Einen Traum von Cortège durften die Aktiven am Fasnachts-Montag erleben. Entsprechend dicht gedrängt waren denn auch die Reihen der Zuschauer. Die Sujets hatten nach der völlig subjektiven Empfindung des Chronisten – und natürlich abhängig von seinem Standort – zwei Schwergewichte: Sex und das liebe Geld. Von beidem gibt es nach Ansicht der Fasnächtler eher zu wenig. Aber auch ganz kleine – und trotzem feine – Themen wurden ausgespielt. Nachfolgend eine – eben: sehr subjektive – Auswahl:
Dass Sex an der Basler Fasnacht im Gegensatz zu ähnlichen Veranstaltungen weiter nördlich oder östlich (ja waaaa) nichts zu suchen habe, stimmt nur noch bedingt, wenn man den Cortège anschaut. Puren Sex versprüht etwa der Stamm der Spezi, die ein gut besuchtes Lotterbett mitführen und schon fast verboten erotisch daherkommen. Nicht verstecken müssen sich auch die Basler Amazone, die als Piratinnen daherkommen
Mit dem Sex-Millieu beschäftigen sich sowohl die Gillerugger wie die Kloschterräbe – sehr sexy, die „Damen“ -, genauer gesagt mit der älteren Dame, die von ihrer Dachterrasse aus resolut die „Drottwaar-Amsle“ in der Ochsen- und Webergasse nass machte. Auch die Glaybasler Schränzbrieder widmen unter dem Sujet „Mir bringe dr Martha dr Schluuch zrugg“ der rüstigen Selbsthelferin ein Kränzlein und reimen auf dem Zeedel:
Jeedes Moll, wenn s unde duet iberborde
Isch vo obe e bizzeli gräägnet worde
D Daame dert unde schittle wietig ihri Täsche
Sie hayge sich doch erscht letscht Monet gwäsche
Doch d Martha hett numme härzhaft glacht
Und ebbe so härzhaft wytergmacht
Das zweite Dauer-Sujet ist das liebe Geld mit den Spielarten Euro, Griechenland, Baselland – und was es an finanziellen Sahel-Zonen noch so alles gibt. So kommen die BMG Runzle als Banntags-Zug daher, und man liest am Rücken des Tambourmajors: „El Condor pasa – dr Plaitegaier vo Lieschtel“. Die Basler Zepf Ziri verteilen nur einen „Spaarzeedel“, während der Zeedel der Pfützeschlugger mit „Akropolis mon dieu“ überschrieben ist.
Apropos Zeedel: Nicht nur beim Inhalt, auch in der Form lässt man sich was einfallen. Die Rippezwigger haben ihn als Prospekt eines Supermarkts kreiert, unter dem morbiden Motto „Stirb jetzt, zahl speter“ findet man Werbung für einen neuen Bundesrat (Neyi Berset kehre guet) und mit dem Foto von Grübel für Sofortkredite:
Dr Owald het em Käspi gsait
in London nutzt ain d Glägehait
zem s Kundegäld z verschängge
Dä kennt doch au an uns dängge
Der Zeedel der Optimischte kommt im Querformat daher und erwähnt das Sujet in Versalien:
Fir d Grieche isch kai Grut geboore
Es git kai Leesig, wyt und brait
Me sett si aifach lo verschmoore
im aigne Saft. MER HÄNNS JO GSAIT
Mit einem besonderen „Saich“ beschäftigen sich die Knochestampfer Waggis unter dem Sujet „Es stinggt ys z Basel“ und die Runzlebieger, die auf der Laterne die „Gelben Flüsse“ in Basels Gassen sehr drastisch darstellen und dazu reimen:
Hesch uf dr Bloose e gwisse Drugg
schiffsch ganz aifach an e Wand undr dr Brugg
und wenn s dir z wiit isch dert ahne z go
duesch grad wo de bisch di Wasser lo
liggt das ächtsch am Ur-Instinggt
dass vill nit wisse dass dr Urin stinggt?
Da will man vieles doch lieber durch eine rosa Brille sehen – womit die Gugge Stachelbeeri als Pink Panthers gerade recht kommt. Ebenso „härzig“ die Jungen der Rootsherre als Schlümpfe. Und die Schränz-Gritte als Panzerknacker – natürlich in orange.
Wie oft sehr speziell kommt der Stamm der Basler Bebbi daher, dieses Jahr als „Bebbi 2.o – in HD Full“ mit IPads auf dem Kopf und einem Zeedel in Facebook-Art. In unmittelbarer Nähe haben wir auch deren Alte Garde gefunden, die den Baselbietern „Ça suffit alors“ zurufen und auf dem Zeedel präzisieren:
Es isch e Lafri-Verain
ärnscht nääh kasch vo dääne kain.
Si dräume vo dr Hülfteschanz
doo z’Basel intressierts kai Schwanz
Ihr schlöön uns immer meeh uff’s Gmiet
Ihr Spar-Büffel vom Baselbiet.
Es wären noch viele zu nennen im grossen und farbenfrohen Zug, der sich diesen Nachmittag durch die Stadt zog. Etwa die Alte Garde des CCB, die sich der Parteien annahm und die Abkürzungen eigenwillig interpretierte – so bei der CVP: Chörli vom Papscht. Oder die Gundeli Gniesser mit einem täuschend echten Mörgeli als Tambourmajor. Und auch Die versoffene Deecht wollen wir nicht vergessen, deren Damen knapp vor der Fasnacht noch einen Kurs im Krawattenbinden absolvierten und unter dem Sujet „Zyt fir e Pause“ einen Zeedel verteilten, den man sich mit Schere und Kleister zum Würfel formen konnte.
Aber der Chronist will sich wieder ins Getümmel werfen. Darum ist es das für den Moment – mehr Eindrücke gibt es morgen. E SCHEENE ZÄMME!
Mehr Bilder gibt es wie immer in unserer Galerie.



