Alte Dame sorgt für grosse Lacher

8. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Sie sei wirklich eine alte Dame geworden, die Basler Schnitzelbangg Gesellschaft. Dies sagte BSG-Präsidentin Bettina Carpanetti gestern in ihrer Begrüssung zum 89. Schlussabend. Alt, aber keineswegs verstaubt, wie die 14 BSG-Formationen gestern Abend bewiesen.

So konnte die BSG-Präsidentin gleich drei Bängg präsentieren, die ihre erste Fasnacht bestritten haben. Einen ganz passablen ersten Auftritt zeigte der «Storch», er wird sich aber sicher noch steigern können. Stark verbesserungsfähig und mit einem Kirchenlied als Melodie etwas gewöhnungsbedürftig waren die Newcomer «Unerheerte». Sackstark dagegen «Mc Väärs». Mit ihrem schönen Gesang und gelungenen Versen waren die Herren in Schottenröcken bereits in ihrem ersten Jahr eine tolle Bereicherung für die BSG. Chapeau. Hier ihre Beschwörung an „König Blocher“.

I hätt en gwäält als Bundesroot, und grad diräggt als Bresidänt
Als Keenig vo dr Schwyz, und hätt au das denn noonig glängt
Hätt ych ihm die ganzi Wält gää, Christoph gib dr doch e Rugg
Mir wurde alles fir di mache, nur gib uns d’Läggerli wiider zrugg.

In die Kategorie „musikalisch top“ gehörten sicherlich auch die «Verlumpte», genauso lobenswert ihre schönen Helgen. Der «Aigebreetler» beschränkt sich bei der visuellen Hilfe auf Strickzeichnungen, gefällt dafür zwischen den Versen umso mehr mit bissigen Börsenregeln:

Wottsch an dr Börse e glayns Vermeege bikoh
Muesch mit eme grosse Vermeege aanego

Duet dy Akzie-Depot stargg ins Minus wandere
Isch s Gäld nit verloore, s gheert numme eme Andere

Ganz besonders böse Zungen hatten gestern Abend die «Rätschbääse». Sein Fett weg bekam etwa Sämi Schmid:

Dr Sämi Schmid hett Ranzewee, die Galle die muess wägg
schnipp, schnapp, uff dr Buuch, uuse mit däm Drägg
wemmer scho grad draa sinn, sait dr Schefaarzt Doggter Heinz
dien mer non e Rugggroot yyne – dä aarm Dropf het jo kains.

Ausgezeichnet auch der Auftritt der «Schlofkappe». Der jüngste Bänggler wird jedes Jahr besser und lieferte gestern den bösesten Vers zu Micheline Calmy-Rey mit Kopftuch:

Daas Kopfduech vo dr Calmy-Rey
isch diblomaatisch gsee nit nei
bolitisch gheert s zer Ettigette
daas wo nyt wäärt isch, guet z verstegge
am beschte wäär s uus dääre Sicht
si versteggty s näggscht Mool s ganzi Gsicht

Ein Top-Thema (nebst UBS und Banker-Bashing natürlich) war heuer auch bei den BSG-Bängg der Schuhwurf gegen den ehemaligen US-Präsidenten. Dazu die «Babberlababb»:

Sii, dä Schuehwärfer, dä wirft die Schueh no chic
Drumm mache mir jetzt Drugg, au in dr Politik
Gänd däm Maa Asyl, mir schängge ihm derzue
E Rais nach Bundes-Bärn und 7 Päärli Schue

Ein äussert beliebtes Sujet aus der lokalen Politik war das rauschende Abschiedsfest vom IWB-Chef Eduard Schumacher auf Staatskosten. Die «Gsalzene», die einmal mehr mit witzigem Vortrag begeisterten:

D’Regierig wott dr Abschied Schneider/Lewin feschtligg zelebriere
Und muess dodrfyr e satti Stange Gäld organisiere
D’Eva Herzog meint glasse: „Do bestoot jo gar kai Drugg
Vom Schuemacher sinre Orgie kunnt no s’Fläschedepot zrugg!“

Schumacher sass unseres Wissens beim BSG-Schlussabend nicht im Publikum. SBB-CEO Andreas Meyer hingegen nahm die Kritik an den Sch…., pardon Cisalpino-Zügen hingegen in persona entgegen. «D Uffestuehler»:

Mir hän do kirzlig mit em Schiss-Alpino- uf Mailand welle faahre
gly scho hämmers z spyre griegt – die Faahrt isch voller Gfahre
I will go brinzle, dr Kondi kunnt- und schreyt mi aa bim saiche
Du Duubel glemm doo sofort ab – sunsch hauts is us de Waiche

Einen Denkstoss gleich von mehreren Bängg bekam auch der gestern ebenfalls anwesende BVB-Direktor Urs Hanselmann. Hier die «Kulturstopleri»:

Vor em Trämmlifahre hann-ich welle, es Billet useloh
Do frogt my d’r Automat, Wo ahne? Worum au? Und Wieso?
Wie n-e Depp stand ich dervor, frog my, wie duet das laufe
Ich will doch nit d’r Doggter mache und nur e Billet kaufe

Eine besondere Erfahrung war gestern in den Rasser-Theatern der Auftritt des Gast-Banggs. Die 9-köpfige Gruppe «Venner-Spiegel» aus Büren an der Aare bewies: Ja, auch Berner können Verse drechseln. Ja, auch in behäbigem Dialekt können Bängg äusserst unterhaltsam sein. Ja, auch ohne Larven ist ein gelungener und sehr sympathischer Auftritt möglich. Die Berner wurden zu Recht mit Riesen-Applaus verabschiedet, hier zwei Müsterli:

Sit Johre hets in Basel gä Persönlechkeite
Wo uf dr ganze Wält dr Ruhm vor Stadt verbreite
Jetzt gsesch do nimer meh über sich usewachse
Alls was hie ufstiigt – si im Rhy no d’Lachse

Üs dünkt der Ospel emu nid so cheibe übel
bestimmt nid schlächter als dä jetzig Oswald Grübel
Är bewyst üs jetzt als Vatter vo Zwillinge
dass er glych ä Überdeckig d’stang cha bringe

Der Abend wurde abgerundet mit zwei hervorragenden musikalischen Beiträgen; einer Auswahl der Gruppe «Pipes and Drums» und Zyschtigsclique «Schoggihase». Das Fazit: Die alte Dame BSG darf gut und gern noch viel älter werden…

Weitere Informationen:

Homepage Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (mit allen Versen)

Impressionen Schnitzelbängg 2009 in der BFO-Foto-Galerie