heidelberg vor der Beiz «Zum Braunen Mutz» wissen. Ein gutmütiger Mensch mit einem «Humpe» in der Hand erklärt ihr sec: «Gueti Frau, hogg doch eifach dört uffs Drammbänggli.» Sie tut’s und gibt Ruhe.

Derweil pfeift es vom Steinenberg und aus der Steinenvorstadt harmonisch, dr Saggodo oder dr Altfrangg intonierend. D Kerzedrepfli verkünden auf ihrer Laterne ganz einfach: Aff, Afflerbach, Affentranger und zeigen die menschenähnlichen Wesen wunderschön gemalt.

Bei der Spezi Clique neben dem St. Alban-Tor rennt eine Promenadenmischung vom Pärkli her durch die Laternen. Der Stamm hat den Babyboom in Hollywood im Visier, der Hund einen Knochen, der sich als Wurst herausstellt, die er nicht kriegt. Die Jungen meinen auf der Euro-Laterne: «E jede Binggis lauft orangsch umme und duet lyslig hopp Schwiiz summe.»

In der Aeschenvorstadt hat ein Tambourmajor mit Namen Jean-Pierre beinahe das heulende Elend. Er muss sich bis um vier Uhr morgens gedulden, ehe er auch «ruessen» darf. Er ist stolz auf seine Vertschubblete, welche das Sujet «Dam-Buur, ledig suecht…» gewählt haben. Auf ihrem Zeedel steht:

Jetz kenne all die vertschubblete Bangge,
scho glyy wiider neyi Hoffnig tangge,
wenn s haisst «my bangg suecht…» e Superstar
mit groosem Härz &ndash als Kredit und in baar.

Farbenprächtige «Helgen»

In der Barfüssergasse ritzt ein Mammutwagen, welcher noch gar nicht zirkulieren dürfte, einen parkierten Mercedes. Der Traktorfahrer nimmt es gelassen und zuckelt die Freie Strasse hinauf, obwohl jetzt Clique um Clique zu hören ist. D Sans-Gêne hat sich dem «Beau-Tox» (Sprütze gäge Falte) verschrieben. Die Alti Garde vom Barbara-Club präsentiert «Mord am Baseldytsch» mit herrlig-kurligen Helgen. «Anggeschnitte» heisst jetzt Butterstulle, «Seggelmeister» ist neu ein Kassenwart, «Junte» ein Rock und statt «schutte» muss man Fussballtreten sagen. «D Primelischielere Lulu sitzt ganz still und scheen, weil sie kann gar nix verstehn» wird in einem Vers erzählt. «Dr Papscht soot, statt dr Vasella z spediere, lieber da bruun Bischof lo fichiere» vermelden die Alte von der Pierrot-Clique. Sujet-Obmann Urs Hügin erhält Lob von allen Aktiven und den Zaungästen in der Rittergasse zugesprochen.

Die ach so netten Zürcher

Die Breo tut auf ihrer Laterne kund: «Das Joor lackiert, s näggschd Joor fichiert.» Und dann legen die Pfeifer los. Ebenso glückselig geben sich die Basler Zepf Ziri auf dem Münsterplatz. Weil sie ihre Wurzeln in der Humanistenstadt haben, sind alle Passanten nett zu den Exilierten mit dem Sujet «Numme nyt Neis». Frech wie sie nun mal geboren sind, reimten die Heimwehbasler aus der Limmatstadt: «Wenn d Zepf Ziri hörsch mit em Basler Marsch, dängg i lägg mr doch am A….. Thomas Schäppi, Banker (dä arm Siech), relativiert und kommentiert im scheenschte Daig-Dialäggd: ‹Wir haben ja schliesslich den Humor mit der Muttermilch eingeflösst erhalten…›.»

Das Ypfiffe ist noch lange nicht zu Ende, da trudelt zwischen St. Jakob-Denkmal und 
Aeschenplatz noch der Riesenharst der Gundeli-Clique mit ihrem omnipräsenten Oil-Sujet ein – und pfeift beinahe bis um vier Uhr morgens.