Fasnachtsstuubede uff em Rhy; e absolut glunge Debüt…

25. Februar 2023 | Von | Bilder: Lucien Graf | Kategorie: Nachrichten

Die „Fasnachtsstuubede im Rhystärn uff em Babbe Rhy“ verbindet auf gemütliche und fröhliche Weise Basels Kulturerbe mit dem Rhein, der Schifffahrt und der Kulinarik. So bewarben die Macher diese erstmalig durchgeführte Stuubede auf dem Schiff und es wurde ein zauberhafter Abend.

Freitag abend am Anlegeplatz bei der Schifflände Basel. Dr Rhystärn liegt fasnachtlich geschmückt mit leuchtenden Stäggeladärne, Larve, Helge und Fasnachtsbändeli am Steg und die bereits zahlreich wartenden Gäste plangen darauf diese Pracht von nahem bewundern zu können. Der Einlass bringt sie an Bord, wo sie bereits von Conferencier Marcel Mundschin und Regieseur Jonas Blechschmidt begrüsst und auf das Sonnen-, Regen- oder halt Oberdeck geleitet werden. Dort angekommen erwartet die Besucher eine Begrüssungs-Mehlsuppe und ein Gefühl von Gässle uff em Babbe Rhy. Rund um uns herum erklingen Piccolo- und Trommeltöne und der Rhein plätschert friedlich im Fasnachtstakt dazu. Man ist sofort in einer wohligen Erwartungshaltung, ob dem Programm das nun folgen sollte.

Im Unterdeck, dem eigentlichen Festsaal, sind die Tische gedeckt und eine kleine Bühne aufgebaut, die Fenster sind mit allerlei Fasnachtsutensilien geschmückt und zahlreiche Helgen versetzten dich schon beinahe in einen Fasnachtskeller. Aus den Boxen ertönen Kläge, die vom Cortège her rühren könnten und einzig der Blick aus den Fenster lässt dich wieder wahrnehmen, dass du anlässlich der Fasnachstsstuubede in einem Personenschiff bist.

Der Kapitän begrüsst die Gäste und nun kann auch das Programm losgehen. Ein einzelnes Piccolo ist zu hören und dieses wird mittels Echo vom anderen Schiffsende her durch ein zweites erwidert. Alsdann eine zarte Frauenstimme, die sich zusammen mit 3 weiterern jungen Frauen zu einem wunderschönen Acapella-Quartet ergänzt. D Bachstelze mit em Fäärliedli, unterstützt durch die Pfeiffer, ein Auftakt der nicht schöner hätte sein können.

Alsdann erscheint der Conferencier Marcel Mundschin und begrüsst die Passagiere in übermässig gendergerechter Manier und zieht somit den Zorn eines Gastes auf sich, welcher sich lauthals über diesen Blödsinn beschwert. Es stellt sich heraus, dass es sich um den Fäärimaa (Kurt G. Walter) handelt, der sich zudem aus Protest an einen Stuhl geklebt hat. Er will so dafür besorgt sein, dass es wieder eine für alle uneingeschränkte und schöne Fasnacht geben soll. Im Verlaufe der Veranstaltung werden die beiden noch mehrfach aufeinandertreffen und über kleingeistliche Verhaltensregeln, political correctness, und Genderwahn streiten. „Bi mir uff dr Fääri derfsch esoo reede, wie dr d Schnuure gwaggse isch“ und ein Gast ruft in die Szenerie: „kumm mr wäggsle uff d Fääri“! „Wurum reede mr nit iiber dr regionali Sache?“ Fäärimaa: „ouuuu Nai. Esoo vyl Lyym gits jo gar nit!“

Daraufhin erscheint dr Fäärima, dr Richtig… ich meine den Schnitzelbänggler! Bewusst monoton und mit seufzender Handharmonika zelebriert er in seiner unnachahmlichen Art seine Verse und erntet hierfür tosenden Applaus.

Der zweite Schlagabtausch zwischen Conferencier und Fäärimaa beihnaltet viel technisches, welche Apps man beispielsweise verwenden kann um den Standort der Fähre jederzeit erfahren zu können. Aber Technik funktioniert nicht immer so wie gewünscht und so überlassen sie die Bühne wieder der Fasnachtsmusik, welche durch die jungen Pfyffer und Tamboure mit einem rythmisch abwechslungreichen Ohremyggeli, eingenommen werden. Ein „Myggeli“ schlürft dabei genüsslich einen Gespritzten und die Musiker wippen lustig dazu. Mit dem Ryslaifer verlassen sie den Saal.

Wie beworben steht nebst dem gemütlichen Beisammensein und einem hochkarätigen Fasnachtsprogramm auch das Kullinarische im Mittelpunkt und hierfür haben sich die Betreiber des Rhystärn ein gelungenes Konzept ausgedacht. Standartgetränke wie Rotwein und Mineralwasser stehen bereits auf den Tischen und den Weisswein wird alsdann auch entkorkt und dargebracht. Die Süssgetränke oder Bier müssen indes eigens bestellt werden. Das Entrée auf einem Brett für jeweils 4 Personen gereicht, enthalten Käse- und Zwiebelwähe, Salzit, Birnenschnitze und Nüsse. Wir waren lediglich zu zweit und durften daher doppelt zugreifen. Gleich verhielt es sich auch mit dem Hauptgang. Kalbshaxe mit Schmorgemüse und Polenta. Leider waren die Haxen etwas zu wenig lange im Schmortopf, zumindest bei einem Teil der Gäste, was den Verzehr etwas erschwerte und so zum Inhalt der Pausendiskussion wurde. Schade, aber heute haben die Köche nochmals Gelegenheit es besser zu machen.

Nach der Pause ein weiterer Höhepunkt. Die in Fasnachtskreisen nicht gänzlich unbekannte Edith Habraken, verblüffte das Publikum mit einer ihrer phantaschtischen Auftritte. Zusammen mit den beiden Jungen Tambouren zündet sie ein Feuerwerk der Trommekunst, dass einem beim Zusehen schon die Handgelenke schmerzen. Aussergewöhnlich ist hierbei, dass sie nicht auf eine normalen Basler Trommel zurückgreift sondern eigens ein viereckiges Schlaginstrument gebaut hat, welches sich auf alle vier Ecken bespielt. Eine grossartige Darbietung, welche den drei Vortragenden tosenden Applaus einbrachte.

Kurt G. Walter alias Fäärima wird alsdann gefragt, ob er selber Aktiv Fasnacht machen würde, worauf er entgegnet, dass er noch nie ein Kostüm angehabt habe, er jedoch ein Fasnächtler mit Leib und Seele sei. Nun sinniert er was er nun an der Fasnacht machen will und spielt sich in die Rollen eines Pfeiffers, Tambour, Wäägler, in einer Chaise oder gar beim Comité? Was aber überhaupt nicht infrage kommt: „E Guggemusikant – Nai Dangge – wenn, denn will y richtig Fasnacht mache!“

Dr druurig Guggemuusiker, darunter muss man sich einen Basler Fasnächtler vorstellen, welcher sich eigentlich nirgends dazugehörend fühlt. Einfühlsam, schon fast ein Frontalangriff auf alle Guggenmusikertränendrüsen, singen die vier Bachstelze mit der Melodie aus der kleinen Niederdorfoper (mir maag jo niemerts ebbis gunne) die Geschichte eines einsamen Guggetrompetler, der von Daniel Thiriet mit passender Mimik treffend dargestellt wird. Ein weiterer Höhepunkt!

Unser Vortbewegungsmittel legt wieder bei der Schifflände an und ein neuer Passagier ist an Bord gekommen. Es handelt sich um s Dintelimpli. Der Comité-Bangg ist längst kein Geheimtip mehr und zeigt mit seinen Versen auch in diesem Jahr, dass ihm das Schnitzblänggle in die Wiege gelegt worden ist. Ein wiederum toller Jahrgang.

Nun neigt sich das Progamm den Ende entgegen und die Jungen Pfeiffer und Tambouren sowie der Acapella-Chor Bachstelze füllen erneut die Bühne. Vorab die Fasnachtsmusiker mit dem tollen SixtyNine und im Anschluss nochmals das Fäärliedli zauberhaft vierstimmig. Alsdann ergreift ein letztes Mal der Fäärimaa das Wort und verkündet Stimmgewaltig, dass es nun in die Fasnacht geht und man in einen andern Körper schlüpfen und die Fasnacht ausleben soll. Mit dem Wettsteinmarsch, für welchen man einen etwas angepassten, sprich gendergerechten Text vorliegen hat, beschliesst die erste Fasnachtsstuubede uff em Rhy. Drei ausgesprochen agile Waggis stürmen alsdann den Saal und beschenken die Gäste grosszügig mit Röösli, Mimöösli, Orangen und Dääfeli. „S Dipfli uff em I.“

Ein in allen Belangen hervorzuhebender Anlass. Die jungen Fasnachtsmusiker und die vier singenden Damen von den Bachstelze sind hervorragend. Edith Habraken hat nichts von ihrer Trommelkunst eingebüst. Marcel Mundschin und Kurt G. Walter liefern sich köstliche Wortgefechte und die Kulinarik, im wirklich toll geschmückten Schiff, ist prima. Jonas Blechschmidt  (Regie) und Daniel Thiriet (Text) sowie Melina Kleiner und Geraldine Schöpflin (Musikalische Leitung) seien ein grosses Kompliment ausgesprochen. Ich werde den Termin für eine allfällige Wiederholung im kommenden Jahr rot anstreichen!

Für die zweite und letzte Vorführung von heute Samstag, 25.02.2023 sind noch wenige Plätz vorhanden
CHF 129.– / 169.– für Unterhaltung, Schifffahrt, Stuubede-Menü und Getränke
Erhältlich unter www.stuubede.ch