Wenn es eine Hitparade der guten Ideen an der Basler Fasnacht gäbe: „Der rote Faden“ beim Drummeli gehört in die Top Ten!
Rückblickend darf man sagen: Seit das Drummeli den „roten Faden“ vorgibt, scheinen die für die Drummeli-Auftritte verantwortlichen Mitglieder in den Cliquen zu Hochform aufzulaufen! Dieses Jahr war die Vorgabe ein einziges Wort: Legendär! Und die Umsetzungen der Cliquen waren kreative, teils grossartige Darbietungen.
Die Cliquen im 2. Teil
Eine grandiose Idee, viel Mut und eine starke Umsetzung. Die Alti Glaibaser Clique zeigt, wie lange 100 Jahre sind. Während auf der Leinwand die 100 Jahre rückwärts ablaufend dargestellt werden, stehen im Saal verteilt 100 Tambouren und trommeln nichts anderes als einen schönen, sauberen Wirbel (Erinnerungen an „Les cents tambours de Bâle“ kommen auf…). Falls Sie ein Ticket für die Vorstellung vom Freitag, 17.2.2023 um 19.30 haben, nehmen Sie Ohrschutzpfropfen mit. Das ist die Dernière und ich vermute, dann trommeln so gegen 400 Tambouren im Saal…
d Verschnuuffer begeben sich auf einen LSD Trip. Das Bühnenbild mutiert plötzlich zu einem farblich-wirren Gemälde und parodiert einen wahrhaftigen LSD-Rausch. Frage ist nur, woher die Verschnuuffer dieses Wissen haben…;-). Der Bänggler war – solange man den Marsch erkennen konnte – noch nüchtern und perfekt dargebracht.
Lälli-Clique zeigt den Basler Marsch und lässt den Schnitzelbänggler „Dreydaagsfliege“ abwinggen. Dieser Gag, normalerweise einer für die Dernière, misslingt dann auch an der Première und der Bänggler winkt die Clique – die natürlich längst weiss, wann der rassig vorgetragene Basler Marsch zu Ende ist – zu spät ab. Das Publikum ist amüsiert…
Dann kommen d Seibi und Seibi Mysli auf die Bühne. Alles Schweine und sie zeigen, dass ein bis ins letzte Detail einheitliches – unschwarzes – Goschdym die halbe Miete ist. Nebst einem optisch grossen Auftritt präsentieren d Seibi eine Uraufführung: D Metzgede von Michi Robertson (who else?) und Lukas Minder. Ein tolles Gesamterlebnis.
Dann ein weiterer Höhepunkt in diesem zweiten Teil: der CCB zieht alle Register was die Bühnentechnik betrifft. Da kommt eine deutliche und klare Ansage ab Band und verkündet die Aufführung des Ysebähnli vom „legendären“ Fritz Berger. Dann beginnen die schwarz gekleideten Tambouren des CCB mit dem perfekten Ysebähnli und – wahrscheinlich – d Pfyffer und alle andern in der Clique sorgen – perfekt zum Trommeltext passend – mit vorbeziehenden Bäumen, Baustellen, Tunnels und Gebäuden und zusammen mit der Leinwand für eine tolle Schwarzlicht-Illusion eines fahrenden „Ysebähnli“. Alles herrlich sichtbar in diesem grossen und luftigen Eventsaal. Grossartig, CCB! Gratulation für diese Idee und die Umsetzung und für die körperliche Leistung der Kollegen am Dampf der Loki…
Auch der nächste „Club“ – der Dupf-Club – hat eine sehr witzige Idee umgesetzt: Was machen d Pfyffer oder d Pfyfferinnen während den 20 taktigen Pausen in der Pfyffer-Retraite? Der Dupfclub gibt Antwort. Herrlich humorvoll und ein optisches und akustisches Vergnügen.
Der cliquentechnische Schlusspunkt setzt eine riesige Formation: D Naarebebbi (natürlich der Zusammenzug der Basler Bebbi Basel und der Naarebaschi. Auch bei diesem Auftritt hat sich Michi Robertson – diesmal zusammen mit Urs Gehrig und dem musikalischen Gesamtleiter Oliver Mayer – hinter das Notenblatt geklemmt und für die Naarebebbi eine grossartige Jazznummer arrangiert. Der Beginn macht das „legendäre“ Take five von Paul Desmond/Dave Brubeck Quartett. Die beiden Cliquen geben alles und man erkennt plötzlich verjazzte Fasnachtsmärsche. Links und rechts im Saal agieren noch Mitglieder an Hellraumprojektoren um die Halle noch zusätzlich zu verzieren. Und als die Tambouren, nachdem sie an ihren Saiten gezupft haben, auch noch den Takt klatschen, schwappt die Stimmung auf das Publikum über. Sensationeller Auftritt!
Irgendwann zwischendurch queren d Opti-Mischte aus dem ersten Teil nochmals die Bühne, weil sie mit den „Alte Schweizer Märschen“ noch immer nicht fertig sind. Tolle Idee..
D Rääme im 2. Teil
Ganz persönlich finde ich es langsam etwas müssig, immer wieder „d Rääme“ zu rezensieren. Denn es ist wie jedes Jahr: Die Schaupielerinnen und Schauspieler sind allesamt erste Sahne und für die Drummelibühne gemacht: Dominik Gysin – der grossartige Solist hat die Spuren von Rehorek längst ausgefüllt. Susanne Hueber ist eine mimisch voll präsente, vielseitige und witzige Spielerin. Zusammen mit Charlotte Heinimann, Philipe Graff (anstelle der erkrankten Rula Badeen – gueti Besserig an dääre Stell) Andrea Bettini und Hansjürg Müller ergibt das ein Ensemble, wie man es wohl auf keiner andern Bühne antrifft. Sie müssen Texte spielen, die den Zuschauenden gut gefallen. Oder weniger gut. Die lustig sind. Oder halt weniger lustig (Comité-Sitzung). Übertrieben intellektuell (z.B. das Stück mit dem gefangenen Hofnarr) oder witzig (die angeklebte Klimagegnerin, die auf den Fasnachtsobmaa trifft). Aber schon bei mir in der Reihe gibts verschiedene Wertungen für einen Text. Und wenn Einzelnen jetzt ein Text nicht so gut gefällt, dann ist oft „das Drummeli durchzogen“. Und das halte ich – tschuldigung – für Schwachsinn. Deswegen an dieser Stelle: D Rääme sind gut. In meiner persönlichen Optik (die ja niemanden interessiert….) die einen etwas guter. Die andern etwas weniger. Aber es bleibt eine gute Unterhaltung. Und s Drummeli isch wägedäm trotzdäm dr Hammer!
Eine Erwähnung wert ist allerdings die endlich wieder zurückgekehrte Gesangsnummer. Die drei Tenöre mit Ihrem Song: „I bsinn mi gärn, wo de no hesch deerfe faare“. Eine Liebesgeschichte an die Zeit, wo man mit dem Auto vors Münster fahren konnte. Und als dann ein altes Foto vom Barfi eingeblendet wurde und man dort den Parkplatz vor der Barfikirche erkannte, spendete das Premièrenpublikum frenetischen Szenenapplaus und Jubelrufe. Die Ensemblesänger gerüchteweise mit Unterstützung von TV-Mann Philippe Chappuis.
Dr Schnitzelbangg im 2. Teil
D Dreydaagsfliege gehört seit Jahren zu den besten Bänggler in dieser Stadt. Eingehende Melodie, klare Sprache, präzises Versmass, klare und sehr bissige Pointen. Reduce to the max.
D Gugge
D Schlössli-Schränzer erküren das Uelibier bzw. die Fischertube zur Legende und grooven durch den Saal mit einem kräftigen „It must have been love“.
Fazit
Das Drummeli ist wieder zurück. An einem „normalen“ Ort, welcher sich prächtig als Veranstaltungsstätte eignet. Die Cliquen liefern durchs Band Grossartiges ab und d Rääme sind das, was sie immer sind: Gut gespielt und grösstenteils unterhaltsam. Es isch e heerligen Oobe gsi.
Die Abendkasse hält noch Tickets bereit.



