Dr Cortège isch ai Wunne – under brächtiger Sunne

19. Februar 1997 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Drägg am Stägge»: Dieses Sujet spielen die Vereinigte Kleinbasler VKB (gold-)glänzend aus. Sie führen nicht weniger als vier Requisiten mit, die 32 Pfeifer sind rot gewandete unschuldige Helvetias mit gelber Schärpe, der Tambourmajor stellt das Bankgeheimnis dar, und die 32 Tambouren erscheinen als in vornehme Nadelstreifenanzüge gekleidete Finanzhaie mit goldenem Biss und Nazi-Gold auf den Achseln.

Überhaupt nicht glänzend, ganz im Gegenteil, grau in grau präsentiert sich der Zug der Rätz-Clique, die meint: «S graut is» (und nicht «s gruust is», wie irrtümlich im Rädäbäng festgehalten ist…). Pfeifer und Tambouren, je an die 40 (!), sind zum grossen Teil Arbeitnehmer, aber auch Bauern und «Herren», aber alle in grau, und der 24köpfige Nachtrab kommt einem auch wie graue Mäuse oder Katzen? (quasi Katz- und Mausspiel) vor. Das Requisit ist ein Wagen voll Geld – der Millionengewinn der Banken auf Kosten Tausender Arbeitsplätze. Um die traurige Stimmung noch speziell zu betonen, trommeln die Tambouren auf gedämpften Fellen. Ein vom Anfang bis zum Ende durchgestylter Auftritt, der ins Graue trifft.

Etwas anders, nicht minder effektvoll, geht die J.B-Clique Santihans mit dem Thema um. Im Vortrab in silbern und golden glänzenden Kostümen «vollgfrässeni und nimmersatti Gäldsegg», der Tambourmajor als heiliger «St.Moret», der auf seinem Vasall Novartis zum Teufel reitet, und die Pfeifer und Tambouren, ganz in schwarz, sind Fusionsvertrampte, Value-Opfer, Wegrationalisierte und hoffnungslos Verlumpte.

Auch die Schnurebegge erregen Aufsehen – mit «Rinder, wollt ihr ewig leben?» Im Vortrab «traben» die letzten 18 von 220000 Rindern, bei den Pfeifern schlachten 28 blutbesudelte, mit Beil bewehrte Schlächter Rinder, der Tambourmajor ist der wahnsinnige Rindiana Jones, und die Tambouren sind schwarze und braune Rinder, aber bald ohne Grinder.

Stark sind auch die Auftritte der Guggenmusiken Mohrekopf mit dem Obelix als Major und grünen Druiden im Spiel, der kinderfreundlichen Fuege-Fäger, der Gülle-Schlüüch und der Krach-Schnygge.

Wagen gibt es wie Strau im Schober – nach wie vor (zu)viel. Rollen sie wie die Herremättli-Clique in ihrem «Teutonium Herrenmettchen», in dem Deytsch gelernt wird, heran, oder wie die Schopf-Sprysse mit ihrem Orientteppich-Wagen und die Gwürztraminer-Waggis (eine herrliche violette Farborgie) – dann fühlen wir uns nicht überrollt.

Last but not least: der trommelnde und pfeifende Nachwuchs. Um ihn ist es in vielen Cliquen gut bestellt, so etwa bei den Muggedätscher (erstaunlich harmonisches Trommeln), den Opti-Mischte (der Ideenreichtum stimmt optimistisch) und aus Tradition bei den J.B.-Santihans, Seibi oder Alti Stainlemer.