D Gugge, d Schääse, d Wääge strample nit im Rääge

2. März 1998 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wer den Pressemeldungen über die neu geschaffene Basler Bike Patrol (vulgo: Velo-Schuugger) glauben schenkte, der wird am diesjährigen Cortège eines besseren belehrt: Nicht anderthalb Dutzend in leuchtendes Gelb gehüllte Ordnungshüter sind da unterwegs, sondern ganze Hundertschaften. Für Wagen wie auch Guggen sind die Staats-Strampler das Sujet Nummer eins. Die Qualität der Umsetzung ist allerdings durchzogen: Während zum Beispiel den Attila-Waggis nicht allzu viel zu ihrem Thema eingefallen ist, könnte man den Buure-Lümmel auch länger als die 30 Sekunden zuschauen, die sie an einem vorbeiziehen. Überall wird geradelt. Und sogar auf dem Wagen selbst drehen einige alte Göppel ihre Runden.

Platz zwei in der Sujet-Parade erreichen die Zürcher Posträuber: Die Guggemusiken Schwellehüpfer und Seibi-Schränzer nehmen sich ihrer an und kreuzen in verschiedenen Varianten Pöstler und Sträflinge. Womit wir auch schon bei der Gentechnik und bei Dolly, dem Klon (oder Gloon?) des Jahres währen. Gleich fünf Chaisen haben das liebe Tier an Bord. Und als konsequente. Klone haben die fünf auch keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern. Als (nicht ganz) «101 Dalmatiner» ist die Chaote-Gugge unterwegs. Die schwarz-weiss-gepunkteten Kostüme «sin dr Hit». Leider hatten die Rhy-Pirate genau die gleiche Idee: «101 Dalmatiner sette mer syy, 18 sinn aber numme derbyy». Da sich auch die Kostüme der beiden Guggemusiken verblüffend gleichen, müsste das Thema Klonierung an der Fasnacht vielleicht wirklich einmal auf der Traktanden-Liste des Comités erscheinen…

Keineswegs geklont, sondern schlicht originell ist der Wagen des Daig-Affe-Club: Sie brechen mit «Mir Affe blyybe (im Zolli)» eine Lanze für ihr Wappentier, und die Umsetzung des rollenden Affenhauses und seiner Besatzung lässt nichts zu wünschen übrig. Ein ganz anderes, aber nicht minder aufwendig realisiertes Haus kommt auf dem Wagen der Schindgrabe-Clique daher: Um die Spital- und andere Listen des Regierungsrats auf die Schippe zu nehmen, rücken diese Waggis gleich mit einem detailgetreuen Modell des Rathauses an. Die Schälle-Waggis dagegen haben sich das grassierende «Ufo-Fieber» zum Sujet gewählt und ihr Fahrzeug auch in ein solches verwandelt. Das Ungetüm kommt ganz in NASA-Silber daher, und die Astronauten decken das Publikum reichlich mit intergalaktischen Wurfgeschossen ein.

A propos Wurfgeschosse: das Spektrum in dieser Sparte geht mittlerweile weit über die «Klassiker» Orangen, Mimösli und natürlich Räppli hinaus: Wer sich genügend reckt und streckt, kann an dieser Fasnacht auch einmal eine Packung Gutzi oder Pommes Chips oder eine Flasche Bier, Schnaps oder Weisswein erwischen. Im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel «abgeschossen» hat ein Waggiswagen, der noch verschlossene Räppli-Säcke ins Publikum spediert. Aufschrift: «Stopf di sälber, mir derfe nimme (sait s’Comité)». Die Gülle-Schlüüch nehmen das Fasnachts-Sujet «mer strample» auf und nennen das ihre «Strample, Spaare, Fusioniere». Sie haben sich in Lumpenkleider verpackt und reimen dazu scharf: «Hochglanz isch das Joor kai Renner, drum kemme d Gülle-Schlüüch als Penner». Auch die Bebbilisgge beschäftigen sich mit der Wirtschaftslage und den politischen Sparübungen, überzeugen aber am meisten mit ihrem Drachen-Kostüm. Aehnliches bei den Grachsymphonikern: Ihr klerikaler Major wird von 40 veritablen Schweizergardisten bewacht. Im übrigen erfolge der leidige Hinweis, dass sich auch in diesem Jahr die Phantasie keineswegs in allen Zügen durchgesetzt hat: Mit den 99 Strohwagen voller immergleicher Waggis und den 101 Guggenmusiken, die «aifach Gleen» sein wollen, ist der Idee der Fasnacht nicht besonders gedient.

Zurück zu den Polizeiradlern: Gerade, als die Gladdi-Adore als eine von zahlreichen Formationen im gelben Tenue am Steinenberg beim Comité vorbeimarschieren, kommen vier ebensolche Velofahrer die Theaterstrasse herab in Richtung Casino gestrampelt. Erst als aus der Nähe zu erkennen ist, dass diese Strampler hier keine Larve tragen und etwas gar echt aussehen, geht den hohen Herren ein Licht auf: ja, es sind vier wirkliche Bike-Patrol-Mitglieder, die viel Spass verstehen und als real existierendes Fasnachtssujet die Pointe des Tages liefern.