Ladärnli 2000: Fast ohne Wackelkontakt

29. Januar 2000 | Von | Kategorie: Nachrichten

Mit seiner dritten Auflage hat sich das Ladärnli endgültig im «Konzert der Grossen» etabliert. Bei der gestrigen, sehr temporeichen Premiere im Gundeli-Casino wurden – ganz im Zeichen der «Eggs-Po» – zahlreiche Glanznummern geboten; allen voran dr Singvogel und der begeisternde Auftritt von Piccolo-Virtuose Mark C. Kürsteiner.

Dem Ladärnli-Team um Markus Weber (Obmann) und Peter Zwick (Produktion) kann man eigentlich einzig den Vorwurf machen, dass das Programm nur sehr harzig auf Touren kam. «Wir können nicht mit einer besinnlichen Nummer beginnen, während die Leute noch das letzte Getränk bestellen», erklärte Zwick, warum mit der Guggemusig Fuegefäger gleich ein «brachialer» Auftakt erfolgte – qualitativ durchaus hochstehend, wie man dies von dieser Gugge auch nicht anders gewohnt ist.

«The Power Of Music» – Mark C. Kürsteiner legte mit seiner Begleitband für den musikalischen Teil die Messlatte sehr hoch. Mit Ausschnitten seines aktuellen Albums «The Spirit Of Piccolo» begeisterte er das Publikum. Doch damit nicht genug des Piccolo-Zaubers: Sowohl d Luggefiller («dr Verhäxt» und «Mein kleiner grüner Kaktus», ein Arrangement von Walter Zandona) als auch d Tellplätzler («dr Rhysprung» mit Schalmeien-Begleitung) setzten Akzente. d Letzitürmler gelten ebenfalls als sicherer Wert, wenn es darum geht, eher traditionelle Fasnachtsmärsche perfekt vorzutragen: «s Spaledöörli» und «s Ohremiggeli» stehen als Beweis dafür.

Im trommlerischen Bereich müssen beim Ladärnli jedoch Abstriche gemacht werden: Die Retraite didactique der Jungen Gundeli «ruesste» trotz einigen Temposchwankungen noch – für No Time aber, einer neuen Nachwuchs-Tambourengruppe, ist im Moment noch zu sehr der Wunsch Vater des Gedanken: In ihrer Nummer waren immer wieder Ansätze zu erkennen, die an Top Secret erinnern – diese Messlatte liegt für sie definitiv aber noch (viel) zu hoch. Der «Calypsambo» der Stamm-Tambouren der Wettstai-Clique bot solide Trommelkost. Warum jedoch die Szenerie einer Baustelle gewählt wurde, bleibt wohl immer ein Geheimnis. Mit dem «Vaudois» und «Dudelsagg» rundeten schliesslich die Schnurebegge (ein u, ein r) und das «Swiss Regimental Fife and Drum Corps Basel» als Räägemäntel den musikalischen Teil ab.

Bei den Vorfasnachts-Veranstaltungen war in den vergangenen Jahren eindeutig der Trend festzustellen, dass die Schnitzelbangg-Vorträge (obwohl die Gesamt-Jahrgänge scheinbar immer schwächer werden) mit zu den Eckpfeilern des Programms gehören. Das ist auch beim Ladärnli nicht anders: Der Dipflischysser (Bebbi-Bangg) und der Singvogel (Comité) begeistern. Absoluter Höhepunkt beim Dipflischysser ist das Stau-Lied über die Galerie Schweizerhalle – beim Singvogel, darüber ist man sich schnell einig, gibt es gar keine Schwächen: Er gilt jetzt schon als heisser Favorit für den Top-Bangg der Fasnacht 2000.

Die ersten Rahmenstücke («d Begriessig» durch Jacqueline Fendt und «d Rettigstruppe am Uffwärme») liessen für die Wortbeiträge nichts Gutes erahnen – eine allerdings unbegründete Sorge. Herr Saucisson und Frau Klöpfer bestritten – den Röstigraben symbolisierend – mit süffigen Dialogen die Zwischenspiele. «Dr Dambuurmajor», eine Solonummer von Werner Spichty, lebte von der schauspielerischen Leistung – inhaltlich wies die Geschichte eines Affen auf dem Weg zum «Urschrey» deutliche Längen auf.

Mit «He?» (Markus Weber und Peter Keller als zwei Schwerhörige auf einer Parkbank – eine Uralt-Idee mit allerdings sehr träfen Pointen) und dem (fast schon legendären) dr Bölche als Mischter (Matthias Hofer) setzte das Ensemble Glanzlichter. Und dass auch reinster Klamauk ankommen kann, bewies man im Unterholz – «Arteplages, Vorschläg bringe, Marsch!», eine krampfhafte Suche nach Ideen für die Expo. Brilliant etwa der – von Mario Botta designte – Mistkübel («Dä ka nyt anders!») oder die Idee eines Erlebnisturmes in der Form einer Waggislarve: «Und in dr Kupple goot all halb Schtund s Liecht uss – und d Kuttlebutzer pfyffe dr Urschrey.»

Mit wenigen Abstrichen wird also begeisternde (Vor-)Fasnachtskost geboten – bleibt zu hoffen, dass die Sponsorenfrage demnächst geklärt und der Vorhang in zwei Jahren zum vierten Ladärnli aufgehen wird.