Auch Guggen und Wagen sind in Form

4. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Beschwingter und bunter als noch am Montag erscheinen dem Kiebitz am Strassenrand beim zweiten Cortège die Guggemuusigen und Wagen – der Sonne sei Dank.

Ein im Sonnenlicht glänzender Wagen gibt gleich zu Beginn des zweiten langen Cortège-Nachmittages den Tarif an, für das, was in den nächsten paar Stunden am Steinenberg im Contre-Marsch zu sehen sein wird: Es sind die Basler Clochards, die fünfzig Jahre alt sind, in goldenem Wagen die Route befahren und genüsslich eine Zigarre rauchend ihr Jubiläum feiern. Dass sie deswegen nicht intrigieren können, sei ihnen verziehen.

Ganz und gar nicht opulent geht es bei den Kloschterräbe zu – im Gegenteil. «Jetz het s gschällt – ewägg isch s Gäld» lassen sie uns wissen, die zwölf rot-schwarzen Ueli leben in einer verkehrten Welt und vor ihnen auf dem Wagen fliegt der Pleitegeier, der das Kässeli im Schnabel trägt. Auch die Privé-Waggis thematisieren die Finanzkrise, auf ihrem Wagen verteilen die letzten Gold-Säuli der UBS die letzten Habseligkeiten.

Die erste Gugge, die ihre Freude über das zu Beginn noch sonnige Wetter in die Luft schränzt, sind die Gaschtro-Noome. Eigentlich hätten sie zu ihrem dreissigsten Geburtstag mit einem Wagen anrücken wollen, doch wäre ihnen das finanziell zu fest an den Kragen gegangen, sagen sie bedauernd und beklagen sich, überall ausgesaugt zu werden. «Mir schmegge Bluet» sagen sie sich, «jetz suuge mir halt s Comité us». Dann zur wohltuenden Abwechslung einmal ein anderes als das Finanz-Misere-Sujet. Die Kratzbyrschte, die jeweils mit Vortrab und Wagen den Cortège absolviert, spielt «Kuh, doof, sucht. . . Muh-es das sii? Buur kuh-a?» aus. Der Guggenmajor ist ein «voll Kuh-le», der Wagen ist für die kleinen Kuh-eli (den Guggen-Nachwuchs), und das Spiel, alles schwarz-weisse Kühe, macht ein Kuh-del-muh-del und spielt kuh-nschtvoll und muh-schtergiltig auf. So etwa Kuh-ando oder Kuh-e sera.

Einer der zahlreichen Staus, die es an diesem Nachmittag auf beiden Routen gibt, führt zu ganzen Wagen-Kolonnen beidseits des Comités: Der Wagen der Herremättli-Clique ist ein «betriebsunsichers Bitriibssicherhaitsbeschyynigungsbyyroo», und neben dem Wagen würden – wenn eben nicht der Stau wäre – kopflose Sicherheits-Schuugger laufen. Die Schuugger – in Kampfmontur – der Rhyschlappe-Waggis «ruumen uff». Der Wagen ist ein Polizei-Einsatzwagen, und angehängt ist ein Gefängniswagen, mit eben den martialischen Schuuggern. Aufs Korn genommen wird selbstverständlich auch hier, dass die Wagen eben ab 2010 einen Sicherheits-Check bestehen müssen. Ebenfalls mit Auf- oder besser Wegräumen haben es die Helvezia-Strizzi zu tun. Sie enervieren sich über «dä Schilderwald in dääre Stadt», und ihre sechs Waggis räumen diese Schilder eben weg.

Die Vorstadt-Glunggi Binnige haben es ebenfalls mit einer Vorschrift, präziser mit dem Rauchverbot. Ihr Wagen ist denn auch eine Beiz mit 16 leidenden Raucher-Waggis. Gleich mit einem Panzerwagen, der allerdings sehr gut getarnt ist, rücken die Warteck-Rueche an. Sie spielen die «Armeereform 22 oder Viva La Revoluzion» aus.

Gut gibt es auch die Rhywälle, so wissen wir doch, dass Fasnacht ist. Sie proklamieren «Nundefahne, s Fasnachtsmuseum muess jetz aane!», und auf ihrem Wagen tummeln sich Fasnachtsfiguren, die ins Museum wollen.

Verlassen wir die «Wagenburg» für ein paar Minuten, und hören wunderschönem Guggen-Sound zu, der vom Bankenplatz her zu uns getragen wird. Im Anmarsch sind die Barbarossa Binggis. Sie sind übrigens wohl die einzigen Binggis, die ewig Binggis bleiben werden – hoffentlich. Klein sind auch, oder besser kleiner geworden, die Gugge-Zwärgli. Sie feiern zwar ihren 25. Geburtstag stolz mit einem neuen, wirklich schönen Stamm-Kostüm, doch wenn sie zu alter Grösse zurückfinden wollen, müssen sie noch etwas Suppe essen. Richtig gross dafür – Kunststück, sie sind auch 60 Jahre alt – sind die Pumperniggel, die als zackiger Feuermannszug die Route abschreiten. Wenn wir schon bei gross sind: Den Rekord dürften wohl die Schränz-Gritte mit nicht weniger als 63 Schränzern halten – ein unheimliches Volumen. Und doch sind sie arm dran: «Dangg Mänätscherphagg – kai Stutz im Sagg!» heisst nämlich ihr Sujet. Ganz gewaltig auch die Ohregribler mit «Sei Hääfeli, Sei Deggeli». Sie persiflieren die manchmal doch eher dunklen Machenschaften der Politiker in Bern, und die 54 «uurchige Schwyzer Sei us em Bundeshuus» begeistern mit einem tollen Sound.

Kaum ist dieser auf dem Seibi verklungen, gilt die Aufmerksamkeit den Schineblooser-Waggis. Aus dem Sujet «Es bruucht Faarb» wird man zwar nicht gleich klug, dafür ist die Sprache der zwölf Waggis sehr farbig. Will heissen, sie gehören zu den wenigen Wäägelern, die man echt gut intrigieren sieht – bitte weiter so! Die Joker Waggis mit dem Sujet «Euro 08/15» fallen vor allem damit auf, dass Comité-Mitglied Ruth Ludwig-Hagemann für ein paar Meter Wegstrecke auf dem Wagen weilt. Ob die Waggis damit wohl den Joker gezogen haben? Noch einmal ziehen wir sackstarken Guggen-Sound rein: «Mir staarte duure» sagt sich die Negro-Rhygass. Der Major ist ein lärmgeschädigter Basler, der Wagen ein Hangar mit Flugzeugmechanikern. Das Spiel ein gutes halbes Hundert Piloten. Mit ihnen heben wir nun ab und landen gerne wieder auf der Cortège-Piste am 22. Februar 2010.