Basel Tattoo 2011: Militärmusik, Tanz und ein exotischer Farbtupfer

17. Juli 2011 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Unter dem Motto «Zurück zu den Wurzeln» präsentiert sich das Basel Tattoo dieses Jahr als reines Military Tattoo. Es gibt also keine historische oder folkloristische Show. Geboten werden fast ausschliesslich Militärbands. Ausnahmen sind ein exotischer Farbtupfer aus Japan und zwei Tanzformationen aus Schottland und Australien.

In der Tattoo-Street ist fast kein Durchkommen mehr. Es herrscht eine Druggedde wie am Morgestraich. Das Personal in den 15 Festbaizen – elf davon werden von Fasnachtscliquen betrieben – hat alle Hände voll zu tun. Spürbar herrscht bei allen Besuchern eine kribbelnde Vorfreude auf das bevorstehende sechste Basel Tattoo.

In der bis auf den letzten Platz besetzten Arena marschiert kurz vor Beginn die Basel Tattoo Garde zur Wachablösung auf. Als Vertreter des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), welches seit 2008  die Schirmherrschaft über das Basel Tattoo hat, wird Korpskommandant André Blattmann, Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, begrüsst. Dann ist es endlich soweit, und es beginnt die traditionelle Eröffnungszeremonie. Auf dem Balkon steht der Basel Tattoo Chor. In der Arena stellen sich die Bands auf; vor ihnen stehen 20 Fahnenträgerinnen mit den Flaggen der zehn teilnehmenden Länder. Nach  «Fanfare», «Chariots of Fire» und «Farewell to Basel» steigt erstmals ein Feuerwerk in den abendlichen Himmel. Als «einzigartig und unverwechselbar» kündigt René Häfliger, welcher gewohnt souverän durch das Programm führt, die Massed Pipes and Drums an. Angeführt von elf Majoren sorgt die riesige Band mit Stücken wie «Echoes of the Highlands» für einen ersten Gänsehauteffekt. Zwischendurch formieren sie sich zu einem riesigen Andreaskreuz. Als erste Militaryband marschiert das Heeresmusikkorps 10 aus Ulm auf. Sie erhalten für ihren gekonnten Auftritt immer wieder spontanen Beifall. Ihr Repertoire reicht von «El Cumbanchero» bis «Preussens Gloria». Mit dem Lied «Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt» verabschieden sie sich.

Tanzdarbietungen gehören zu den Traditionen der Tattoo-Welt. Was die Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe Celtic Star aus Irland unter der Leitung des achtfachen Weltmeisters John Carey hier zeigen, ist Perfektion in Vollendung. Zum Ensemble gehören neun Mitglieder, welche bereits Hauptrollen bei Riverdance oder Lord of the Dance getanzt haben. Dazu kommen acht Weltmeisterinnen und Weltmeister. Die Mitglieder fordern das gut gelaunte Publikum immer wieder auf, den Rhythmus mitzuklatschen, und das Publikum macht freudig mit.

Einen Hauch Exotik  zaubert die Aimachi Marching Band in die Arena. Die aussergewöhnliche Musikformation kommt aus Kiyokazu, Japan. «Die 130 Mitglieder verstehen sich als echtes Familienunternehmen, denn viele sind miteinander verwandt», erklärt Häfliger. Ihre Nummer «Legend of the Samurai» stellt eine Tour d’horizon durch die japanische Kultur dar. Alle sind ständig in Bewegung, Fahnen und Samuraischwerter wirbeln durch die Luft, es wird getanzt und Rad geschlagen. Man müsste mindestens vier Augen haben, um alle Feinheiten wahrzunehmen. Dafür braust immer wieder tosender Applaus durch die Arena, der sich zum Orkan steigert, als sie sich, angeführt durch zwei Fahnenträger, mit der japanischen und Basler Fahne mit «z Basel am mym Rhy» verabschieden.

Nun wird es erstmals richtig königlich. The Band of the Royal Regiment of Scotland, begleitet von Pipers der Royal Scots Dragoon Guards, 51st Highland 7th Battalion, The Royal Regiment of Scotland, 19 Regiment Royal Artillerie und der Royal Air Force aus Grossbritannien treten zusammen mit den OzScot Highland Dancers aus Australien auf, welche für ihre interessante Choreografie viel Beifall erhalten.

Erstmals am Basel Tattoo tritt The Royal Swedish Army Band auf. Auffälligstes Merkmal der Uniform, welche aus dem Jahre 1886 stammt, ist die glänzende Pickelhaube. Sie bringen einen Mix aus Marschmusik, Folksongs und schwedischen Pop-Stücken. Nicht fehlen darf natürlich ein Solo der Trommelgruppe. Und gleich folgt noch eine Neuheit: Die Band of the Australian Army Band Corps. Denn es ist der allererste Besuch einer offiziellen australischen Militär-Formation an einem europäischen Tattoo. Ihren Auftritt könnte man unter das Motto stellen: «Freude herrscht!», denn bei ihnen reiht sich Gag an Gag. Neben sauberen Musikvorträgen mit herrlichem Piccolosolo fangen sie immer wieder an zu singen. Bei ihrem Klamauk dienen selbst blecherne australische Flaggen als Rhythmusinstrumente. Als sie gar in perfektem Baseldeutsch das Lied «Und am Mäntig macht me blaue» anstimmen, droht die Arena unter dem Applaus und Getrampel zusammenzubrechen.

Und noch ein «königlicher» Auftritt: Bereits zum dritten Mal beehrt die Band of Her Majesty’s Coldstream Guards das Basel Tattoo. Wie Häfliger mitteilt, begleiteten sie kürzlich die Royal Wedding. Zu ihnen gesellen sich die Band of HM Grenadier Guards und das 1st Battailon Coldstream Gards Corps of Drum. Sie begeistern unter anderem mit einem Queen-Medley von «Somebody to love» und «Radio Ga Ga» bis zum gesungenen «We Are The Champions». Wie an einem Rockkonzert leuchten dazu im weiten Rund Feuerzeuge. Für Lieutenant Colonel Graham Jones, den musikalischen Leiter, war es der letzte Auftritt am Basel Tattoo. Er geht in den Ruhestand und wird mit einem «Goodbye» und viel Beifall verabschiedet. Danach zeigen die Celtic Stars noch einmal ihr grosses Können.

Den Abschluss vor dem grossen Finale macht die Swiss Army Central Band in ihren roten Galauniformen, zusammen mit den Tambouren des Schweizer Armeespiels. Mit einem bunten Mix aus Militärmusik, Pop-Sounds und Folklore (ein Hackbrettspieler erhält für seinen Auftritt Sonderbeifall) begeistern sie das Publikum. Auch ein Trommelsolo mit leuchtenden Trommelschlegeln darf in Basel natürlich nicht fehlen.

Das farbenfrohe Finale beginnt mit dem Einmarsch der Militärbands, dies jeweils zur passenden Musik. So etwa bei den Deutschen mit «Lilly Marleen» oder den Australiern mit «Waltzing Matilda». Ihnen folgen die Massed Pipe and Drum Bands sowie alle andern Mitwrkenden. Nach «Highland Cathedral» und dem von Major Christoph Walter speziell für das Tattoo komponierten «Celtic Crest» folgt «Die kleine Kneipe». Dazu Häfliger: «Sie dürfen dabei nicht nur mitsingen, sondern auch mitschunkeln». Nach dem Schweizer Psalm und dem Lone Piper beginnt der Ausmarsch. Alle Akteure werden mit einer Standing Ovation vom begeisterten Publikum verabschiedet.  Nun freut man sich bereits auf das Basel Tattoo 2012, welches vom 14. bis 21. Juli stattfinden wird.