Um es vorwegzunehmen: Die «Roten Karten» des Schnitzelbangg-Comités haben Wirkung gezeigt. Was am Montag Abend zu sehen und hören war, verdient das Prädikat «Jahrhundert-Jahrgang». Selbst die wenigen schwächeren Bänggler sind nicht auf der ganzen Linie abgefallen.
Die entscheidenden Unterschiede zeigten sich nicht nur beim Vortrag, sondern vor allem beim Umgang mit der Pharmazie, respektive mit deren Produkten. Gleiches gilt für die Reizwörter «Ziiri» und «Schwoobe». Zu letzterem hat die in neuem Kostüm mit Marroni-Gugge-Larve auftretende Gasladärne ein schönes Beispiel geliefert und harmlos gereimt:
Herzlich willkommen
hier an Bord der BVB.
Von Riehen Grenze fahren wir zum Eglisee.
Beim Badisch Bahnhof
steigen Sie dann bitte aus
und fahren mit der Deutschen Bahn
sofort nach Haus.
Den Marathon eröffnet haben allerdings d Seelewermer, die mit ihrem Vers aus dem Tierreich gleich zu einem Rundumschlag ausgeholt haben:
Unsri Ilpe sinn vor Durscht
scho fascht krepiert,
Wo me si denn äntlig doo in Zolli fiehrt,
Dr Tierschutz hät sich gscheiter
naime anders engagiert,
Und gäge d’BVBääre opponiert.
Im Wallis hett me anders dänggt, (das isch klar)
Und will kai Wolf – sogar nit gschänggt. (au revoir)
Im «Spitz» sait au dr Vogel Gryff zem Lai: «Dä Siech khunnt dra,
Wenn ich dä Bär driff
wird i grad zem Wilde Maa.»
Mit ihrem Bängglernamen als pausenfüllender Larve haben d Passe-vite ein weiteres beliebtes Sujet aufgegriffen:
Dr Peter Ochs het cool agiert
und d Basler in d Helvetik gfiert.
Mit Ochse hät me z Ziiri Mie,
drum isch die Stadt no hit voll Kie.
Aufs nationale Glatteis wagt sich der Banggomaat, der beim Publikum mit diesem Vers die Lacher abgeholt hat:
Am Bundeshuus-Neyjoors-Empfang
isch die rainschti Moodeschau im Gang!
Wenn d’Dreifuess gsehsch in ihre Fäähne
griegt en ächte Patriot grad Drääne!
Was fählt, bevor’s duet usenandergrache
isch s’Bändeli drum –
zem dr Sagg zue mache!
Ebenfalls politisch dieser Vers vom Hanslimaa, der mit seiner orientalisch angehauchten Begleitung singt:
Uff däre sträng ghaime Landkaarte
vo dr SVP,
kaa me d Kantonsfusione
vo «üsem Heymetland» gsee,
im Oschte die Nätte
und im Weschte die Lingge
und südlig vo Sämpach
sin alles nur Tschingge!
Glanzvoll wie ihr Kostüm auch der Auftritt der Penetrante, die mit nahezu perfektem Vortrag Verse wie den folgenden im Repertoire haben:
Mir hänn dr Balcab gsait,
si solle aifach zelle,
wie vyyli Lyt so tirggti Sänder däte welle.
Das hänn si gmacht
und alli Zahle lo verglyyche:
jetzt mien si näggschti Wuche
s’Schwyzer Fäärnsee stryyche.
Unverkennbar die Melodie der Käärnebigger, die auch Sujets einbringen, die in diesem Jahr nicht mehr im Vordergrund stehen:
Dr Heerr D’Amato bsuecht in Basel unsere Zolli,
ganz begaischteret sait är de Dierli: Solli.
Dr ganzi Dierpark findet dä Senator gwaltig,
wenn är dert wohne wurd, wärs artgerächti Haltig.
Glanzvoll auch die Vierzeiler des yyphaggte Pierrot, der in diesem Jahr Christo-like verpackt daherkommt und ebenfalls in den USA ein Sujet gefunden hat:
Wenn ych esoo wär wie dr Bill,
Und d’Frau nit’soo, wie-n-ych’s gärn will,
suecht ych mir, au statt d’Hillary,
e Monica, aber e bitz e stillery.
Ein Ohrenschmaus wiederum d Gluggersegg, die zum potenziell potentesten Sujet dieses Jahres zur Melodie von Lehars «Wolgalied» singen:
Es stoot e Soldat im Glaiderschrank,
bis uff d Sogge zimmlig blangg,
macht im Kaschte kuum e Wangg.
Hätt är Viagra Viagra syy loo,
miesst är nit im Schloofzimmerkaste stoo.
Friehner het fir das dr Wodka scho
glänggt wenn me dänggt, wenn me dänggt, wenn me dänggt.
Im neuen roten Jubiläumskostüm und mit ausgefallenen Spitzenversen machen Betty & Bossi (ex Glepfschytt), Furore. Super, was ihnen zum EU-Verdikt in Sachen Champagne eingefallen ist:
Die EU-Minischter sin jo wirgglig
nimm z rette,
wenn die nächtelang kääre
wääge Wy-Etikette.
S isch e Wunder,
sin si nit jetz no am Daage,
eb me em Minschter wäägem
Minschterkääs no Minschter darf sage.
Herrlich auch dieser Einfall, der an längst vergangene Zeiten erinnert:
Es git Fusione, die sin en absolut Gligg,
unseri BaZ zum Bispyyl
gheert in die Rubrigg.
Was hätte mer mit de Yankee
ächt no alles erläbt,
wenns allewyl no d Nazi-Zytig gäbt.
Als Kapitän ganz in Weiss erscheint der Fäärimaa, bringt noch einen stummen Matrosen mit und landet Lacher mit dem Generalsujet der Fasnacht:
Au ych ha die verhillte Bäum welle gseh
bi uff Rieche gfahre
und s Ungligg isch gscheh
bi dr Parkplatzsuechi han y e Runde drillt
in däre Zyt hänn sie
d Bäum scho wieder enthillt.
Salopp wie eh und jeh, aber wieder in einem neuen Fummel d Filzluus, deren Verse nicht alle so exklusiv sind wie dieser, der sich mit dem Alterswunsch eines amerikanischen Helden beschäftigt:
Vor em Start mit dr Discovery,
kunnt ain mit Araldit verby.
Zerscht lyymt me s Hitzeschild
– und denn
längts grad no
fir die dritte Zeen vom Glenn!
Als einziger neuer Bank haben sich d Syydiaane präsentiert. Ihr Vortrag ist schon recht gekonnt und ihr Kostüm zwischen Lausbub und Mecky angesiedelt. Raffiniert diese Kombination.
In Lissabon, mir finde’s toll,
het d‘ Schwyz sich präsentiert.
Me het sogar im Tinguely
sy Seechter installiert.
Das Lochsiib als Symbol
gheert doch vor d‘ UBS montiert,
denn dert wird gsiiblet –
Aexgysi, «redimensioniert».
Eher ausgefallen auch dieser Vers der Stächmugge, die zum 30jährigen mit viel Gold am Kostüm erscheinen:
My Soon isch haimkoo, d Baggen uffgrisse.
Ai Oor lambt aabe,
drey Plomben uusebisse!
Stryymen am Hals; derby het er numme
e bitz gschmuust mit emene nätte Ding.
Aber daas trait an Naase-Zunge-Libben und Augebraue
– so Noodlen und so Piercing-Ring!
Kurz und bündig die Unvolländete:
Fir zem Bänggle nämme mir
jetzt au dr Smart,
Wo schynt s wien e Groosse
richtig graduus fahrt.
Wenns no go Schneije kunnt,
denn koschtet son e Wrack
Bim Entsorge nur e glaine Bebbi-Sack.
Zu den absoluten Spitzenbängglern gehören d Peperoni. Was die Leitkuh dieses landwirtschaftlichen Trios unter’s Volk bringt, strapaziert die Lachmuskeln enorm. Beispiel:
Y bi letschte Summer dur Ziri gloffe
und ha sone «Polyeschter-Schweschter» droffe.
Farbig, straalend stoot si do:
Fir die Wältstadt e Symbool!.
Unverkennbar Ziri:
usse schygg und inne hool!
Zu den Jubilaren gehören auch die Schweizer Chöre, die seit 20 Jahren als Striggede durch die Lande ziehen und mit ihrem «Iinestächen, ummeschloo, duurezieh und aabeloo…» für viel Stimmung im Saal sorgen. Ihre Vorliebe für personenbezogene Sujets leben sie mit diesem Vers aus:
Bischof Haas, Jean Ziegler,
au dr Meili no und d Fendt!
Rasi, Nyffenegger und
dr Cornaz, wo nur pennt!
Dreyfuess, Koch, mir wisse,
syt mir do die Lischte hänn,
Dass wenn mir die uff Brüssel gänn,
ys d EU-Länder nimme wänn!
Während die Jubilare «au grand complet» antreten konnten, zeigten sich bei anderen Bängglern Grippe-bedingte Lücken. Der Gartezwärg und s Glettyse mussten gar ganz verzichten. Erneut einen Superauftritt hatten auch d Stroossewischer. Furore machte unter anderem auch dieser Vers, in den sie gerade mehrere Sujets mottogerecht ver- und wieder ausgepackt haben, wie es das Fasnachtscomité per Blaggedde empfohlen hat:
Der Koller und Cotti hänn zämme
der Koller und pagge jetz zämme.
Der Chrischto paggt z Rieche vill z frieh
syni Baim uss, dä sott sich doch schämme!
Der Pippilotti het s gstungge,
au sii zieht sich voorzyttig schwubb druss,
wenn hett ächt der Hamatschu
au sy Coitus Interruptus?
Gleiches Lob gilt für die Verschiffte, die mit ihrem Auftritt am «Monster» bereits viel Lob erhalten haben, mit dem folgenden Vers allerdings hart an der Grenze des gerade noch Erlaubten vorbeigeschifft sind:
Wenn numme die Sieche
dr Schirm bald zue mieche.
Me sott si verschloo und versoole.
Die Raiber – die Bschyssi,
die Wuecherer – die Dyssi
Die sotti dr Daifel go hoole.
Ai – ai – ai – ai:
So schimpft dr Bappe dehai.
Wenn aine zuefällig per Glägehait
Ganz harmlos das Wörtli: «Visana» sait.
(PS. Allfällige Reklamationen bitte direkt an die Verschiffte.)
Endgültig in die Bänggler-Oberliga aufgestiegen sind auch d Zahnstocher, die mit einem neuen, leicht futuristischen Kostüm, einem gepflegten Vortrag und Versen wie diesen das Publikum zum Toben gebracht haben:
S wird jede vierte Ma –
mir sages im Vertraue –
sexuell beläschtiget am Arbetsblatz vo Fraue
und niemer dänggt derby –
jä Sii, das isch s Perfyyde,
wie die drey andere
do drunder psychisch lyyde!Dangg em Schüssel
darf in Brüssel unsere Cotti
näb däm Wienerli us Oeschtrych uff e Foti.
Derfür haig är em Schüssel
klar verspräche miesse,
ass unsri Schi-As
die vo Oeschtrych gwinne liesse.
Schade, dass sich d Setzlig mit ihrem zu monotonen Vortrag die eigenen Pointen selbst vermiesen. Mancher Vers hat Qualitäten wie dieser:
Fir das neije Schauspiilhuus
sin Millione gstiftet
Mit däne wird jetz ’s Outfit
vo däm alte Ganthuus g’liftet
Es soll e tolli Bihni gä,
wo sich sogar ka draije
Dervor zwelf numerierti Plätz,
uffdailt in zwai Raije
Trotz Viagra, Xenecal und anderen pharmazeutischen «Leckerbissen» aus dem reichen Schatz der Chemischen Industrie bleibt den Bängglern auch der Sinn für die Realitäten – und die sieht der Singvogel zukunftsgerichtet etwa so:
In der Pause stoot der Hansli uf e Stuel
und rieft: «Mir pfallt das nümm,
das is e Saich, die Suel!»
Är zieet e Blatt zem Schuelsagg uss
und gläbbts an d Schyybe.
«Das is e Sammelklaag –
Miend nur no untersryybe.»
Womit wir nun beim Fazit dieses jüngsten bängglerischen Jahresrückblicks wären, der punkto Auftritt, Vortrag, Larven und Kostüme der beteiligten Akteure kaum Wünsche offen liess. Gefehlt haben allerdings die kleinen, feinen, «insidigen» Verse, denn auch die Bänggler sind nur Menschen und wollen nicht nur den «Tierkreis» oder allenfalls noch den aussterbenden «Daig» unterhalten. Sie richten ihr Augenmerk – erkenn- oder manchmal auch nur vermutbar – auf den nationalen Glotzeauftritt – und da haben nur jene Bänggler eine echte Chance, die sich der grossen nationalen und internationalen Themen annehmen, die über die Grenzen der engeren Heimat verstanden werden…



