Dr Harry sait: Saletti! – In der Baiz isch s paletti
Gut 12000 aktive Fasnächtler seien dieses Jahr dabei, hat uns das Comité vor der Fasnacht wissen lassen – so viele sind angemeldet, bei denjenigen Einheiten, die im «Rädäbäng» erwähnt sind. Dazu kommen noch ein paar tausend «Wilde», die auch ohne Comité Fasnacht machen können. In der Fasnachtszone tummeln sich dieser Tage aber auch mehrere zehntausend Zivilisten. Da schon die Strassen und Gassen überfüllt sind, überquillen die Beizen und Cliquenkeller erst recht.
Etliche Beizer engagieren deshalb an der Fasnacht Türsteher, die dafür zu sorgen haben, dass nicht mehr Leute im Lokal herumstehen als unbedingt nötig ist. Wenn das Servierpersonal nicht zirkulieren kann, klingelt die Kasse weniger – so einfach ist das. Und die Türhüter machen auch dicht, wenn gerade ein Schnitzelbangg am Singen ist. Die «Arbeit» an der Türe braucht hie und da Nerven, es ist nicht gerade ein Schoggi-Job, obwohl man natürlich alle Bängg mitbekommt, die das Lokal frequentieren. Ob das aber auch immer ein Vergnügen ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
Der Erfolg der Bänggler hängt stark vom Publikum ab. Schwer hatte es beispielsweise einer der neuen Comité-Bängg in der «Heeli» (Volksmund für «Kunsthalle»): Trotz Mikrofon kam die Message nicht an, nach drei Versen wurde die Übung panikartig abgebrochen. Die Unvollvommene seien dies gewesen, bemerkte einer auf eine entsprechende Frage. Gemeint waren die Unvolländete.
Zu einem grossartigen Einmarsch in die selbe Beiz setzte die Gugge Schwellehüpfer an, doch plötzlich blies der Guggemajor zum Rückzug. Er realisierte, dass durch die andere Eingangstür bereits die Kratzbyrschte Position bezogen hatten – sie schränzten dann halt eben zuerst.
Einige Beizer schliessen mit den Schnitzelbank-Gesellschaften gar keine Verträge mehr ab. Im «Stadtkeller» zum Beispiel ist das so, das Haus ist ainewääg stets voll, nicht nur wegen der Wettstai-Clique, die dort ihren Stamm hat und während der Fasnacht mehrfach dort anzutreffen ist, samt ihrem Banntägler Joggi. Im Laufe des Abends (und der Nacht) kreuzen auch einige Bängg dort auf.
Eine der Fasnachts-Hochburgen ist der «Schlüssel», das Stammlokal der Schnooggekerzli. Von diesen angetroffen haben wir dort Marc Lüthi, den Lieschtler Stapi. Nach seinem Grosseinsatz beim Banntag auf dem Münsterplatz legte er im Kreise seiner Clique eine Pause ein. Diese kann er gleich nutzen zum Gipfelgespräch mit dem Baselbieter Regierungsrat Hans Fünfschilling, der ebenfalls aktiver Fasnächtler ist. Im Goschdym geht eben vieles etwas lockerer.
Rundum Betrieb herrscht auch in der «Hasenburg». Rundum heisst hier ganz einfach rund um die Uhr, und der Betrieb geht auch dann weiter, wenn die Leute, mit oder ohne Goschdym, dicht gedrängt zwischen den Tischen und rund um den zentralen Ofen stehen. Gegen den Morgen gibts dann hin und wieder doch einen freien Platz. Und beobachtet haben wir, wie Pouletflügeli zum Zmorge bestellt wurden. Im «ChâteauLapin» befindet man sich im sogenannten kleinen Bermuda-Dreieck – die beiden anderen Ecken sind das «Gifthüttli» und der «Grüne Heinrich» gleich über der Gasse. (Das grosse Bermuda-Dreieck hat die Koordinaten Gifthüttli – Schlüssel – Löwenzorn.)
Druggedde wie am Morgestraich dann im «Sperber». Wer es schafft, sich von der Eingangstür her zwei Meter weit vorzukämpfen, muss für den Rückweg mindestens eine halbe Stunde einrechnen. «Yschtooh!», ruft einer. Es ist tatsächlich wie «Yschtooh», aber eines von der besonderen Art, man braucht viel Geduld – wie am Skilift.
Ein Kellner versucht es tapfer, Bestellungen auszuliefern; sein Balanceakt mit vollen Gläsern auf dem Tablett wirkt zirkusreif. Das übrige Personal hat mehr oder weniger aufgegeben, eine Serviertochter steht neben der Kasse am Buffet und nimmt die Bestellungen dort entgegen. Angesichts dieser Verhältnisse fragt sich nur, wer überhaupt zu Tranksame kommt. Die Barhocker sind eindeutig die Sonnenplätze und entsprechend umkämpft.
Etwas bessere Verhältnisse sind gleich nebenan in der «Münz» anzutreffen. Werni Moor, der Märtaufseher, ist da. Nicht in seiner Funktion, aber im Goschdym. Eigentlich wollte er nicht mehr Fasnacht machen, doch als Zivilist fühlte er sich nicht recht wohl. Also habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben:Entweder heimgehen oder heimgehen und umziehen, sagt er strahlend. Im Schyssdräggzigli ist es halt doch am schönsten!
Auch das Sauwetter kann der Stimmung nicht viel anhaben – beim «Hotel Basel» verdrückt sich die Fasnachtsgemeinde eben unter die Arkaden, wo ohnehin auch gebeizert wird. Immer wenn die Windstösse und die Regenböen Pause machen, geht’s wieder ein (angeschriebenes) Haus weiter.
Draussen auf der Gasse begegnen wir wieder der grauen Helvetia, einer Ainzelmassgge, die wir schon in der «Heeli» gesehen haben. «Weh mir Helvetia», hat sie sich auf die Brust gschrieben. Und sie trauert, um ihre «verlorenen Söhne Delamuraz, Studer und Jagmetti». Allerdings schert sich das Volk kaum um das Thema, ganz so wie in den letzten fünfzig Jahren.
Ein Sprung ins Glaibasel, weil immer wieder mal behauptet wird, dort sei nicht so viel los an der Fasnacht. Stimmt natürlich nicht, im «Spitz», im im «Rheinfelderhof» und im «Adler» geht’s hoch zu und her. Die Guggemuusigen zirkulieren auch hier und suchen selbst Nachtschwärmer-Lokale auf (oder heim). Als die Orginal Chnulleri im «Grotto» aufspielen ist «Full house». Eine andere Gugge musiziert im «Klingeli», aber nur im vorderen Teil, damit hinten der animierte Barbetrieb nicht gestört wird.
Im «Schnabel», auch eines der Fasnachtszentren, wimmelt es von Harry Haslers. Weisse Klamotten, Haare auf der Brust (und das nicht zu wenig), Handtäschchen dabei und selbstverständlich das Handy. «Wie heisst Eure Clique?» – Saletti zemme! I bi de Harry. Da do isch o de Harry, und de do oo…» Ein Sprutz Parfum wird angeboten, dann telefonieren sie noch miteinander mit ihren Handys, wir geben uns geschlagen. Kein Kommentar, pardon:Saletti!



