Das Motto der Basler Fasnacht 2013 widerspiegelt in verschiedenen Facetten auch Programmpunkte des diesjährigen „Pfyfferli“ und die Landschaftler und deren Volksvertreter wurden so richtig aufs Korn genommen. Es verwundert daher auch nicht, dass sich beinahe die gesamte Basellandschaftliche Regierung im Fauteuil einfand, um der Premiere beizuwohnen. Daneben fehlte aber auch die Polit- und Kulturprominenz aus dem Stadtkanton nicht. Alle durften sich an einer gelungenen Vorstellung erfreuen.
Im Prolog machte sich Caroline Rasser in den Sommermonaten noch Sorgen, ob man bis zum Premieretermin gute Texte, geeignete Lieder und ein flüssiges Programm auf die Beine stellen kann. Sie appellierte daher vehement an die Texter, sich mehrere Gliedmassen auszureissen,, und versuchte, ihre Schauspielkolleginnen und Kollegen zu motivieren, trotz fehlender Fasnachtsstimmung ein „Pfyfferli“ zu arrangieren, welches die Vorfreude auf „die drey scheenschte Daag“ in den Theatersaal zaubern kann. Dass die Themenvielfalt, welche sich für die Verarbeitung eignen, enorm ist, zeigte sich in den folgenden Nummern.
Als fasnachtsmusikalischen Einstieg brachte die Pfeiffergruppe den „Rhysprung“, der aus der Feder von Thomas Heid stammt. Alsdann hatte Peter Richner einen seiner Auftritte und es waren tolle Texte, welche Walo Niedermann aufs Papier gebracht hatte. Peter Richner seinerseits hatte an diesem Premiereabend jedoch mehrfach Mühe, sich an die guten Zeilen zu erinnern und so dufte sich die Souffleuse einige Male ins Szene setzten, resp. ihm verbal unter die Arme greifen. Das Publikum indes verzieh ihm die kleinen Aussetzer und in seiner charmanten Art fügte er sich immer wieder in seine Rolle ein.
Die Sonne und der Mond, sowie ein Hundesalon spielten in den nächsten beiden Nummern die Hauptrolle. Während sich Peter Richner als Mond und Colette Greder als Sonne über die besten Plätze beim Morgenstreich stritten, philosophierten Salomé Jantz und Caroline Rasser mit ihrem kahl geschorenen Zwergbernhardiner namens „Alain“ über plastische Chirurgie und deren Folgen.
„Ohni mi“ hiess es dann bei der Gegenwartsbewältigung. Die Gepflogenheit an der heutigen Fasnacht musste hierbei harsche Kritik von Gilles Tschudi einstecken. Bravurös vorgetragen!
Als „Premierebangg“ standen in diesem Jahr erneut „die Verschiffte“ auf der Bühne. Dies jedoch wiederum verkleidet oder anders formuliert ohne Larve und in Badener Dialekt. Stimmlich haben sie wie gewohnt überzeugt, jedoch musste sich der musikalische Leiter am Piano Arth Paul sehr konzentrieren,, um die individuellen Rhythmen der drei „Schnitzelbänggeler“ folgen zu können.
„Dr Narrarabaschi“ eine innovative Steigerung des „Arabi“, bei welchem die trommlerische Handschrift von Ivan Kim klar herauszuhören war, erfreute anschliessend das Publikum. Klasse!
Beim „E Deyfelsding“ vom Pfyfferliensemble, dem nebst den bereits erwähnten auch noch Roland Herrmann angehört, begaben sich die Schauspieler und die Zuseher in die Unterwelt, wo die mürbe Finanzwelt thematisiert worden ist und man schliesslich zur Erkenntnis kam, dass zu wenig böse Menschen in die Hölle fahren. Leider waren die Texte, welche von Karl Schweizer stammen, akustisch nicht immer gut verständlich, vornehmlich bei den musikalischen Nummern.
Im zweiten Teil zog es die Mannschaft auf die Weltmeere, auf welchem Piraten eine neue Partei gründeten und ein Papagei ebenfalls stetig seinen Senf dazu gab. Passend dazu spielten die Pfeiffer und Tambouren „Fluch der Karibik“ Jack Sparrow hätte seine helle Freude gehabt.
Eine sehr schöne Nummer folgte danach mit dem Titel „ vo Schönebuech e Rammel“. Alleine für diese hat es sich für die Landschäftler gelohnt sich das „Pfyfferli 2013“ anzusehen.
Colette Greder hatte anschliessend ihren grossen Auftritt. Im glänzenden „Bläzzlibajass“ sang sie in ihrer unnachahmligen Art „s Rampeliecht“ und erntete tosenden Applaus. Ein Höhepunkt!
Beim zweiten „Schnitzelbangg“ handelte es sich um „Peperoni“. Er blieb seinem Ruf nichts schuldig und sorgte wie gewohnt für Lacher mit seinen pointierten Versen.
In seinem letzten Monolog machte Peter Richner ein „Ränking-Spiil“ wobei er die Basellandschaftler als Tripple A sprich AAA oder „anders artigi Aidgenosse“ bezeichnete und er für sie sogleich auch noch als Dolmetscher fungierte: „Schmeggiwasser = Parfüm! fir d Ländler“. Auch André Auderset bekam ein „Ränking“ „3 Mool verschregge während em Waalkampf“.
Wirtschaftskunde im Kinderzimmer. Hierbei konnte man lernen, dass man mit kalkulierten Risiko sicherlich einen Kaugummi gewinnen kann. Ein Klamauk aus der Feder von Charles Lewinsky, welcher grossen Spass bringt. Ein Schwungvoller „Monty“ wiederum hervorragend vorgetragen, führte die Premierenbesucherinnen und –besucher an den Epilog. Hier wurde Resümee gezogen und erkannt, dass man sich im Sommer vergebens Sorgen wegen des bevorstehenden „Pfyfferli 2013“ gemacht hat. „Wie allewyyl, het alles glabbt!“
Dieser Aussage stimmte auch das Publikum zu. Das Ensemble und die Verantwortlichen hinter den Kulissen wurden mit minutenlangen Ovationen bedacht und berechtigter Weise gefeiert.
Resümieren kann auch ich. Das „Pfyfferli 2013“ ist ein hervorragender Jahrgang. Die vereinzelten nicht ganz sitzenden Textzeilen oder die noch nicht vollständig synchronen Tanzschritte, werden durch viel Charme, Gefühl, Freude und Witz wettgemacht und wie der Dramaturgie-Verantwortliche Rolf Lansky anlässlich der Presseorientierung verlauten liess: eigentlich müsste man das Programm zu einem frühen Zeitpunkt und anschliessen bei einer der letzten Vorstellung besuchen, um die Entwicklung des Stücks zu erleben.
Dies dürft sich jedoch als schwierig, wenn nicht unmöglich darstellen, da sämtliche Vorstellungen bereits restlos ausverkauft sind. Denjenigen, welche sich ein Billett ergattern konnten, wünsche ich viel Vergnügen und ich kann ihnen versprechen, sie werden es haben, nicht nur wenn sie Landschäftler sind!
Mehr Bilder von der Premiere findest Du in der Pfyfferli 2013 Galerie.



