Mit der Mimösli-Premiere öffnete am 12. Januar im Häbse-Theater eine weitere Vorfasnachtsveranstaltung ihre Pforten. „S gross Gschnäder“ war derweil nicht aus dem Publikum zu hören sondern beschränkte sich auf die Rahmenstücke des Ensembles. Das diesjährige Mimösli besticht mit bissigen Kommentaren, hervorragenden pfeiferisch und trommlerischen Darbietungen, einer ausgefallenen Kombination aus Rhythmus und Breakdance, treffenden „Bängglerpointen“ einer tattooträchtigen Guggemuusig und als krönenden Abschluss und Höhepunkt mit einem Geigenvirtuosen, welcher den Theatersaal zum beben brachte. Das Mimösli 2012, ein „Schmankerl“ für alle Freunde der fasnachtlichen Musikvielfalt.
Die Eröffnungsnummer des Mimösli-Ensembles bewegt sich in einem Vogelnest, woraus ein verbaler Rundumschlag an die Baselstädtische Regierung lanciert worden ist. Ein Jahresrückblick der etwas bissigeren Art, in welchem verschiedenen Departementsvorsteher ihre Federn lassen müssen. Revue passieren liessen Hans Jörg „Häbse“ Hersberger und seine Schauspielerkollegen/Innen auch das Basler Jahr und thematisierten alles was unsere Medien eine Schlagzeile wert war.
Den musikalischen Reigen beginnen die Pfeifergruppe „d Hofnarre“ unter der Leitung von Charly Janser. In lustige Flamencokostüme gehüllt oder als Matador gekleidet trällern sie mit Pianounterstützung einen schwungvollen „spanische Marsch“. Ein Auftakt der Lust auf mehr macht.
Die Trommelformation „stickStoff“ wartete in der Folge mit dem technisch hochstehenden „Ice Power“ auf. Die frostigen Hintergrundbilder und ihre Montur als Inuit versetzte das Publikum in die Antarktis, warm wurde diesem aber beim Beobachten der präzisen Streiche.
Das Ensemble befand sich im nächsten Programmpunkt auf dem Marktplatz. Eine unbewilligte Demonstration von aufgebrachten Kleingartenbesitzern, führte zu Konfusionen und rief bald die Polizei sowie Berufsaktivisten auf den Plan. Eine gelungene Aufarbeitung und Darstellung der Hilflosigkeit unserer Staatsdiener und deren Verantwortungsträgern.
Für den nächsten Programmpunkt haben „d Hofnarre“ und „stickStoff“ zusammengespannt. Als „Pumuckels“ kostümiert wurde „dr Luuser“ rassig vorgetragen.
Alsdann standen „s Bangg-Ghaimis“ als erster Schnitzelbangg vor dem Vorhang. Wie gewohnt in gesanglicher Harmonie stimmten sie in ihre Verse ein und wussten mit ihren treffenden Pointen zu gefallen.
„An dr Buvette“ war Schauplatz des nächsten Rahmenstücks. Das Bewilligungsprozedere, die nicht enden wollende Diskussion über die Fumoirs, Brücken die abgerissen werden sollten, sowie Lärmbelästigungen durch Grossveranstaltungen in unserer Stadt waren einige Inhalte.
Als letzter Programmpunkt vor der Pause folgte die obligate Guggemuusig. In diesem Jahr präsentierten sich, erstmals ausserhalb der drei Fasnachtstage, die ehrenwerte Fasnachtsgesellschaft „Highlander Basel“. Aus der Feder der schwedischen Kultgruppe ABBA stammend, bliesen die 7 Dudelsäcke zum Auftakt den „Arrivel“ und wurden hierbei von der Drummformation unterstützt, währenddem die restlichen Musiker den Saal hinab auf die Bühne schritten. Es folgte ein klassischer und rassig vorgetragener „St. Carlo“, bevor ein einzelner Tambour zum allseits beliebten „Highland Cathedral“ anstimmte und das Premierenpublikum in Hühnerhautstimmung versetzten konnte. Ein wirklich gelungener Aufritt, welcher dem Häbse-Theater ein wenig Tattoo-Feeling bescherte und von den Gästen kräftig beklatscht wurde.
Der Auftakt zum zweiten Teil durften wiederum die Pfeifer- und Tambourengruppe mit einem wunderschönen „Regimäntsdochter“ machen.
Am Basler Grenzübergang zum Euroraum fand sich in der Folge das Ensemble wieder. Eine Persiflage über die Einkaufsgepflogenheiten der Basler wegen des tiefen Eurokurses führte zu witzigen Begegnungen am Zoll. Die Schlusspointe war jedoch leider absehbar.
Eigens für das Mimösli arrangiert wurde ein „Westside Story“-Medley. „D Hofnarre“ bewiesen hierbei wiederum ihre virtuose Klasse und wussten mit diesem Programmpunkt mit klarem Wiedererkennungswert das Publikum zu begeistern.
Ein weiterer Höhepunkt folgte auf dem Fusse. Eine spannende Kombination aus Rhythmus und Tanz in Vollendung, brachten die „stickStoff“ im Zusammenspiel mit dem amtierenden Schweizer Meister im Breakdance auf die Bühne. Die Schlagkünstler, welche ihre Trommeln gegen Plastikpapierkörbe getauscht haben, überzeugten ihrerseits mit gekonnten Schlagvariationen, wobei ein Vergleich mit den „Top Secret“ hier erlaubt sein muß. Janick Zebrowski hat dabei in verblüffender Manier seinen Körper zu den Rhythmen bewegt und mit viel Akrobatik die Gäste immer wieder zu spontanen Beifallsbekundungen veranlasst. Ein toller Auftritt! Dieses Experiment ist gelungen.
Der letzte Schwank des Ensembles nimmt die Zuschauer mit ins Klassenzimmer, wo die Sexkoffer und -boxen für Kinder im Vorschulalter und Primarschüler geöffnet wurden. Den Sinn oder Unsinn diesbezüglicher Hilfsmittel oder des Sexualkundeunterrichts in dieser Altersklasse grundsätzlich, hat die illustere Runde unverblümt an den Pranger gestellt und bewusst die Frage in den Raum plaziert: Warum in Basel eigentlich immer zuerst?
„S spizzig Ryssblei“ als zweiter Bangg des Abends konnte auch in diesem Jahr mit seinen nicht zu erahnenden Schlusspointen punkten. Der gesamte Vortrag war dem Mimöslimotto „ai gross Gschnäder“ angepasst und der rote Faden, pardon! die gelbe Feder wurde immer wieder aufgenommen und weitergesponnen. Ein gelungener Auftritt, welcher vom Premierenpublikum mit entsprechenden Ovationen bedacht worden ist.
Mit der Verpflichtung des diesjährigen Stargastes ist Häbse Hersberger ein absoluter Supergriff geglückt. Der Geiger Egon Egemann brachte den Saal so richtig zum Kochen. Ein Feuerwerk der Virtuosität mit professioneller Unterstützung von Thomas Heid (Piccolo, Tenorsaxophon, irische Flöte), Stephan Felber, André Gärnter und Heinz Wirz wurde dabei gezündet. Langsam beginnend mit den 4 Jahreszeiten und dem Brandenburgerli, stieg bald die nächste Rakete mit „bei mir bist du schön“ gefolgt von gewitzt arrangierten Fasnachtsmärschen. Ein musikalisches Bouquet mit Melodien aus „Lord of the Dance“, ungarischer Volksmusik bis zu Titel von Michael Jackson, liess keine Wünsche offen und sorgte für prächtige Stimmung im Häbse-Theater. Einer der Höhepunkte war zudem das Schlagzeugsolo, welches in absoluter Dunkelheit mit Leuchtsticks vollzogen worden ist. Ein „Läckerli“ für Aug und Ohr. Die Beifallsstürme sorgten zwangsläufig für eine Zugabe. Ein grandioser Schlußpunkt eines abwechslungsreichen Abends.
Mit dem „Mimösliliedli“ verabschiedeten sich die Protagonisten H.J. Hersberger, Hedy Kaufmann, Nicole Loretan, Susanne Hueber, Carlos Amstutz, Maik van Epple und Michael Eckerle, vom Premierenpublikum, welches sich wiederum mit lang anhaltendem Applaus für das Gebotene bedankte. Ein rundum gelungene Premierenveranstaltung.
Mehr Bilder von der Mimösli Premiere gibt es wie immer in unserer Galerie.
MIMÖSLI 2012: „ai groß Gschnäder“. Vom 12. Januar bis 18 Februar täglich 19.30 Uhr, samstags und sonntags auch 14.30 Uhr im Häbse-Theater, Klingentalstrasse 79. Es sind noch einzelne Billette erhältlich.
www.haebse-theater.ch / www.ticketportal.ch oder via Kasse: +41 61 691 44 46.



