Basel Tattoo 2007: Grossartige Darbietungen begeistern das Publikum

18. Juli 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Man war gespannt, wie sich die Zweitauflage des Basel Tattoo präsentieren würde. Und dann übertrifft es alle Erwartungen. Angefangen beim Publikumsaufmarsch: Innert kürzester Zeit waren die ursprünglich geplanten sieben Vorstellungen ausverkauft, so dass eine Zusatzvorstellung angesetzt werden musste. Gestern nun die Premiere: Die grossartigen musikalischen Darbietungen, die verblüffend ausgeklügelten Choreografien und die Spielfreude der rund 800 Mitwirkenden sind schlicht sensationell, so dass die 140 Minuten wie im Fluge vergehen. René Häfliger führt in seiner gekonnten Art durch das Programm. Ab und zu gezündete Feuerwerkseinlagen und Leuchstäbe begeistern das Publikum zusätzlich. Doch schön der Reihe nach.

Es ist noch hell, als «The Regimental Band of Her Majesty’s Coldstream Guards» und «The Band of the Royal Logistic Corps» mit dem Titel «Fanfare for the First Sealord» den Abend eröffnen. Zu ihnen gesellen sich die «New Zealand Army Band» und der Musikverein Bubendorf. Beim gemeinsam gespielten «Colonel Bogey March» kommt erstmals Musikantenstadel-Stimmung auf – es wird tüchtig im Takt mitgeklatscht. Dann öffnen zwei Reisläufer erstmals das grosse Tor an der Kaserne. Angeführt von sieben Majoren marschiert der riesige, farbenfrohe Harst der «Massed Pipes and Drums» in die Arena. Die zehn Corps kommen aus Grossbritannien (Argyll & Sutherland Highlanders Pipes & Drums, 1st Royal Tank Regiment Pipe Band, 40th Regiment Royal Artillery Pipe Band, Royal Air Force Leuchars Pipes & Drums, Queen Victoria School Pipe Band, Glenmoriston Pipe Band), Deutschland (Pipes and Drums of Brunswiek, Gordon Highlanders Memorial Drums & Pipes Fulda, Pipes & Drums First Guards of St. Kilian) und den Niederlanden (Pipes & Drums of the Royal British Legion, Amsterdam Branch). Der Auftritt klappt perfekt und zaubert einen Hauch von Schottland in die Arena. Auch ein paar Schweizer sollen darunter sein.

Im Programmteil mit dem Titel «Historischer Akt» wurde letztes Jahr die Entstehung des Begriffes «Tattoo» dargestellt. Diesmal zeigen Statisten, Mitglieder der «Zofingia Basel» und die «Voices Münchenstein» spielerisch die Entwicklung der Schweizer Militärgeschichte vom 12. Jahrhundert bis ins Jahr 1972. Als Reisläufer standen Schweizer im Dienst fremder Herren. Um kein Heimweh aufkommen zu lassen, war es ihnen unter Todesstrafe verboten, Lieder wie «S Vreneli vom Guggisbärg» zu singen. Im Russlandfeldzug mit Napoleon entstand nach der Schlacht an der Beresina das «Beresinalied». Und im 1. Weltkrieg wurde «Gilberte de Courgenay» ein Begriff. Die «Kavallerie Schwadron 1972» mit 28 Pferden schliesst den geschichtlichen Reigen.

Wie schon am Yshalle Tattoo 2005 begeistert der Musikverein Bubendorf. Wieder hat er seinen Drei-Käse-Hoch als Fahnenwache dabei. Die Band tritt witzig und verspielt auf, geht zwischendurch schon mal in die Knie oder verfällt in den Laufschritt, wenn es der Takt verlangt. Das Publikum dankt mit der ersten stehenden Ovation des Abends. Schon letztes Jahr dabei war die «Queen Victoria School Pipe Band». Mit im Gepäck diesmal die «Highland Dancers». Sie tragen traditionsgemäss den «Hunting Stuart Tartan» (Tartans sind die berühmten Schottenmuster). Die Filmmusik «The Last of The Mohicans» erinnert an das Massaker von 1757, als sich Franzosen und Engländer um die Vorherrschaft in Amerika stritten.

Langsam senkt sich die Dunkelheit auf die Arena, und so kommen die farblichen Lichtspiele an der Fassade der Kaserne schön zur Geltung. Zwei Soloauftritte haben die «Voices II der Musikschule Münchenstein». Beim Volkslied «Luegit vo Bärgen und Tal» und «And so it goes» von Billy Joel kommen ihre wunderbaren Stimmen voll zur Geltung. Im offiziellen Programmheft fehlen die Auftritte der «Band of the Royal Logistic Corps» und des «Emerald Isle Irish Dance Team». Trotzdem begeistern sie mit ihren gekonnten Auftritten: Die Band hat ein breites musikalisches Spektrum, mal rassig swingend, mal langsam besinnlich; das Tanzteam pflegt den traditionellen irischen Tanz. Ihren perfekten Auftritt belohnen die Zuschauer zum zweiten Mal an diesem Abend stehend.

Als «länderübergreifende Kooperation Schweiz-Schottland», so Sprecher René Häfliger, tritt die Rhythmusgruppe der «Swiss Army Gala Band» zusammen mit den «Argyll & Sutherland Highlanders Pipes & Drums» auf. Als Solisten mit dabei sind Kevin Klapka (Flöte), Marty Huxter (Solo Piper) und sieben Sängerinnen der «Voices Münchenstein». Um beim Basel Tattoo dabeisein zu können, reiste die «New Zealand Army Band» um die halbe Welt. Die reine Brass Band mit grosser rhythmischer Sektion hat eine breite Auswahl an Musikstilen im Repertoire. Sowohl ihre zahlreichen humoristischen als auch die Maori-Einlagen, welche der Tradition der neuseeländischen Ureinwohner nachempfunden sind, rufen wahre Begeisterungsstürme hervor. Ebenfalls aus Neuseeland kommt das «Lochiel Marching Team». Sie betreiben eine Sportart, die es bei uns in dieser Art nicht gibt: Die Show erinnert an Majoretten, übersteigt diese aber in Bezug auf Konzentration und Präzision bei weitem. Man kann nur ahnen, welche Arbeit hinter dem Auftritt der 18 Damen steckt.

Im Jahre 1650 gegründet ist «The Regimental Band of Her Majesty’s Coldstream Guards» eines der ältesten Regimenter weltweit. Die Rotröcke mit den Bärenfellmützen sind eines der Wahrzeichen Londons. Ihr buntes musikalisches Medley wird mit einem Sänger ergänzt, der die Titelmelodien «From Russia with Love» und «Goldfinger» der James Bond-Filme vorträgt. Begeisteter Applaus, als die Band mit dem «Basler Marsch» ausmarschiert.

Das Denkmuster ist jedes Jahr das Gleiches: Nun ist der Gipfel erreicht. Aber das «Top Secret Drum Corps» hat doch immer wieder neue Ideen: Wie die elf Tambouren, vier Bass Drums und sechs Colour Guards ständig in Bewegung sind, die ganze Breite und Länge der Arena ausnützen und immer wieder neue Formationen bilden, ist schlicht sensationell. Der Rhythmus kommt noch schneller und präziser daher, die Schlegel fliegen noch weiter – auch über die Color Guards hinweg. Was Wunder – das Publikum tobt!

Nach diesem fulminanten Auftritt kommt der Triumphmarsch von Stephan Jaeggi mit den «Massed Bands» zum Auftakt des Finales eher bedächtig daher. Nach dem «Tribute to Elgar» und «Scots Wha Hae» durch die «Massed Pipes and Drums» kommt der grosse Auftritt von «Enrico Magaldi» (Tenor). Mit den «Voices» singt er die Balladen «Loch Lomond» und «Skye Boat Song» sowie zusammen mit dem Publikum die «Nationalhymne». Inzwischen haben sich alle Teilnehmer in der Arena zum grossen Schlussbild versammelt. Während der «Lone Piper» auf dem linken Turm der Kaserne «Mistcovered Mountains» spielt, verwandeln 7000 Leuchtstäbe, die auf den Plätzen lagen, die Arena in ein grün-oranges Lichtermeer. Zum Ausmarsch spielen die «Massed Bands» den «Baslermarsch», und die «Massed Pipes and Drums» verabschieden sich mit «Scottland the Brave». Für manchen Besucher klingt der Abend dann noch in der «Tatoo Street» feucht-fröhlich aus.

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