Auf dem Weg nach Edinburgh

8. Juli 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Auftritt am Nova Scotia International Tattoo 2001 im kanadischen Halifax sollte für die Trommelgruppe «Top Secret» eigentlich der letzte sein. Nach elf erfolgreichen Jahren waren die Batterien leer. Doch dann kam das Angebot, als erste Schweizer Formation am Edinburgh Military Tattoo 2003 aufzutreten. Eine Herausforderung, die man sich nicht entgehen lassen konnte. Erik Julliard und Daniel Bommer begannen sofort mit den Vorbereitungen. Unter der Gesprächsleitung von René Häfliger orientierten sie gestern Abend im Übungsraum auf dem Ziegeleiareal in Allschwil die Medien über den aktuellen Stand der Vorbereitungen.

Um optisch und soundmässig in der grossen Arena des Edinburgh Castle bestehen zu können, musste die Truppe vergrössert werden. Geplant waren zwölf Snaredrummer. Heute sind es zehn, ein weiterer ist «in Ausbildung», der Zwölfte wird noch gesucht. Dazu kommen sechs Drummer mit je zwei grossen, mittelgrossen und kleinen Bassdrums (im Volksmund fälschlicherweise Pauken genannt) sowie sieben Color Guards (Fahnenträger). Fündig wurde man in der Fasnachtsszene, aus der auch die Gründer der Truppe stammen. Geübt wird seit dem 1. März jeden Montagabend rund zweieinhalb Stunden. Im nächsten Jahr sind zwei Übungsabende pro Woche angesagt. «Die Snaredrums haben einen helleren Ton als die Basler Trommel. Daher ist das Zusammenspiel schwieriger. Man hört jeden falschen Schlag» erklärte Julliard.

Als Ergänzung zu den Übungsstunden und um den Neuen Bühnenerfahrung zu verschaffen, sind noch diverse Auftritte geplant. Vom 12. bis 14. Juli geht es zu den Navy Days nach Zeebrugge in Belgien. Das «7th Swiss Pipeband Meeting» in Basel steht am 6. und 7. September ebenso auf dem Programm wie die Polizei-Show in Hamburg (25./26. Oktober). Und am 25. Januar 2003 wird das «Top Secret Drum Corps», so der offizielle neue Name, am Trommelfestival in Köniz auf.

Das Unternehmen Edinburgh dauert vom 26. Juli bis 24. August 2003. Die erste Woche ist für Proben auf der Esplanade des Edinburgh Castles reserviert. Das Tattoo selbst findet vom 1. bis 23. August statt. 200 000 Zuschauer kommen jedes Jahr, um dieses weltbekannte Spektakel zu sehen. Die internationalen Fernsehstationen verzeichnen jeweils über 100 Millionen Einschaltungen. Die Gruppe bestreitet in dieser Zeit jeden Tag einen viereinhalb Minuten dauernden Auftritt. Dieser wird in Uniformen stattfinden – wie diese aussehen, wissen die Verantwortlichen noch nicht. Das hängt nicht zuletzt auch von den Einnahmen ab.

Das von Bommer vorgestellte Budget sieht Ausgaben in der Höhe von 206 000 Franken vor. Davon ist etwa die Hälfte bereits durch drei Sponsoren (Lotteriefonds Basel-Stadt und Baselland, Davidoff International) abgesichert. Für den Rest hofft man auf weitere Geldgeber – sonst müssten die Teilnehmer die Differenz «aus dem eigenen Sack berappen», so Bommer. Für Laien überraschend ist besonders der Posten «Schlegel». 20 Paar à 24 Franken, und das mal 12, ergibt 5760 Franken. Grund: Die Snaredrums haben, im Gegensatz zur Basler Trommel, einen Metallrand. Durch das Randschlagen splittern die Schlegel innerlich. So gehen pro Auftritt mehrere Schlegel kaputt.

Rückblickend zeigte Bommer die Geschichte der Truppe auf. 1990 wurden «Top Secret» von sieben Tambouren gegründet. Ihr primäres Ziel war, neben dem traditionellen Basler Trommeln ein perfektes amerikanisches Showtrommeln einzustudieren. 1995 folgte ihr erster Auftritt am Kinder-Charivari. 1996, 1997 und 1999 erhielten sie begeisterte Kritiken für ihre Trommelshow am Glaibasler Charivari. Im Herbst 1997 ging es erstmals über den grossen Teich in die USA, wo sie zusammen mit dem «Drum and Bugle Corps» des «United States Marines Corps» in Washington auftraten. Im Schweizer Fernsehen hatten Top Secret vielbeachtete Auftritte in den Sendungen «Benissimo», «Victors Spätprogramm» und «OOPS».

Zum Abschluss der gestrigen Präsentation begeisterte das «Top Secret Drum Corps» mit einem Open-Air-Auftritt das zahlreich erschienene Publikum. Nach dem für Edinburgh einstudierten Showteil zeigten sie unter der Leitung von Alfons «Fons» Grieder, wie sich die visuellen Effekte aufbauen. Jede Übung, vom einfachen Rhythmus-Trommeln über Schlegel gegen Schlegel, Schlegeldrehen, Butterfly (trommeln auf dem eigenen Instrument und dem des Nachbarn) bis zum Schlegelwerfen, erhielt herzlichen Applaus. Abschliessend folgte noch die immer wieder gern gesehene Schlegel-Fechtszene.

Für Interessierte lohnt sich ein Blick auf die von Webmaster Beat Mäder neu gestaltete Homepage der 23-köpfigen Gruppe.