Die Befürchtung, das Museumskonzärtli 2003 sei das letzte gewesen, ist zum Glück nicht eingetroffen. Unter der Leitung von Noëmi Rediger bildete sich eine neue Museumsgruppe. Die Pfeiferinnen Miggi Aschwanden, Cathrin Cattelan, Daniela Cattelan, Nicole Kim, Stefanie Näf, Myriam Rudolf von Rohr, Eveline Schönau und die Tambouren Pascal Caviezel und Sämi Meyer luden in der Aula des Museums der Kulturen zu einer musikalischen «Tour de Bâle carnevalesque». Moderatorin Béa Kim konnte zu Beginn bekanntgeben, dass die Gruppe auf die Gage verzichte. Das Geld geht an eine vom Seebeben betroffene Schule in Aceh auf Sumatra.
Wir starten in der Augustinergasse. Sie hat ihren Namen vom damalige Kloster der Augustiner. An seiner Stelle wurde 1849 das Museum erbaut. Seit 1530 steht dort auch der Brunnen mit dem Basilisk, dem Wahrzeichen von Basel. Ihm zu Ehren spielt die Gruppe «Basel an mym Rhy» von Karl Roth. Auf dem Münsterhügel beginnt die Siedlungsgeschichte Basels. Schon Kelten und Römer waren dort ansässig. Im 18. Jahrhundert liess Johann Jakob Fechter die Häuser umbauen. Damals wurde Sebastian „Baschi“ gerufen, Arnold „Noldi“ und Johann Jakob „Bebbi“. Und schon erklingt Karl Scherrers «Bebbi».
Basel war und ist eine weltoffene Stadt. Von der Pfalz blickt man auf die Stadt, aber auch nach Frankreich und Deutschland. Robert Juen komponierte dafür den Pfeifermarsch «Uff dr Pfalz». Unten verbindet die Fähre „Leu“ Gross- und Kleinbasel. Das Lied „Fährimaa, hösch Fährimaa“ klingt auch im «Fährimarsch» von Michael Robertson an. Man sieht auch, dass Basel eine Brückenstadt ist. Ganz rechts liegt die Eisenbahnbrücke. Zu ihr passt natürlich das rassante Trommelsolo «Ysebähnli» von Fritz Berger.
Weiter gehts ins Kleinbasel. Vom Claraplatz aus blickt man auf das (noch) höchste bewohnbare Gebäude der Schweiz, den Messeturm. Vom Kloster der Clarissinnen ist nur noch die Kirche vorhanden. Nach all dem historischen Rückblick ist es Zeit für eine Zwischenverpflegung. So geniessen wir mit der Gruppe «Sunnereedli» von Maurice Rossel. Gestärkt gehts weiter zur Brantgasse. Da dort das Areal des Kleinbasler Gerichtsherren Brand war, hiess sie ursprünglich Brandgasse. Hier spielt die Pfeifergruppe René Brielmanns «Brantgass Rag». Kleinbasel wurde als «Brückenbefestigung» planmässig angelegt. Strassennamen wie Sägergasse, Hammerstrasse oder Webergasse zeigen, dass viele Handwerker angesiedelt waren. Vielleicht ist ja der «Roti Kater» (Klaus Herrendorf schrieb die Pfeifernoten zum Grien Hund von Albin Melches) dem dort noch angesiedelten ältesten Gewerbe gewidmet?
Über die Mittlere Brücke gehts zurück ins Grossbasel. Hier ertönt der «Rhysprung» von Thomas Heid. Ob es Zufall ist, dass kurz vor dem «Elftausend Jungferngässlein» eine Condomeria zu finden ist? An der Ecke Eisengasse/Blumenrain streckt ein kleine «Lällekeenig» dem Kleinbasel die Zunge heraus. Für ihn komponierte Walter Saladin seinen «Lällekeenig». An dem früher von der Heuwaage bis zur Schifflände offenen Birsig liegt der Markt, wo Fische verkauft wurden. «Dr Fischmärt» heisst der Pfeifermarsch von Alex Felx. Munter gehts weiter zum Andreasplatz. Hier stand einst eine Kapelle. Auf dem Brunne steht ein Affe. Vielleicht ist es ein «Gorilla», wie der Trommelmarsch von Emil Lauener?
Früher konnte man am Spalenberg in der Weinstube Hunziker einen guten Schluck genissen. Heute erinnert nur noch Arth Pauls «Lisettli» daran. Dem vielbesungenen Basler «Berg» widmete Michael Robertson seinen Pfeifermarsch «dr Spalebärg». Hier geht oft der Fasnächtler, Musiker unnd Komponist Beery Batschelet langsam hinunter. Mit «Slow Beery Slow» kam es zur Ur-Aufführung seines Pfeifermarsches.
Durch die Gerbergasse gelangen wir zum Barfüsserplatz. Die Kirche der Franziskaner diente eine Zeitl ang als Salzlager! Auch sollte einmal dort ein Hallenbad entstehen. Heute beherbergt sie das Historische Museum. Der Name «Seibi» kommt daher, dass dort früher Säue verkauft wurden. Vielleicht angeregt vom «Exhibition Square» für Messeplatz arrangierte Thomas Heid für den Seibi den Pfeifermarsch «Pig Square Rag». Gleich nebenan stand das alte Stadt-Theater. Wo einst die Bühne war sprudelt und spritzt heute der Tinguely-Brunnen. Zur Einweihung 1977 erschien «Jeannot» auf einem Kamel. Nach der «Wassermusik» von Georg Friedrich Händel spielten die Kuttlebutzer erstmals den «Brunnemarsch» von Lukas Burckhardt.
Damit wäre der interessante Stadtrundgang zu Ende gewesen. Doch das begeisterte Publikum erzwang mit nicht enden wollendem Beifall noch den «Wettsteinmarsch» und den «Fährimarsch» als Zugaben.



