Die fünfte Ausgabe des Basel Tattoo bringt eine dynamische Show, welche sowohl mit internationalen Spitzen-Ensembles aus vier Kontinenten, als auch mit Darbietungen aus dem Heimatland Schweiz aufwartet. 21 Formationen mit rund 1300 Teilnehmern begeistern das Publikum. Dem neue musikalischen Leiter, Major Christoph Walter, ist es gelungen, eine mitreissende, kurzweilige Show zu inszenieren. Ehrengast an der Premiere – ein stets salutierender Chef der Armee: André Blattmann.
Auf einer kleinen Bühne vor der Kaserne unterhält die Swiss Army Concert Band unter der Leitung von Major Christoph Walter die Zuschauer bis zum Beginn der Jubiläumsshow. Kurz vor neun Uhr öffnet sich das grosse Kasernentor für die Bands zur «The Basel Tattoo Anniversary Opening Ceremony». Vor ihnen postieren sich Fahnenträger mit je drei Flaggen der acht teilnehmenden Nationen. Dann folgt der erste Gänzehauteffekt: Neun, die «Massed Pipes and Drums» bildende Formationen aus vier Kontinenten, angeführt von ihren Tambourmajoren entführen die Zuschauer aus dem Kasernenhof in die schottischen Highlands. Viel Beifall erhalten sie, als sie sich während der Show zur Zahl Fünf zu Ehren des fünften Basel Tattoos formieren. Unter grossem Jubel verabschieden sie sich mit «The Basel March».
Gleich zwei Auftritte hat das «Fanfarekorps Koninklijke Landmacht „Bereden Wappens“» aus den Niederlanden. Zuerst begeistern sie als Marching Band: Ihre gelungenen Formationen – gepaart mit einem messerscharf präzisen Spiel – erhalten immer wieder spontanen Beifall. Mit «nach dem Vorbild Hollands möchte Basel eine Velostadt werden» begrüsst sie Moderator René Häfliger, welcher gewohnt kompetent durchs Programm führt, zum zweiten Auftritt. Und dieses Mal kommen sie «bereden» auf holländischen Velos. Neben und durcheinander fahrend spielen sie «Tulpen aus Amsterdam» und den «Basler Marsch». Dazwischen geben sie vielbelachte Einlagen. So hat ein Velo «einen Platten» und muss frisch aufgepumpt werden – und beim Abgang fällt einer vom Velo. Sofort eilen Sanitäter herbei. Doch nicht der Gestürzte, sondern das Velo wird unter grossem Beifall auf einer Bare aus der Arena getragen. Nach 2006 und 2008 ist «HM King’s Guard Band and Drill Platoon» aus Norwegen in den edlen dunkelblauen Uniformen und dem gefiederten Hut bereits zum dritten Mal zu Gast am Basel Tattoo. Neben einem breiten musikalischen Spektrum – es reicht von militärischer Marschmusik bis hin zur Klassik mit dem Triumpfmarsch aus Giuseppe Verdis Aïda oder den «Norwegischen Tänzen» von Edvard Grieg – bestechen sie erneut mit ihrem «Drill Platoon». Sensationell, wie dieses kunstvoll mit den Gewehren mit aufgepflanztem Bajonett exerziert und jongliert – das ist schlicht phantastisch. Als Superstars, mit den besten Transportmitteln wie dem Bus der englischen Nationalmannschaft angereist, ist die «Band of HM Royal Marines» aus Grossbritannien mit ihren prächtigen Uniformen und weissen Helmen. Bei ihren verschiedenen musikalischen Richtungen kommen alle nur denkbaren Musikinstrumente zur Anwendung, so etwa drei Geigen beim «Riverdance».
Mit über 120 Akteurinnen und Akteuren bringt die « Aguiluchos Marching Band & Compañia De Danza Tenochtitlan» aus Mexiko heissblütige mittelamerikanische Stimmung in die Arena. In ihren traditionellen Kostümen, zu denen auch mächtige Sombreros im Mariachi-Stil gehören, begeistern Tänzerinnen und Tänzer sowie die vielen Instrumentalisten aller Altersklassen das Publikum und versprühen Lebensfreude pur. Mit dem von der Rockgruppe «Men at Work» adaptierten «I come from a land down under» erklärt die «Band of the South Australia Police» ihre Herkunft. Ein vielfältiges musikalisches Repertoire zeichnet sie aus. Als Einlage gibt es mal ein flottes Tänzchen, und eine Sängerin erhält viel Beifall für ihr «Waltzing Matilda». Aus Südafrika kommen die «Rhythm of Africa Highland Dancers». Ihr Tanz wurde extra für das Basel Tattoo geschaffen. Musikalisch unterstützt werden sie bei ihrem gekonnten Vortrag durch die Musik Swiss Army Concert Band.
Nach so vielen internationalen Highlights war man auf die beiden historischen Schweizer Akte gespannt. In «Le Ranz des Vaches, Les Armaillis» wird ein Alpaufzug gezeigt. Stolz marschieren die zwölf prächtig geschmückten Kühe mit ihren Freiburger Sennen in die Arena. Als die beiden Solisten Pierre Brodard und José Romanens ihr Hirtenlied «Liauba! Liauba! por aria» anstimmen, ist es andächtig still im weiten Rund. Im Akt «Fasnacht» werden die Zuschauer in die Zukunft entführt. Es ist Montag, der 14. März 2011, die Uhr an der Kaserne zeigt kurz vor vier Uhr. 240 Aktive aus den zwölf Cliquen Alti Stainlemer, Basler Rolli, Déja Vü, Die Aagfrässene, Junteressli, Lälli, Naarebaschi, Olympia, Schnurebegge, Seibi und VKB besammeln sich in farbenfrohem Charivari. Punkt vier Uhr wird es dunkel, und es leuchten nur noch die Stecken- und Kopflaternen. Beim Kommando «Morgestraich, vorwärts, marsch» läuft es jedem Bebbi in der Arena kalt über den Rücken. Und wie beim «richtigen» Morgestraich ergiesst sich ein Blitzlichtgewitter über die Fasnächtler. Es folgen Arabi, Hambacher, Scotland the Brave (Whisky) und z Basel, ehe sich der grosse Harst mit dem Wettsteinmarsch verabschiedet.
Den Abschluss macht das grosse Finale, wo sich nochmals alle Mitwirkenden versammeln. Nach diversen Musikvorträgen, darunter das vom Tattoo-Chor vorgetragenen «Gilberte de Courchenay» und der Nationalhymne, haben zwei grossartige Gesangs-Solisten ihren Auftritt. Wie schon im Herbst bei «Top Secret – Die Show» begeistert Philipp Meyer, diesmal mit dem Lied « You Raise Me Up». Dass zum volkstümlichen Lied etwas Schmalz gehört, beweist Corinne Gfeller. Bei den wunderschön vorgetragenen Ohrwürmern «Ewigi Liebi» und «Träne» wird es wohl mancher Zuhörerin warm ums Herz. Eine Tattoo-Tradition ist, dass mit «Prelude and Sunset» gefallener Soldaten gedacht wird. Nach dem «Lone Piper» auf dem linken Turm der Kaserne folgt mit «Black Bear » und «Scottland the Brave» der Ausmarsch. Alle Akteure werden mit einer Standing Ovation verabschiedet.



