Gestern Abend traf sich – wie allewyyl am ersten Samstag nach der Fasnacht – nahezu tout Bâle im Theater Basel zum Schlussoobe der Comité Bängg. Zum letzten Mal zogen die 25 Bängg in ihren Versen alles durch den Kakao, was ihnen im Verlauf des letzten Jahres missfallen hat. Und da der Abend im Theater stattfindet ist natürlich immer wieder das Baselbieter Nein zur Theatersubvention ein beliebtes Thema.
Sinnigerweise mit den «Bergvagabunden» eröffnet in zünftiger Bergsteigertracht das «Luis Trenker-Gipfelsturmorchester» den Abend. Auf ihrer Standarte steht 103 Jahre SAC Sektion Spalenberg. Mit rassigem Sound unterhält es das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Theatersaal. Auch wenn natürlich an einem solchen Abend die Bänkler die Hauptpersonen sind, so kann sich auch das «Rahmenprogramm» sehen lassen. Neben den Gipfelstürmern begeistert auch das mit Dirigent auftretende grosse «B.F.O. Basler Fasnachts Orchester» durch einem bunten Melodienmix mit wunderschönen Piccolosoli. Mit vierzehn Pfeifern, vier Tambouren und einem Tambourmajor holten die «Lumpensammler» die Besucher aus der Pause zurück und verabschiedet sie am Schluss mit einem rassigen «Wettstaimarsch». Eine Glanzidee war es, das Rahmestück «Sage Si Epfel, oder sage Si Öpfel» aus dem Drummeli zu engagieren. Das Publikum dankt dafür mit tosendem Applaus.
Da Prosa an einem solchen Abend verpönt ist begrüsst Dieter Moor mit lustigen Versen das Publikum. Da seine Rede so begeistert, dass er immer wieder durch spontanen Beifall und laute Lachen unterbrochen wird sei sie hier ungekürzt angefügt:
S kunnt, zytlig wyt in Merz verschobe,
Als Fasnachtsschluss dr Bängglerobe.
Ych darf zem Loose und zem Gnaisse
Fir s Comité willkomme haisse.
Es het bi Publikum und Bängg
Wohrschynlig ebbe d Helfti, dängg,
Wo uf dr Landschaft ginschtig wohne
Und uf Theaterstiehl jetz throne.
Die mecht ych bsunders do begriesse:
Si solle ihre Sässel gniesse,
Au wenn dr greesser Dail drvo
Uf d Rächnig mues vo Basel go.
Dr Stedter zahlt jo gärn em Buur
Vo Zyt ze Zyt e bitz Kultur.
Wenn d Bängg s Theater jetz beschalle,
Wird s au en Art e Mehrzwägghalle.
Isch das e so de Rammel ächt,
Au sonige us Ammel, rächt?
Wie in dr Stadt und uf dr Landschaft
Me partnerschaftlig sich in d Hand schafft,
Wird uns dr hittig Bänggler-Raige
Mit syne Värs und Helge zaige,
Wenn Baselbieter Lybbeschwärde
Bi Schnitzelbängg zue Pointe wärde.
Dr Bänggler het als Wunderbsitz
D Begobig fir dr bsunder Witz.
Är het dr Sinn drfir, was fuul isch,
Au wenn s e Wort us grossem Muul isch.
So het die rote Zahle welle
Dr Ballmer no de Wahle zelle;
Dass d Lyt nit us de Sogge bringt,
Was als dä kotzig Brogge singt!
Am Jugendlauf z vyl Bier z verdaue
Probiert me däne Dier z verbaue;
Dr Pegoraro nimmt s dr Frohsinn,
Dass denn die Maischte gar nit ko sin.
Als Bangg kasch au dr Bader haue
Wo numme wot uf Hader baue.
So holt me d Sujet uf d Distanz
Vo hinde an dr Hülfteschanz.
Und offeriert s Theater willig
De Baselbieter vyl, vyl z billig.
Denn s wär jo, wenn me Ejch nit hät,
Dä Obe numme halb so nätt!
Doch dann gehört die Bühne den Bänklern. Und auch bei ihnen ist das Baselbieter Nein zum Theater ein beliebtes Thema. Deshalb wird auch, gegen das gedruckte Programm die Gasladärne vorgezogen, welche gleich zu Anfang verkündet
Mir hänn ys goopfergässe miesse duureringe
Noo däm Theater-Nai fir Eych no miesse z’singe.
Und dorum mache mir hüt zoobe das esoo:
Die wo vom Land sinn, solle jetzt schnäll uuse goo.
Mit dem Rauchverbot haben es d Schlyffstai und singen zur Melodie «Die kleine Kneipe in unserer Strasse»
Das glaine Fümoar byy uns in dr Strooss
Deert kasch no dampfe wie ne Vulkan, s’isch famoos.
Im glaine Fümoar sitze d’Raucher binenander
Und folge noo dis noo em Peter Alexander.
Der Hanslimaa wirft einen Blick über die Grenze nach Frankreich und hat dabei einen besonderen Wunsch
Dr Sarazzin bhauptet kurz und gnabb,
wäg der Türke schafft sich Dütschland ab!
Ych find die Uussaag gar nid schlächt,
jetz hoff y nur – er haig au rächt!
Und d Syydiaane blicken sogar über den Grossen Teich
D’Bollitigg vom Bresidänt
guttiere d’Amys nit.
Wär das demonschtriere will,
dringgt e Teeli mit.
Laider funggzioniert das z’Basel
mit em Morin nit,
sovyyl Tee wie d miestisch suffe,
macht kai Maage mit.
Ein «Neues Baseldeutsch Wörterbuch», welches im Herbst erschienen ist animiert d Stächpalme zu folgendem Vers
S macht Freud, das Basler Wörterbuech.
Männgmool find i, was i suech:
Statt Veegeli häissts Vöögeli, statt scheener schrybt me schööner.
Dr Kenner wird zum Könner und dr Denner glatt zum Döner.
Dass in der Schweiz die alten Traditionen wieder vermehrt hochgehalten werden, darüber freuen sich d Dootebainli
Me setzt in dr Schwyz jetz schwäär uff Dradition
Schwinge, Alphornbloose, Fondue, Jodeldoon
Raasemaie wird zer Haiet, uf em Balggong zichtisch Gaisse
Und bald soll d BaZ au wider Nazi-Zytig haisse.
Was ein gewisser Dr. Guttenberg in der Schweiz lernen könnte, das rapt in bekannter Art der Heiri
Dä von und zue, dä aadlig Schwoob: Dr Herr zue Guetebärg.
Dä isch doch in Sache Bschysse, beschtefalls e halbe Zwärg.
Karl Theodor wär so dumm bschysst, dä isch e riise Depp.
Ych empfiil Dir drum e Praktikum bi unserem Blatter Sepp.
Seinen Gitarristen verloren hat das Anggewegglimaitli. Aber zum Glück springt der von den Schlyffstai ein und intoniert das dazu gehörende «Hinter em Minschter»
Är isch im e Hooch gsi, är het d Chance paggt,
jetz sin aber d Uussichte nimm so intaggt,
will s iim wääge Stirm und Tornados im Bett,
d Karriere so zimlig verkachlet het.
Da sie schon 20 Jahre auf der Piste sind verstehen Schoofsuuri keineswegs nur «Bahnhof»
Suechsch am Bahnhof e Taxi, no bisch denne gstrooft :
zwai sinn am Schwätze, der dritti dä schlooft.
Der viert kennt der Wääg nit, der fimft het grad wee
Bim Bundesroot z Bärn kaasch jo s Glyyche au gsee.
Zu ihrem Jubiläum bekommen sie für beide zehn Jahre je einen Zinnbecher von Andreas «Dres» Nabholz überreicht.
Zum ersten Mal für die Comitébängg unterwegs ist der Stammtisch. Und dass er gute Verse hat beweist folgender
Ain e lai ka nit so dumm sy – hämmer alli gleert
das isch zum Byspyl au bim Merz nit unbedingt verkeert
das gilt au für d Frau Calmy Ree – mir saagere nur Calmy
dye muess bestimmt zwai Brieder ha dr Salvi und dr Almi
Man fragt sich wirklich: Blickt dr Spitzbueb wohl zeitlich schon voraus?
Dr Gaddhafi schrybt dr Calmy-Rey:
« Micheline, tschau, scho lang nimm gsee.
Y bin im Saich, drum frog y doo:
Kaa n ych in d Schwyz als Gaisle koo?»
Warum in die Ferne schweifen, so fragen sich die Penetrante und singen
«Wenn iir wännd pfyffe,» sait der Frei ganz eschoffiert,
«bi n ich ewägg, wenn mi doo niemerts eschtimiert.
Ich ha n e Aagebott, iir kennet mir jetz bloose,
vo der Spuggerwaageclique als Mimose.»
Grosses Gelächter und viel Beifall erntet der Peperoni für diesen Vers
E Päärli wo in’s Fümoir goot,
verloot’s denn wider zoobe spoot.
Benääblet hueschte die zwai haim, und speeter denn im Bett,
merggt er, dass er us däm Qualm, die lätz Frau haimgnoo het.
Viel Dreck wegzuwischen gibt es für d Stroossewischer, und anscheinend verdient man auch gut dabei
Es isch an alli Schnitzelbängg e Schryybe koo,
mer solle d Värs vom Blatter Sepp doch blyybe loo.
Die maischte pfyffen uff d Zensur und bringen aine,
miir hän dä Zuestupf sehr gärn gnoo und singe kaine.
Über die von den Baselbietern abgelehnten Theatersubventionen singen d PereFys
In Rümmlige do griiblet aine uff sim Gillewaage:
«Joo waimer Subvenzioone uff das Basel aabe draage?
Nai Subvenzioone bruuche d Stedter kaini – ych blyb stuur,
Uff all Fäll kenn ych z Basel unde nit ai ainzge Buur!»
Was man alles kopieren kann, das verraten schunkelnd mit «Tätä, tätä, tätä» die zwei schlanken «Damen» vom Glettyse
S`duet dr «Freiherr Theodor zu Googleberg» gar nyt kenne,
Und kopiert e jeede Grimpel, bis d`Kopierer brenne.
Dr Bescht, uf Syte dreihunderelf ganz unde,
Hän mir sogar e Värs no vo dr Striggedde gfunde !
Seit 25 Jahren schon begeistern die beiden Damen ihr Publikum. Und da eine(r) von ihnen in Deutschland wohnt hält Obmann Walo Niedermann seine Laudatio als Büttenredner auf Hochdeutsch und mit Narrenkappe. Nach dem Erhalt einer wunderschönen Wappenscheibe werden sie mit einem dreifachen «Bügeleisen Hellau» verabschiedet.
Der zweite Neuling ist die Dreydaagsfliege. Auf ihrem Helge steht «Vivaldi», doch halbiert sie kurzerhand die «Vier Jahreszeiten»
Die halbe Jooreszitte sinn:
Frühl und Somm und Herb und Win.
Im Frühl, das hoffe alli fescht,
Isch dr Somm dr Schnee vo gescht.
Der Natur sollte man tribut zollen. Daher warnt der Doggter FMH alle Frauen über 60 vor dem Kinderkriegen
I warn alli Fraue über 60 do,
E Schwangerschaft im Alter isch nit ohni Risiko.
Denn d Chinder chöne, – wenn si’s emoll checke –
Ihne die dritte Zehn verstegge.Diagnose:
Jetzt mien halt d Dame, im Herbscht vom Lääbe,
Ihr Gebiss mit Araldit aachlääbe.
Dass man in Basel am besten durchkommt wenn man viele Sprachen spricht, das wissen die Blauäugige
Hoochdütsch lehrsch im Kindergaarte – in dr Schuel Franzöösisch,
Aenglisch, Spanisch, au Latiinisch – wenn de nit grad döösisch;
denn bruuchsch e scheen pflägt Baaseldytsch fir d Väärs und s Intrigiere
und Serbisch, Türkisch, Suaheeli – zum dy integriere.
Um unsere Jugend Sorgen macht sich dr Fäärimaa
Sie lyyde, die Schtiehl im Schuelunterricht
vor allem z Basel hänn vyyl Jungi Üübergwicht
anstatt mehr Beweegig – es hett scho kai Zwägg
doo nimmt me ihne au no dr Harasselauf wägg
Wer erinnert sich nicht an die Fernsehübertragungen der WM 2010. Alle nervten sich über die lärmigen Vuvuzuelas. Nicht so der Pierrot
Bi de WM-Spiil uff SF2,
isch s lärmig gsi bi uns dehai,
aber lieber Vuvuzela bloose,
als dä Schnuuri Thurnherr loose.
Den Polyvalänte mit ihren Affenköpfen ist am Zoll folgendes aufgefallen
Als Urwaldtier sind mir schnäll z‘ha fir alles Primitive,
mir Affe mache dòòrùm eh Iischaffigsinitiative.
In Rieche, dört am Zoll do mache mir e klains Versiechli,
Dr Pass bruchsch nimm zum innekho, do längt e Banggsparbiechli.
Einen wunderschönen Vers zum Thema keine Theatersubvention aus dem Baselbiet singt der Schwoobekäfer
Ai Rammel sait zem andere: Mir zahle nüt an d Stadt!
Mir hei s bi eus au ohni däne ihr Theater glatt.
Denn d Dame-Riigi z Titterte ersetzt ys d Balletteuse
Und singe löhn mir gratis vo de Autobus-Chauffeuse!
Dass man über (Bier-)Geschmack nicht streiten kann, das beweisen die Schnaabelwetzer.
Mir dringge ab und zue e Bier – ai Stange, zway, hesch glyy.
Drey Ziegelhoof, vier Ueli Bier, jä mai, die faare yy.
S Calanda Bräu isch so-la-la, und s Eichhof – halb so schlimm.
Doch syt dr Koch in Rom verkeert, schmeggt s Cardinal uns nimm.
Den Abschluss macht der Singvogel. Neben dem immer wiederkehrenden Thema Sven Epiney, welcher ständig im Fernsehens zu sehen ist schaut er auch auf die Politik
Mit de Politiker us Züri duets nümm stimme.
Der Ueli Murer, typisch Zürcher, duet nur schwimme.
Doch wemme d SVP betrachtet und ihr Kader,
dunggts aim: No schlimmer als e Schwimmer isch e Bader.
Und ganz zum Schluss, weils halt gar so schön war doch noch sein Epiney-Monstervers
Vyyli finde s Früeh-Französisch e Tortur,
doch die Sprooch isch Dail vo unserer Kultur.
Französisch het bi uns e wohlvertraute Klang,
zem Byspiil Réception und Etablissemang,
zem Byspiil Patron, Fondue-Caclon, Trottoir, Boulevard,
Fumoir, Buvette, Buvette, Fumoir, Pissoir, Couloir,
Masseur, Coiffeur, Café mélange, Service public,
moitié-moitié, Chinoise, Cordon bleu statt Schüblig,
Jeton, Coupon, Fouton, Molton, Separée,
Chopin, Copin, à point, öbain. Epiney.
Alle Verse der 25 Bängg findet man auf ihrer Homepage unter www.schnitzelbankbasel.ch.
Weiter Schnitzelbangg Bilder unter https://staging.fasnacht.ch/bildergalerie/bilder-2011/schnitzelbangg-2011/



