Obschon die Fasnachtsstuube von Rolf Tschan und Patrick „Almi“ Allmandinger an der Schützenmattstrasse bereits seit November 2019 offen ist, fand am gestrigen Abend erst die zweite Fasnachtsstuubede in deren Lokal statt. Umsomehr freuten sich die Gäste auf die neuerliche Durchführung und wurden mit 15 Schnitzelbängg prächtig unterhalten.
1830 Uhr und die Fasnachtsstuube platzt förmlich aus allen Nähten. Die ursprünglich für 30 Sitzplätze konzipierte SujetBaiz wurde noch etwas bestuhlt und so fanden 57 Gäste Platz. Etwas beengt, was vor allem die aufmerksamen Servicedamen beim verbringen der Tranksamen zu spüren bekamen. Aber auch die gesamthaft 15 Schnitzelbangg-Formationen mussten sich ihren Weg durch die Beiz bahnen, ohne die fasnachtliche Dauerausstellung mit sich zu reissen.
Pünktlich um 1900 Uhr begrüsste Gastgeber Almi auch im Namen von Rolf das Publikum und bedankte sich vorab schonmal beim Servicepersonal, welches ihre Sache bis dahin prima gemacht hat. Er informierte alsdann, dass jedem Bänggler genau 5 Minuten Vortragszeit gewährt wird, ansonsten er ihnen den Strom abdrehen würde. Die Formationen hielten sich in der Folge an diese Vorgabe, obwohl man sich von einen oder anderen gerne noch einen weiteren Vers hätte gönnen wollen, bei einigen wenigen jedoch einem sogar die 5 Minuten etwas lange vorkam.
Der Bänggler-Reigen eröffnete dr Bolderi (IG WuF), welcher mit seinem Helgenträger seit 5 Jahren zusammen auf der Piste ist. Speziell mit goldener Fliege und beinahe goldener Stimme brachte er seine Verse schnörkellos in die Stube, ein guter Anfang. Ihm folgte d Schnapsbagge (VSG), wie gewohnt souverän und pointiert. Die beiden Schulkinder s Elfi Glöggli (VSG) ein immernoch junger Bank, welcher aber über sehr viel Bühnenerfahrung verfügt, hatten danach ihre 5 Minuten. Sehr lustig! s Echo vom Säntis mit seinem Ostschweizer Dialekt, besticht mit seinen Kurzversen und macht keinen Hehl daraus, dass er für den FC St. Gallen „fäänt“. Von der Ostschweiz ab ins Kleinbasel mit dr Glaibasler (IG WuF), wie gewohnt spitzzüngig und dann der Quartierwechsel zum Kuni usem Gundeli (Wild), sympathisch und jugendlich aufgestellt. Dr Blagèèri (VSG) setzte den Reigen fort und beschloss den ersten Teil.
Nun gab es etwas zu schnabulieren und innert kürzester Zeit waren die Teller an den dafür vorgesehenen Orten, obwohl man hier anmerken muss:
„Dr Schungge, e warme, ganz feyn zem ässe,
dr Härdepfelsalat jedoch, kasch glatt vergässe…!“
Nach der Einnahme des Essens folgte eine Gastformation aus dem Baselbiet d Landstricher (Wild), welche wieder sehr viel Frohsinn in die Beiz brachten und sich immer wieder entschuldigten, dass sie mit den gesungenen Themen eigentlich nichts zu tun hätten, darüber lediglich einen Vers singen würden. Köstlich! Im Anschluss d Boodesuuri (IG WuF), die zusammen seit 10 Jahren auf der Fasnachtsroute sind und sich eigentlich für das Dessert verantwortlich zeigten. Leider waren ab dem zweiten Vers die Pointen mehr als absehbar. Sehr lustig präsentierte hingegen sKäller Diirli (VSG) seinen Vortrag mit einem angeklebten Helgenbueb, den er gar nicht kennen will. Ein prima Konzept! Ein Garant für spritzige Verse ist d Giftspritzi (BSG), immer ein Genuss! Neu auf Platz Basel debütierten d Doppelstääb (Wild) aus Pratteln. Mit ihrem Stinkfisch- und Armleuchter-Blues hatten sie die Gäste sofort in ihren Bann gezogen und gefielen mit ausgefeilten Texten und tollem Sound. Ein Versprechen! D Velo Kurier (IG WuF) waren „mit em Veloo doo“ und so schnell wie sie da waren, auch wieder weg… Mit den Nachtschwärmer (VSG), welche offenkundig nicht mehr so richtig in ihr Kostüm passten, neigt sich der Abend schon fast dem Ende zu. Vor dem Abschluss zeigten sich aber noch d Kaffidante (VSG) und gefielen durchaus mit ihren frechen Reimen. Patrick „Almi“ Allmandinger kündigte gegen 2130 Uhr den letzten Bangg des Abends an und verabschiedete die Gäste in die Fasnacht 2023. Mit dr Staubwolgge (Bängg fir Basel) standen nochmals ein Routiniers vor die Gäste und sie brillierten mitunter mit ihrem Langvers von der Ami-Führung über das ESAF-Gelände. Ein toller Abschluss eines kurzweiligen Abends.
Die 15 Bängg wussten allesamt zu gefallen. Die Themen waren abwechslungsreich, obwohl gewisse Protagonisten und deren Fauxpas natürlich regelmässig auftauchen. So kleben Klimaaktivisten an den verschiedensten Orten fest und werfen mit Suppen um sich, Alain Berset fliegt seine Runden, Gianni Infantino, seine FIFA und die WM im Katar bekommen ihr Fett weg und Esther Keller buddelt und fällt. Der FCB spielt oder eben auch nicht, die Schwinger schwingen oder swingen, King Charles hat noch immer grosse Ohren und die Frage ob Mann, Frau oder Es, steht eigentlich bei allen auf dem fasnachtlichen Speiseplan. Dafür können abgedroschene Verse über Zürcher und d Schwoobe in diesem Jahr durchaus in der Kiste verbleiben, ob der vielfältigen Themen. Die Gäste in der Fasnachtsstuube konnten die Interpretationen von 15 Bängg anlässlich dieser Fasnachtsstuubede konsumieren und man darf gespannt sein, wie die vielen anderen Schnitzelbängg sich mit diesen Thematiken auseinandersetzen. Ich freue mich drauf.



