„I have a Dream“. Basel Tattoo brilliert mit musikalischer Vielfalt

14. Juli 2012 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Ein Traum wird wahr. Nicht nur für den kleinen Jonathan Kionke aus Luzern, welcher die siebte Auflage des Basel Tattoo mit dem ABBA-Hit „I have a Dream“ eröffnen durfte. Auch für die Verantwortlichen der Grossveranstaltung war der Alptraum ausgeträumt, stand die Durchführung doch lange auf wackeligen Beinen. Das Basel Tattoo 2012 konnte doch noch wie geplant mit der Premierenvorstellung am 13. Juli starten und es war wiederum traumhaft schön.

Nach den kindlichen Klängen, welche durch die Swiss Army Strings & Rhythm Section unter der Leitung von Major Christoph Walter, musikalisch unterstützt worden sind, folgte der Einmarsch der Massed Pipes and Drums. Wie immer ein Highlight. Das Tattoo war nun so richtig lanciert. Die Dudelsackbläser und Drummer warteten hierbei mit Stücken wie The Meeting of the Water, The Highland Cradle Song, Hot Punch, The Newly Rigged Ship, aber auch mit Volkstümlichem wie Lueged vo Bärg und Tal auf. Die Formation, die sich aus Protagonisten aus 5 Ländern zusammensetzte, brachte den so gewünschten Gänsehauteffekt auf das Kasernenareal.

Die Band of Flutes and Drums & Drill Team of The Life Guards aus Dänemark setzte sich in der Folge ins Szene. Mit der Basler Fanfare 2012 zogen sie das Publikum in ihren Bann und leiteten mit Pfeiffer und Tambourenklängen zum Drill Team über, welches im Rhythmus ihre Formationsparade in höchster Präzision vorführten.

Erstmals waren an der diesjährigen Basel Tattoo Ausgabe Russische Militärbands mit dabei. Den Anfang machte hierbei das Präsidialorchester des Dienstes des Kommandanten des Moskauer Kremls. Die dargebotenen russischen Märsche der in weissen Galauniformen gekleideten Soldaten waren absolut professionell. Ein Raunen ging durch die Zuschauer, als sich zu den Musikern auch noch der Föderale Schutzdienst der Russischen Föderation gesellte und in zackigem Marsch, wie man es nur von Paraden aus dem Fernsehen kennt, über den Basler Kasernenplatz exerzierten. Die Beine hüfthoch schwingend, so dass sich nur schon vom Hinschauen mein Bandscheibenvorfall bemerkbar macht. Faszinierend.

Alsdann wurde es mystisch mit den Aisa Craig Highland Dancers, begleitet durch das Swiss Army Strings and Rythem Section. Die Beleuchtung in schummrigem Grün gehalten, war die perfekte Inszenierung für die tänzerische Darbietung der 27 jungen Damen und einem jungen Herrn. Der Solopiper Captain Stuart Samson und der Soloflötist Skip Healy sorgten mit ihrem Zutun zusätzlich für traumhafte Stimmung.

Einen schwungvollen Auftritt hatten als Abschluss des ersten Teils des Programms die Conscript Band of the Finnish Defence Forces. Die erstmals in Basel teilnehmenden Finnen begeisterten mit toller Musik, wobei das Posaunensolo von Captain Sami Hannula hervorzuheben ist. Rockig wurde es auch noch. Die Band wurde mit einem Schlagzeuger, einem E-Gitarristen und drei Geigern unterstützt, und ein Duett heizte dem Premierenpublikum so richtig ein.

Amerikanisch wurde es beim nächsten Programmpunkt. Die Middlesex County Volunteers Fifes & Drums aus Bosten in ihren traditionellen Kostümen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gastieren bereits zum zweiten Mal am Basel Tattoo. Nicht unbegründet, wie sich erneut zeigte, sind sie doch in der Lage, Fife and Drums in R’h’einkultur darzubieten. In ihrem Auftritt fanden Stücke wie Mouth of the Taique, Beggar Man, Black Cat und Lakes of Ponchatrain Aufnahme. Die Formation wurde durch einige Virtuosen aus Basel unterstützt und so verwundert es auch nicht, dass sie ihre technisch sehr anspruchsvolle und präzise ausgeführte Darbietung mit dem Wettsteinmarsch beschlossen.

Den weitesten Anreiseweg nach Basel hatten wiederum das Lochiel Marching Drill Team und die New Zealand Army Band. Das Drill Team, welches ausnahmslos aus Frauen besteht, begeisterte das Basler Publikum bereits im 2007 mit ihrem Kunstsport. Die Faszination der Synchronität von Bewegungsabläufen vermochte auch in diesem Jahr zu begeistern.

Die Militärmusik Rekrutenschule 16-1/2012 der Schweizer Armee unter der Leitung von Hautmann Bernhard Meier und Stabsadjutant Philipp Rütsche unterstrich erneut, dass wir in der Schweiz hervorragende junge Musiker haben. Mit der Titelmusik aus dem Film Superman, starteten sie ihren Auftritt, gefolgt vom Phil Collins Song Easy Lover. Das in Basler Fasnachtskreisen bestens bekannte „s’Läggerli“ wurde alsdann auf neue Art inszeniert. Ein Läggerli! Dass die Besten jungen Tambouren der Schweiz zugegen waren, wurde beim folgenden Trommelsolo deutlich. Eine Darbietung, welche viel Beifall erntete.

Das Zentralorchester des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation unter der Leitung von General Valery Khailov, brachte erneut fremde jedoch keineswegs steife Klänge in die Tattoo Arena. Mit dem Triumphmarsch und Ausschnitten der Symphonien Nr. 4 und Nr. 5 bewiesen die Musiker, dass sie zur Elite ihres musikalischen Fachs gehören. Höhepunkt dieses Auftritts war eine Solistin, welche das Ave Maria in brillanter Manier sang.

Aus dem Land des Lächelns reisten die A.I.T. Meden High School Band an. Katzenhaft schlichen die jungen Musiker/Innen über das Kasernenparkett, passend zum Rhythmus ihrer Klänge. Während sie „Thriller“ von Michael Jackson proformten, tanzten sie gleichzeitig in gleicher Art, wie man es aus dem Video kennt. Hervorragend umgesetzt. Mit eingebunden wurde auch das Publikum als sie Smoke on the Water von Deep Purple anstimmten und der Funke sprang über. Dieser Funke blieb weiter bestehen, sympathisch, melancholisch und bis zu Tränen rührend sangen sie zum Abschluss als Chor „Comos“.

Die New Zealand Army Band, von Neuseeland hatte jetzt seinen Auftritt. Mit lautem Geschreie, welches man vornehmlich anlässlich von Rugby-Spielen der „All Blacks“ kennt begrüssten sie das Publikum erneut und dieses war hell begeistert vom Dargebotenen. Mit Ausschnitten aus Willhelm Tell, Sing Sing Sing, Haka, World in Union, Mambo Cailente oder River Deep Montain High sorgten sich für einen fulminanten Musikgenuss.

In der ganzen Welt bekannt, in Basel zu Hause! Nicht nur Roger Federer, nein, hier ist das Top Secret Drum Corps gemeint. Gespannt war man auf die neuerliche Darbietung der Spitzentambouren nach 3 jähriger Abstinenz am Basel Tattoo. Die Vorschusslorbeeren in Form von tosendem Begrüssungsapplaus wurden sie jedoch unbestritten gerecht. In atemberaubender Geschwindigkeit und höchster Genauigkeit, vermochten die Schlagvirtuosen das Premierenpublikum erneut zu begeistern. Ein krönender Abschluss eines rundum gelungenen Programms.

Das Finale mit allen Blasmusikorchestern, den Massed Pipes and Drums, dem Basel Tattoo Chor und den Solisten, stand wiederum unter der Musikalischen Leitung von Major Christoph Walter und General Valery Khalilov. Mit der Hymne des Basler Tattoo „Celtic Crest“ sowie Goodbye My Love Goodbye, I Have a Dream / Chiquitita und Killaloe, schloss sich der klangvolle Reigen des Jahrgangs 2012. Der Einmarsch der restlichen Protagonisten vervollständigte das Bild und rundete das Finale ab. Mit der Schweizer Nationalhymne und dem einsamen Piper auf dem Kasernenturm, welcher nochmals für Gänsehaut sorgte, schloss das Basel Tattoo.