Bänggler pfeifen auf «Saffre»-Saal

10. Dezember 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Telebasel nach Bänggler-Entscheid heimatlos»: Unter diesem Titel bringt «Basler Fasnacht Online» die Story, dass am Fasnachtsmontag und -mittwoch 2003 die drei grossen Schnitzelbank-Gesellschaften «Comité-Schnitzelbängg», «BSG» (Basler Schnitzelbangg Gsellschaft) und «VSG» (Verainigty Schnitzelbangg Gsellschaft) nicht mehr im grossen Saal der Safran Zunft auftreten werden. Schon an der Präsidentenkonferenz im Jahr 2001 hätten BSG und VSG einen Verzicht angeregt, sagt BSG-Obmann André Auderset. Doch auf Drängen der Comité-Schnitzelbängg, in deren Reihen einige Mitglieder der Safran-Zunft sässen, sei dann aber beschlossen worden, es noch ein Jahr zu versuchen. «Nun aber ist der Verzicht definitive Tatsache», so Auderset.

Andreas Nabholz, Obmann der Comité-Bängg, bestätigt, dass der Widerstand gegen Auftritte im Zunft-Saal aus den Reihen der Mitglieder gekommen sei. Sie hätten seit jeher ihre Bedenken geäussert, weil der Saal fürs Schnitzelbank-Singen ungeeignet sei. Er sei akustisch schlecht und halle störend nach. Zunftwirt Hanspeter Fontana würde jeweils an den Vortragsabenden im Saal Fondue Bacchus anbieten, was zu hohen Raumtemperaturen führe. Wenn die Gäste dann verständlicherweise die Fenster öffneten, könne man der Strassenfasnacht wegen die Bänggler überhaupt nicht mehr verstehen. Nabholz attestiert dem Zunftwirt, um eine bessere Akustik bemüht gewesen zu sein, doch besser sei es nicht geworden. Und so hätten die Schnitzelbank-Gesellschaften eben beschlossen, auf weitere Auftritte im Saal zu verzichten.

Für den Zunftwirt ist der Entscheid der Schnitzelbank-Gesellschaften «schon ein Schock». Fontana, der nunmehr sieben Jahre in der «Saffre» wirtet, betont, dass der Saal zu Beginn seiner Zunftwirt-Karriere fast leer gewesen sei. «Dann haben wir etwas aufgebaut; in den letzten vier Jahren war der Saal am Fasnachtsmontag und -mittwoch voll, Telebasel kam und im letzten Jahr auch Radio Basilisk.» Er gibt durchaus zu, dass im letzten Jahr tontechnisch etwas falsch gelaufen sei. Er habe allerdings gedacht, dass, wenn schon Experten von elektronischen Medien im Hause seien, alles seinen richtigen Verlauf nehme. «Das war mein Fehler», gibt sich Fontana selbstkritisch. Doch möchte er nicht hadern und sagt: «Ich betrachte den Verzicht der Bänggler auch als Chance für einen Neuanfang.»

Und den hat er schon gemacht: Am Fasnachtsmontag werde «ein in seiner Art neuer Unterhaltungsabend» über die Bühne gehen. Geplant sind drei Blöcke mit Schnitzelbänken und Rahmenstücken. Regie wird Walo Niedermann führen, seines Zeichens ehemaliger Drummeli-Regisseur, die Moderation übernimmt Daniel Thiriet. Dieser hat mit Niedermann mehrmals als «dr aint oder ander» an der «Räppli-Serenaade» Furore gemacht. Der Unterhaltungsabend ist laut Fontana «schon fast ausverkauft», so dass er ihn am Fasnachtsmittwoch ohne weiteres ein zwei Mal «fullhouse» über die Bühne bringen könnte. Doch darauf verzichtet er. Dafür klärt er zur Zeit ab, ob sich der Einsatz einer Grossleinwand für die Übertragung des Champions League Spiels Manchester United-FC Basel finanziell lohnen würde.

Während sich der Saal-Boykott der Schnitzelbänggler für Fontana also sogar positiv auswirken könnte, hat er für Telebasel und Radio Basilisk negative Folgen: Sie müssen einen neuen Sendestandort suchen. Für Basilisk-Redaktionsleiter Thomas Aebischer «ist noch nicht klar, von wo wir senden werden». Er müsse zuerst das Gespräch mit Telebasel suchen, mit der diesjährige Deal (Basilisk übernahm den Ton) vernünftig gewesen sei.

Telebasel-Geschäftsführer Willy Surbeck seinerseits will den «Saffre»-Saal-Verzicht der Bänggler nicht einfach so hinnehmen und sagt: «Wir haben mit den Gesellschaften einen dreijährigen Vertrag, der erst dieses Jahr zu laufen begonnen hat.» Das bestätigt BSG-Obmann André Auderset, betont aber, dass es im Vertrag nur um die Entschädigung an die Schnitzelbank-Gesellschaften für das Übertragungsrecht und nicht um den Übertragungsort gehe.

Surbeck kann das Verhalten der Bänggler auch nicht verstehen, «weil wir ihnen stets alle Wünsche von den Lippen abgelesen haben». Schliesslich hätten die Schnitzelbank-Gesellschaften schon Druck aufgesetzt, als Telebasel noch aus dem Mövenpick gesendet habe. «Wir zügelten dann in die ‹Saffre›.» Und jetzt beschwert sich Surbeck, dass die Bänggler «null Kompromissbereitschaft» zeigen. Ihre Lösungsvorschläge – zum Beispiel Übertragung im Freien oder im Vorhof des Rathauses – seien nicht zu akzeptieren. Weiter führt er aus, mit Hanspeter Fontana stets in Kontakt zu sein, doch vom festen Plan eines Unterhaltungsabends, der schon fast ausverkauft sei, habe er nichts gewusst.

Trotz allem hofft der Telebasel-Geschäftsführer immer noch «auf eine einvernehmliche Lösung». Darauf angesprochen, dass die nicht zustande kommen dürfte, meint Surbeck: «Wir sind ein ‹Partisanen-Fernsehen› und haben schon mehrmals bewiesen, dass wir eine Lösung finden.» Es frage sich allerdings nur, auf welche Kosten – «auf unsere, auf jene der Bänggler oder sogar der Zuschauer»?

Diese Frage kann erst nach der Übertragung von Telebasel – im Casino, Theater oder wo auch immer – beantwortet werden…