„Gisch du miir, so giib ych diir“. Unter diesem Motto fand zum ersten Mal in der Riehener Dorfkirche eine Gottesdienstliche Feier statt. Während einer Stunde wurde gesungen, gepfiffen, „schnitzelbängglet“, gereimt, gebetet und schliesslich gesegnet. Alles auf der Suche nach einem geeigneten „Ladärnesprichli“.
Jürg Jösslin, welcher sich während 20 Jahre für den Fasnachtgottesdienst in der offenen Kirche Elisabethen, jeweils am Sonntag vor Morgestraich, verantwortlich zeigte, hat nun in der Dorfkirche in Riehen wiederum eine fasnachtliche Andacht inszeniert. In Zusammenarbeit Christel Förch-Jösslin und Marinette Oeggerli sowie mit Sigrist Christan Maxinesi und Pfarrer Dan Holder entstand ein überaus kurzweiliger Kirchengang.
Den Prolog gestalteten die drei Erstgenannten und stellten bei der Enthüllung der neune Laterne fest, dass diese unvollständig ist. Es fehlten die „Ladärnevärsli“ und „e Latärne ooni Värsli, isch wie d Liebi ooni Härz“. Zudem wurde erkannt, dass man sich ja in einer Kirche befindet und hier einige Regeln zu beachten sind. So gehört es sich, dass man die Gäste zuerst standesgemäss begrüsst und dies aus dem Mund eines Geistlichen und nicht einfach so losdichtet. So nahm Pfarrer Dan Holder sich dieser Aufgabe an und fügte nach dem ersten gemeinsamen Lied „This little Light of Mine“ (an der Orgel begleitet von Maho Sano) auch noch eine Kurzpredigt an. Hier stellte er fest, dass man das erste Lied doch eher versuchte zusammen zu singen… aber aller Anfang ist schwer und viele Gäste waren offenkundig keine Stammgäste in der Kirche. Die Predigt beinhaltete schliesslich, dass man wieder vermehrt teilen sollte, was auch das Motiv auf der grossen Laterne (gemalt von Rosa Lachenmeier) welches den Heiligen St. Martin zeigt, der seinen Umhang mit dem Schwert teilte. Zudem wies er darauf hin, dass auch Dankbarkeit täglich gelebt werden kann.
Marvin Lehmann trug alsdann s Värsi vom Morgestraich vor:
y freu mi uff e Moorgestraich wie uff e Schoggiweggli.
My Häärz schloot luut und d Gney sinn waich, y blang uff s Vierigleggli.
E Harlekin lauft d Stadt duuryy, stolz drait äär s Kopfladäärnli.
E Glygge stoot bim Minschter yy, e Waggis suecht sy Gäärnli.
No zwai Minute, denn goots loos, s macht nyt, dass d Laarve druggt.
Uff s Mool wird s dunggel in dr Strooss und d Stadt duet wie verruggt.
Es git e heerrlig s Duurenand vo Faarbe, Liecht und Döön.
bi uns im Fasnachtswunderland, wenn d Glygge duure göön.
Mit Drummle und Piccolo verzaubere si d Stadt.
Wiesoo isch es nit immer soo, so farbig, luut und glatt?
Y freu mi uff e Moorgestraich, uff Kääs- und Ziibelewaie.
Und wäär daas nit begryffe kaa, soll haim goo Duume draie.
Gemeinsam sang man in der Folge „Y heer wyt wäg e…“ Baseldeutscher Text zu der Melodie von Leonhard Cohen s „Halleluja“ und hier sangen alle mit, sodass bei den im Altarbereich sitzenden Pfeiferinnen aus Rührung doch das eine oder andere Tränchen über die Backen kullerten. Wirklich ergeifend.
Danach trug Simon Kopp d Kinderfasnacht vor:
Dr Zyschdig isch dr Kinderdaag, doo isch ebbis loos.
Scho mit em erschte Paukeschlaag, sinn alli uff der Strooss.
Bim Brunne zum Theaterblazz verdailt e Gugge Rääre.
dr Babbe schlebbt e Räpplisagg und zwoor e bsunders Schwääre.
D Mamme isch die gueti Fee, esoo wie s ganze Joor,
Bringt Schoggiweggli, waarme Tee und schtryychlet mr duur d Hoor.
S goot loos, es isch kai Symphonie, vyyl eender isch es Grach.
D Guggemuusig schränzt wie wild. Vo Wyterm höör y schwach
e Drummle und zwai Piccolo, y kenn die Melodie
sy spiile grad dr Rossignol, doo lauf y hindedryy.
Dr Zyschtig isch dr Kinderdaag, z Nacht schloof y säälig yy
und dreym vom Fasnachtswunderland und synere Melodie
Auch ein Schnitzelbangg fand den Weg nach Riehen und stand oben am Geländer des ersten Stocks. Treffender Weise war es dr Schyynhailig (Comité-Bangg), der passend gekleidet seine Zweizeiler gekonnt in die Kirche ergoss. Immer wieder ein Hochgenuss.
Nach der Fürbitte und dem Segen, durfte auch noch Lino Fischer den Vers zum Fasnachtsmittwuch vortragen:
Fasnachtsmittuch-Noomitdaag, Mimoose vo de Wääge,
grossi Glygge, Binggisziigli, d Stadt im Räpplisääge.
Schnitzelbänggler singe zNacht in Baize, zaige d Helge,
d Zyt vergoot, s wird Mitternacht, no daarfsch e blizzli schwelge.
Höörsch doo und deert e Piccolo im Gässli jubiliere,
d Mamme legt mer d Händsche aa, damit y nit muess friere.
No aimool isch dr Deyfel loos, e ruesst uss allne Gasse,
d Fasnacht goot em Ändi zue, me kaa s no nit rächt fasse.
Drei Daag lang Fasnachtswunderland, drei Daag lang Kinder syy,
drei Daag lang fyyre mitenand, s isch umme und verbyy.
Y freu my uff e Morgestraich, wenn s wiider Vieri schloot
und hoff will y mii so druff freu, dass es nimme soo lang goot!
Für die Fasnachtsmusik zeigten sich 14. Pfeiferinnen verantwortlich und wer sich in der Basler Fasnachtsszene etwas auskennt, sieht auf Grund der Namen, dass hier eine hochdekorierte Truppe gewonnen werden konnte. Cathrin Balmelli, Valeria Balmelli, Katrin Beck, Smadar Hill, Mirjam Hochstrasser, Charlotte Hunziger, Annika Juillard, Nicole Kim, Katrin Minder, Barbara Näf, Caroline Rüfenacht, Stephanie Schluchter, Ella Suter, Simone Weiss verzückten mit dem Wettsteinmarsch, em Spaalebäärg, em Glopfgaischt, z Basel an mym Rhy und schliesslich als absoluten Höhepunkt zusammen mit der Kirchenorgel (Maho Sano) ein wunderbares „Wenn s Martinsglöggli Vieri schloot„. Dies war gleichzeitig auch der Schlusspunkt unter einem äusserst kurzweiligen, stündigen Fasnachtsgottesdienst, der trotzdem alles beinhaltet, was die Besucher sich gewünscht hatten. Vor der Kirche wurden diese alsdann mit einem warmen Pfefferminzentee und Schoggeli in die Basler Fasnacht entlassen.
Eine feine Veranstaltung für Fasnächtler und Nichtfasnächtler, kurz und doch reich an wunderbaren Fasnachtsanekdoten, und obwohl kein Fasnachtsvärsli den Weg auf die neue Laterne gefunden hat, ging ihr doch noch ein Licht auf!
Unbedingt wiederholungswürdig…



