Beim Charivari wächst zusammen, was zusammen gehört

19. Januar 2013 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Rahmenstücke zwischen fein gedrechselten Schüttelreimen und schenkelklopfenden Kalauern, Fasnachtsmusik vom Allerfeinsten und diverse gelungene Überraschungen – all das macht das Charivari 2013 aus. Und die diesjährige Ausgabe darf als absolut gelungen beurteilt werden, bestehend aus einzelnen Nummern, die gut verknüpft aber zu einem feinen Gesamtwerk werden.

„Nun wächst zusammen, was zusammen gehört“, soll Willy Brandt bei der deutschen Wiedervereinigung gesagt haben. Auf das diesjährige Charivari passt der Satz genauso. Das Programm besteht zwar aus einzelnen Nummern, doch sind diese in den meisten Fällen fein verwebt. So etwa, wenn nach einem makaber-derben Rahmenstück über das Altern (Kompetenz dank Demenz) die Seibi als Rentnerband auftreten, die das Spielen der „Alte“ verweigern und stattdessen perfekt „Sixty-nine“ intonieren.

Bei den Rahmenstücken kommen auch dieses Jahr zum einen die Freunde des krachenden Humors auf ihre Kosten – etwa, wenn in der bereits erwähnten Nummer erklärt wird, dass die dritten Zähne dazu da seien, ins Gras zu beissen, oder ausgerechnet der Möchtegern-Allesverhinderin Lachenmeier ein „Tattoo“ auf den Allerwertesten verpasst wird. Aber auch die Liebhaber der feinen Klinge werden keineswegs vergessen. So in der Eröffnungsnummer, als zu diversen Fahnen grandiose Schüttelreime präsentiert werden. Zur griechischen Flagge als Beispiel:
Es sotte sich die schlaffe Gschtalte
schtatt z straike moll an s Schaffe halte

(Noch) nicht richtig zusammenwachsen wollen bekanntlich die beiden Basel. Dieses Thema beherrscht auch das Charivari, so in der besten Nummer vor der Pause, als eine Gruppe Baselbieter ein Basler Zunftmahl besucht. Zum Schreien komisch hier Colette Studer als Dame vom „Daig“ und Steffi Schluchter als rustikale Matrone „vo hingefüüre“.

Und auch hier gibt es den perfekten Übergang, folgt als nächstes doch der räppende BL-Schnitzelbangg „dr Heiri“ – und der hat natürlich auch zur Fusion den einen oder anderen Vers. So befürwortet er die Fusion der beiden Basel, habe doch auch das neue Affenhaus ein Aussengehege erhalten. Dafür gebe es in Buckten (Heimat des HD Läppli) tatsächlich eine Gartenbeiz, die um zehn Uhr noch offen haben dürfe.

Ein weiteres Element, um die Einzelnummern zu einem Ganzen zusammenwachsen zu lassen, ist der durch die ganze Vorstellung laufende Running Gag „E Drummle und e Piccolo“ – mehr soll hier wirklich nicht verraten werden…

Bei all dem Lob über die Text-Elemente soll nicht vergessen werden, auch dem musikalischen Teil das nötige und verdiente Lob zu zollen. Grossartig die bereits erwähnten „Seibi“, der jüngst verstorbene George Gruntz freut sich auf seiner Wolke sicher jeden Abend über das wunderschön vorgetragene „Ohremyggeli“. Und die „Seibi“ sind ein Musterbeispiel des Zusammenwachsens aller Fasnachts-Sparten: Sie treten nicht nur als Fasnachtsclique auf, sondern gleich noch als „Seibi-Strossebängg“ mit neun Sängern. Da sie in ihren Reihen auch noch eine Stimmungsgruppe haben, wäre sogar ein Auftritt als Mini-Gugge denkbar gewesen. Diese Charge ist am Charivari aber anders besetzt: optisch und akustisch ein Total-Genuss sind die „Schränz-Gritte“.
Und alles toppend im musikalischen Bereich ist die Charivari-Pfyffergruppe, etwa mit dem Briehlmann-Oldie „Dr Jeeger“. Im zweiten Teil verführen die Pfeifer-Primadonnen als verrückte Hühner in einem von Michael Robertson arrangierten Schlager-Medley zwischen „Kleinem grünen Kaktus“ und Kriminaltango zum Mitsummen. Ebenfalls ein Genuss die Drumline der Grey Coats.
Viel Aufhebens wurde im Vorfeld um die „Promi-Nummer“ gemacht. Auch hier soll der Genuss nicht durch Verraten zu vieler Details geschmälert werden. Nur so viel: Allzu stark unterscheidet sich die Ausgabe 2013 nicht von derjenigen des Vorjahres. Und ein Tipp: Man sollte sich diesen Teil nicht mit den hohen Erwartungen ansehen, welche die Macher im Vorfeld medial geschürt haben. Vielleicht wächst ja da noch was heran im Laufe der Vorstellungen.
Bereits zusammen gewachsen sind Ensemble und Publikum im Rahmenstück „Dr glay Gränzverkehr“. Die Kunden (traumhaft Bernadette Brack und Niggi Reiniger als sich schämende Basler Währungsprofiteure) im grenznahen Einkaufscenter – den Namen verraten wir nicht, ist besser oder lieber… – agieren mitten in den Zuschauerreihen, was je nach „Opfer“ noch die eine oder andere überraschende Pointe hervorbringen dürfte.
Die Charivari-Männli (dieses Jahr als Trio) mit einem (zusammen-)wachsenden musikalischen Potpourri aus Clique, Gugge, Starpfeifern etc – es erinnert an die Schlussparade beim Basel Tattoo – entlassen das Publikum in die nahende Fasnacht – und nach diesem Charivari ist die Lust nach den „scheenschte drey Dääg“ sicher noch gewachsen.

Das Glaibasler Charivari 2013 findet täglich vom Samstag, 19. Januar bis Samstag, 2. Februar im Volkshaus Basel statt. Vorstellungsbeginn ist jeweils 20.00 (Sonntag 18.00). Es sind bereits über 90% der Tickets verkauft, letzte Tickets gibt es im Basel Tattoo Shop an der Schneidergasse in Basel, telefonisch unter 061 266 1000, an allen Ticketcorner Verkaufsstellen und täglich an der Abendkasse im Volkshaus, die jeweils zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn geöffnet hat.

Mehr Bilder von der Premiere findest Du in der Charivari 2013 Galerie.