Es glitzert und funkelt im „Räppliräge“ – so der Titel des Ridicule, das 2013 deutlich musik-lastiger daherkommt als bislang. Helmut Förnbacher und seinem Team ist es erneut gelungen, eine stimmungsvolle Vorfasnachtsveranstaltung mit leisen Tönen und dezenten Farben, aber auch mit knalligen Pointen auf die Bühne im Badischen Bahnhof zu bringen. Höhepunkt des diesjährigen Ridicule ist der auch im hohen Alter grandios bissige Carl Miville. Erstmals gibt es einen Stargast: der Liedermacher Markus Heiniger war mit einem durchzogenen Programm etwas gar präsent.
Die Stärken des Ridicule 2013 liegen eindeutig im musikalischen Bereich – aber es sind grandiose Stärken. Im Piccolo-Bereich brilliert eine Gruppe unter musikalischer Leitung von Michèle Zeggari mit traumhaften Nummern. So werden auch die Anfänger-Märsche Aeschlemer und Arabi zu pretiosen, speziell wenn sie – wie im zweiten Fall mit Ohrwürmern von Cheb Khaled und Mani Matter (dr Sidi-abdel…) vermengt werden und die Pfeiferinnen dabei einen Hüftschwung zum besten geben, der auch abgebrühte Scheichs begeistern würde. Mit perfekt synchronen Trommelschlägen stehen die Tambouren von pianoforte unter Leitung von Nicola Dreier ihren Kolleginnen in nichts nach. Gespenstisch gut vor allem die düstere Nummer mit Plastik-Atomfässern.
Erstaunlicherweise gab es im ersten Teil mit Ausnahme des erfrischend kurzen Prologs und der Balkonszene keine einzige reine Textnummer. Ein Höhepunkt in diesem Bereich bringt dafür kurz vor Schluss das Trio Sandra Förnbacher, Hanspeter Stoll und Victor Behounek unter dem Titel „Kunnsch Du no druss?“ auf die Bühnenbretter. So viel Wortwitz zu so vielen Themen war noch selten. Ein kleines Müsterchen: „Traumma“ und „Trauma“ unterscheiden sich nur durch ein „M“. Auch die Balkonszenen waren meist lustig, deutlich kürzer als auch schon (was gut ist) und mit textsicheren „Damen“ Stoll und Helmut Förnbacher (was auch schon anders war).
Nach der Pause kam dann ein Monster-Textstück und das absolute Highlight des Abends: Die Sujetliste von Carl Miville. Mit 92 Jahren gab er – wie Förnbacher bedauerte – zum letzten Mal seine unnachahmlichen Verse zum besten. Hoffnung bleibt aber, denn den Spruch, Joopi Heesters sei doch mit über 100 noch aufgetreten, quittierte der rüstige Alt-Ständerat mit einem schelmischen Schmunzeln.
Während andere Vorfasnachtsveranstaltungen traditionell immer einen Stargast haben, war dies bislang beim Ridicule – ausser dem erwähnten Miville – nicht der Fall. Doch nun kann auch Förnbacher einen solchen Gast anbieten. Es ist der Basler Liedermacher Markus Heiniger. Er hatte viel „Eiszeit“, wie man im Eishockey sagen würde – und weniger wäre mehr gewesen. Die Qualität streute etwas; einige Nummern waren hochklassig wie seine Schüttelreime oder die sensationelle Überarbeitung von „Z Basel an mym Rhy“, andere – wie die Dame neben mir zu Recht anmerkte – eher fürs Kinder-Charivari geeignet, und im Fall einer Klima-Nummer mit dem sattsam bekannten Eisbär auf der Eisscholle eher peinlich.
Diese kleinen Kritikpunkte sollen aber den mehr als nur positiven Gesamteindruck in keiner Weise schmälern. Und wir wollen ganz dem Diktat von Erich Kästner nachleben und mit drei überaus positiven Darbietungen schliessen: Der Schnitzelbank „Glettyse“ ist zweifellos kein junger Hüpfe mehr, aber ein sehr routinierter und immer überraschender „Bangg“ mit Super-Pointen über die Schweizer Schi-Hinterherfahrer und die Finger Hitzfelds. Victor Behounek brilliert mit den verschiedendsten Pfeif-Instrumenten und die „Moving sticks“ von pianoforte waren ein echter Augenschmaus.
Zum Schluss noch ein wichtiger Tipp: Es hat noch Tickets – und diese Gelegenheit für einen ebenso romantischen wie spritzig-witzigen Abend sollte man sich nicht entgehen lassen. Dies vor allem für den Fall, dass es tatsächlich das letzte Ridicule mit Carl Miville gewesen sein sollte…
Mehr Bilder von der Premiere findest Du in der Ridicule 2013 Galerie.
S’Ridicule 2013. Förnbacher Theater im Badischen Bahnhof. Premiere 4. Januar, Derniere 9. Februar 2013. Weitere Vorstellung 5., 6., 13., 16., 19., 24., 25., 26. und 30. Januar sowie 1., 2., 3., 7. und 8. Februar, jeweils abends um 20.00 Uhr und sonntags um 18.00 Uhr. Vorverkauf im Theater selbst (Tel. 061 361 90 33, E-Mail: info@foernbacher.ch) und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Informationen: www.foernbacher.ch.



