«Stell dr vor, es gäb kai Fasnacht!»

17. Februar 2013 | Von | Bilder: Olly Klassen | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Unter diesem Motto stand der diesjährige Fasnachtsgottesdienst in der offenen Kirche Elisabethen. André Feuz lud ein und sie kamen. Bereits eine halbe Stunde vor Messebeginn, war das Gotteshaus proppevoll, sodass viele Wohl oder Übel mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. Aber auch sie konnten sich an einem wunderschönen Anlass erfreuen.

Pünktlich um 1030 Uhr stimmten die 5 Piccolovirtuosen, unter der Leitung von Michèle Zeggari, zum kleinen, grünen Kaktus an und das Gehörte machte Laune, viel Laune. Alsdann stellte sich der Hausherr Pfarrer André Feuz vor und gab bald kund, dass er als Zürcher wisse, wann man die Klappe halten müsse. Genau. Während der „drey scheenschte Dääg“. Ihm zufolge würden sich die Zürcher daran halten, „d Schwoobe aaber nit“. Mit diesen einstimmenden Worte hatte er die etwa 600 Kirchenbesucher schon mal in den Sack gesteckt.

In der Folge sang man gemeinsam „Oh when the saint go maching in“ aber mit „Baseldytschem Teggscht“ wie zum Beispiel:

Mir gööhn uff d Gass, wenn s Vieri schloot
Mir gööhn uff d Gass, wenn s Vieri schloot
Denn dien miir wie uff Wulgge schwääbe
Mir gööhn uff d Gass, wenn s Vieri schloot

Und wenn’s no Ziibelewaie schmeggt
Und wenn’s no Ziibelewaie schmeggt
Denn dien miir wie uff Wulgge schwääbe
Und wenn’s no Ziibelewaie schmeggt

Und wenn’s denn ruesst und pfyfft und dätscht
Und wenn’s denn ruesst und pfyfft und dätscht
Denn dien miir wie uff Wulgge schwääbe
Und wenn’s denn ruesst und pfyfft und dätscht

In e baar Stund isch Moorgestraich
In e baar Stund isch Moorgestraich
Denn dien miir wie uff Wulgge schwääbe
In e baar Stund isch Moorgestraich

Marinette Oeggerli und Jürg Jösslin (Texter), hatten danach ein Zwiegespräch unter dem Motto: „zu mir oder zu dir“ Ein Motto, welches von einer Frau zwangsläufig auch anders gedeutet werden kann. Aber einig war man sich schliesslich über die Aussage: „Stell dr vor es gäb kai Fasnacht.“ Einig in dem Sinne, dass die Phantasie, die Farben, die Visionen und der Ideenreichtum in unserer Stadt lebt und man dies während der Fasnacht bestens auch ausleben kann. „E Lääbe ooni Phantasie isch wie Basel ooni Fasnacht“, und natürlich auch umgekehrt!

Fünf Stimmig wurde alsdann der „Pinocchio“ in den Altarraum zelebriert. Wiederum ein Ohrenschmaus, welcher von Maya Bertscher, Nicole Kämmerle, Heidi Oppliger, Michèle Zeggari und Roger Zehringer dargeboten wurde.

Mit dem Schunggebegäbnis (Comite-Bangg) stand nun der erste Schnitzelbangg an. Melodiös und in vier Tonlagen wussten sie nicht nur musikalisch zu gefallen. In Harmonie und Moll trafen sie mit ihren Pointen stets den Nagel auf den Kopf und die Gäste dankten es ihnen mit grossem Applaus.

Die Fasnachtspredigt stand unter dem Titel Phantasie und Traum. André Feuz hat sich hierfür einen der kürzesten Bibeltexte ausgewählt, entgegnete jedoch sofort: „e kurze Biibelteggscht haisst nit, dass d Preedigt kurz isch, falls sy das draymt hän.“ All zu lang war sie aber doch nicht. Das Tambourentrio setzte danach wieder zu einem rassigen Trommelmarsch an bevor der zweite Bangg „Dootebainli“ (Comite-Bangg) ihre Verse zum Besten gaben.

Im Fasnachtsgebet wurde schliesslich an den lieben Gott appelliert, und um schönes Wetter ohne Regen, Schnee oder gar Hagel gebeten.

Ein absolut beswingter „Aeschlemer“ gab es ebenfalls zu hören. Abwechselt klassisch und im „Swing“ variierten dabei die Trommler und Pfeiffer. Ein Genuss!!!

Geniessen durfte man anschliessend auch noch eine Piperin, welche das Highlands Cathedral anstimmte, das dann mit Baseldeutschem Text durch die drei Troubadoure vollendet wurde.

Als Überraschungsgast kamen nun die jüngsten Besucher in die Kirche. Der Kinder- und Jugendchor 4056 aus dem St. Johanns-Quartier, bekannt auch aus dem Fasnachtsbändeli, sangen einen Reigen aus „Tscha-Tsching“ bis zu Michael Jacksons „mir sin d Wält“. Ein Auftritt, bei welchem der eine oder andere Besucher feuchte Augen bekam. Es machte viel Spass den Kindern zuzuschauen, mit welcher Freude sie ihrem musikalischen Hobby nachgehen.

Ein prima Abschluss eines abwechslungsreichen und musikalisch hoch stehenden, besinnlichen aber auch überaus amüsanten Fasnachtsgottesdienstes. Kein Wunder war die Kirche dermassen gut besucht.

Zum neunten Mal hat die Zusammenarbeit mit den Organisatoren und Pfarrer André Feuz nun stattgefunden. Als Dank spielten die Pfeiffer den „Züüri Sächsilütte-Marsch“. Dieser tat den Baslerinnen und Baslern etwas weh in den Ohren, aber nicht auf Grund der Interpreten/Innen. Ein Raunen ging durch die Kirche als sie schliesslich in den Basler-Marsch überleiteten und die Nummer mit „z Basel an mym Rhy“ beschlossen.

Die freiwillige Kollekte geht in diesem Jahr an das Theater Arlecchino. Zudem wird ein SOS-Kinderdorf in Griechenland an der Türkischen Grenze unterstützt.

Diesbezügliche Spenden dürfen natürlich auch während oder nach den „drey scheenschte Dääg“ an die offene Kirche Elisabethen gerichtet werden.