Baseldütsch und düttlig…

23. Dezember 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wer sich beim Väärslischmieden für den Zeedel oder den Schnitzelbangg nicht ganz sattelfest fühlt, kann von Werner Lukas aus Muttenz Nachhilfe bekommen. Der begeisterte Fasnächtler bietet seit einigen Jahren Baseldeutsch-Kurse an,
bisher vor allem für Cliquen-Kollegen – aber auch alle anderen Interessierten sind ihm willkommen. Ein Teil der Kurseinnahmen ist für einen guten Zweck bestimmt.

«Baseldütsch und düttlig – schwätze und schryybe», so heisst der Kurs von Werner Lukas und die Schreibweise «Baseldütsch» statt «Baseldytsch» hat der Muttenzer sehr bewusst gewählt: Sein Kurs basiere zwar auf Rudolf Suters Baseldeutsch-Wörterbuch, aber er verwende den Dialekt nicht in einer so ausgeprägten Form, denn «Baseldytsch» spreche heute praktisch niemand mehr. «An der Fasnacht holen viele einen überdeutlichen Dialekt hervor, der aber eigentlich künstlich ist», sagt Lukas und plädiert deshalb dafür, auch während den drey scheenschte Dääg so zu sprechen wie sonst auch – Baseldütsch eben.

Lukas ist seit über 20 Jahren Tambourmajor bei den Gniesser. Zu dieser Zeit war er auch als Zeedeldichter tätig und hat gemerkt, dass ihm beim Dialekt-Schreiben viele Fehler unterliefen, und so entstand die Idee, einen «Baseldütsch»-Kurs zu entwickeln. Vor allem bei Schnitzelbängglern und Zeedeldichtern sei sein Kurse beliebt: Auch einige bekannte Bängg hätten daran teilgenommen, welche will Lukas allerdings nicht verraten – «Berufsgeheimnis…», so der Muttenzer lachend.

Der nächste «Baseldütsch»-Kurs an zwei Samstagen inklusive Mittagessen findet im Januar statt, ein weiterer folgt im April. «Es ist kein reiner Sprachkurs, bei dem man nur stundelang zuhören muss», verspricht Lukas. Der Kursleiter zeigt zum Beispiel Filmsequenzen von alten Fasnachts-Veranstaltungen und beginnt seinen Kurs jeweils mit berndeutschen Gedichten. «Eine gute Schule, es vermittelt erstmals das Aha-Erlebnis, dass man so schreiben soll wie man redet», erklärt Lukas. Ein paar Regeln werden im Kurs schon gebüffelt, aber vor allem müssen die Teilnehmenden selber aktiv werden, also «Baseldütsch» schreiben und reden. «Eine jeweils grosse Hürde, die wir überwinden, indem wir zuerst einmal mit einem SMS auf Baseldeutsch anfangen», sagt Lukas.

Der 60-jährige Werner Lukas aus Muttenz führt die Baseldeutsch-Kurse schon fünf Jahre durch: «Dialekt ist für mich ein Stück Heimat, eine Kultur, die man bewahren muss».
Bisher haben vor allem Bekannte und Cliquen-Kollegen von Werner Lukas an den Kursen teilgenommen, intern haben aber nun schon so viele den Kurs besucht, dass Lukas’ sein Angebot gerne weiter streuen würde. Interessenten finden ausführlichere Informationen zu den Kursen auf der Homepage der Gniesser.

Der Kurs kostet 90 Franken, Unterlagen, Essen und Getränke inbegriffen. Werner Lukas spendet jeweils einen Teil der Kurseinnahmen für einen wohltätigen Zweck, zum Beispiel an eine Schule in Nordirland, die sich in der Friedensförderung engagiert – oder an die Aktion «Denk an mich».