Waggisverkleide 2023 – Caspar prostet zuerst als König, dann als Waggis allen zu

23. Februar 2023 | Von | Bilder: Beat Schwald | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Zwei Jahre mussten die drei Könige auf ihren Waggis verzichten. Die Trilogie um die drei Könige, bzw. den drei Waggis kann nun vervollständigt werden. Und darauf erhebt Caspar seinen Becher, wünscht allen eine schöne Fasnacht und hofft, dass sein Becher ab Montag an der Sonne glitzert.

Der Name Caspar stammt aus dem Persischen und bedeutet etwa der «Hüter des Schatzes». Dieser spezielle Caspar, welcher von hoch oben des Hotel Trois Rois hinuntersieht, hütet viele Schätze. Während 362 Tagen hütet er die Gäste des Hotels. Jedoch an den drei schönsten und wichtigsten Tagen auch noch manch Geheimnis, welches er beobachten kann. So spürt er die Spannung vor dem Morgestraich, wenn die Cliquen einstehen, nervös auf die Uhr schauen, zehn Mal prüfen, ob das Kopfladärnli wirklich funktioniert. Bis dann die erlösenden Worte des Tambourmajors erklingen «Morgestraich, vorwärts, Marsch». Beim ersten Ton muss er auch er eine Träne unterdrücken.

Weitere Fotos folgen im Laufe des Nachmittags.

Aber noch ist es nicht so weit. Noch ist er ein König, der von der Feuerwehr demnächst zum Waggis umgezogen wird. Ein König, der damals Myrrhe als Geschenk zur Geburt brachte. Eine Wiedergeburt ist somit auch das Waggisverkleiden und die Fasnacht nach 2 Jahren Abstinenz. Wobei Caspar für die letztjährige Fasnacht bereits die doppelte Menge Myrrhe (Myrrhe fördert die Wundheilung) für die drey scheenschte Dääg verwenden musste, wird er seinen Myrrhestab am Montag über die Waggiswagen und Chaisen halten.

Genau jetzt kommen die Lufthyler Waggis im Oldtimer angefahren. Die leuchtenden Kinderaugen, die Freude der Waggis und die konzentrierten Gesichter der Berufsfeuerwehrleute mischen sich mit Motorengeräusch der Drehleiter. Routiniert, als ob es keinen Unterbruch gegeben hätte, begibt sich ein Waggis in den Korb, die anderen laufen mit Tablets umher und die Feuerwehr beginnt mit ihrer wahrscheinlich schönsten Aufgabe: dem Verkleiden. Toll, wenn man von so vielen Augen bewundert wird. Eine kleine Wertschätzung dürfte auch ein Applaus wert sein.
Applaus erhielten auch die Krachschnygge, welche vom Balkon und vor der Türe einige Stücke zum Besten gaben. Auch das Wetter spielte mit: bewölkt, aber trocken.

Caspar diskutiert noch mit Melchior, was in seinen Kelch zu füllen sei, während der nette Feuerwehrmann ihm die Hosen anzieht. Da er bereits als König ein weisses Beinkleid trägt, ist dies für ihn nichts neues. Jedoch musste man genau schauen: als die Hose zugebunden wird, scheint es als würde er leicht zucken. Ist Caspar etwa kitzlig? Nein, es waren die nicht ganz warmen Hände des Feuerwehrmanns. Die blaue Waggisbluse wird über sein grünes Kleid gestreift und nun fehlt noch die Larve. Jetzt ist er, was er so liebt: ein Waggis. Es ist egal, ob der Träger König, Sterndeuter, Banker, Politiker, Lehrer, Schreiner, Wirt oder Elektriker ist, denn an der Fasnacht sind alle gleich. Gleich selig, gleich glücklich und gleich müde. Caspar sieht das ganz genau. Zusammen mit seinen Kollegen Balthasar und Melchior wird er jedem Fasnächtler unter der Larve zuzwinkern und sagen «gäll, de kennsch mi nit?»