
S spitzig Ryysblei - einer von zwei fabelhaften Schnitzelbänken am Ridicule 2011 - ist bereits in Fasnachtsform.
Ridicule ist, wenn auf der Bühne nachdenklich und leise eine „Fasnachts-Hyylgschicht“ vorgetragen wird und im Hintergrund mit grossem Getöse ein Schnellzug nach Deutschland durch poltert. Es ist eine spezielle Stimmung, die auf der kleinen Bühne mitten im Badischen Bahnhof herrscht. Die Zuschauer nehmen das Rattern der Züge schmunzelnd zur Kenntnis und wenden sich sogleich wieder dem Programm auf der Bühne zu. Ein Programm, welches sich in diesem Jahr kurzweilig und unterhaltsam gestaltet.
„Schuld“ daran tragen im ersten Teil vor allem die Herren Blocher, Somm und Sutter. Ihre Machenschaften rund um die Basler Zeitung prägen viele Pointen. So fragen sich zum Beispiel zwei alte Damen keifend in einer Balkonszene:
„Wieso het dä Suter aigentlig die Baz kauft? Me goot jo au nid in e Dierlaade und kauft e doote Papagei!“
Überhaupt, diese Balkonszenen! Helmut Förnbacher und Hanspeter Stoll, bis zur femininen Unkenntlichkeit verkleidet, speien während dreier Nummern humoristisch Gift und Galle. Keine Basler Persönlichkeit, die nicht ihr Fett weg bekommt. Das Publikum im Saal ist begeistert, und zwar nicht nur wegen der Pointen, sondern auch, weil die Schauspieler regelmässig ihren Text vergessen und sich auf lustigste Art und Weise aus der Bredouille reden. Eine Kostprobe:
„Näggscht Wuche kunnt der Papscht uff Lieschtl!“
„Jetzt kunnsch Du scho mit dämm Papscht?? Bring doch zerscht no der ander…“
„Nai, dä het kai gueti Pointe.“
„Aso mir gfallt die Pointe…“
„Ych wais si aber nümm!“
„Mach jetzt!“
Solche Lacher wünschte man sich auch beim dramaturgischen Schwachpunkt des diesjährigen Ridicules, dem Roten Faden: Ein kleiner Prinz (schauspielerisch einwandfrei), der von einem fernen Planeten nach Basel kommt, um die Fasnacht kennenzulernen. So erfährt es das Publikum gleich zu Beginn des Programms. Und das wars dann auch schon, mehr passiert nicht mehr. In den folgenden Nummern schleicht der Prinz als lebendiges Requisit farblos im Hintergrund umher, er wird gefragt, ob es ihm in Basel gefällt. Eine Frage, die er jeweils grinsend bejaht. Spätestens nach Nummer 17 wünscht man ihn sich in die ferne Galaxie zurück, aus der er kam.
Zurück aber zum Erfreulichen, das es in diesem Jahr zu Genüge gab. Musikalisch kann das Ridicule auf ein bewährtes Team zurückgreifen: Als Trommler tritt die Gruppe „pianoforte“ auf, die Pfeifer kommen von der „Union Folklorique Suisse“. Die beiden Formationen garantieren sauber vorgetragene Fasnachtsmusik, wobei vor allem Beery Batschelets „Dr Lumpesammler“ (Pfeifer) sowie Alex Häfelis „Nussknacker“ (Trommler) zu erwähnen sind. Ergänzt wird der musikalische Teil ausserdem durch die beiden Schnitzelbänke „Gwäägi“ und „s spitzig Ryysblei“, hier punkten vor allem Erstere.
Zu guter Letzt darf eine Besonderheit dieser Vorfasnachtsveranstaltung natürlich nicht unerwähnt bleiben: Carl Miville. Seit der allerersten Ausgabe des Ridicules vor zwölf Jahren trägt der Alt-Ständerat mit viel Witz seine Sujet-Liste vor, allerdings gibt es Themen, bei denen sogar er nicht mehr weiter weiss:
„D WM z Katar: vyyl Ärdool , Wieschti und e ryychi Schaich
Do fallt as Värs aim numme yy: son e Saich! “
Das Fazit zum Ridicule 2011: Kurzweilige Unterhaltung dank musikalischen Leckerbissen und guten Texten. Das wohlwollende Premièren-Publikum zeigte sich von A bis Z zufrieden, der Schlussapplaus übertönte sämtliche Schnellzüge.
S RIDICULE 2011. Im Förnbacher Theater im Badischen Bahnhof. Vorstellungen: Mi 12., Fr 14., Sa 15., So 16., Fr 21., Sa 22., Fr 28., Sa 29., So 30. Januar, Do 3., Fr 4., Sa 5., Fr 11., Sa 12., Fr. 18., Sa. 19., Fr. 25., Sa. 26. Februar, Fr. 4. und Sa. 5. März 2011. Vorstellungsbeginn um 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Tickets direkt bei der Helmut Förnbacher Theater Company über Telefon 061 361 90 33, oder per E-Mail, bei Musik Wyler, Aeschenvorstadt 2, oder bei allen Basler Vorverkaufsstellen von ticketcorner.





