Es ist bereits das neunte Mal, dass das Mimösli im Häbse-Theater an der Klingentalstrasse über die Bühne geht. Unter dem Motto «Mir sin no doo..!» stellt es dieses Jahr mit insgesamt 46 Vorstellungen (rund 17000 Besucher) einen absoluten Rekord in Sachen Vorfasnachts-Veranstaltungen auf. Ein guter Mix aus fasnächtlicher Musik und heiteren oder besinnlichen Texten, daraus werden Vorfasnachts-Veranstaltungen gemacht. Und diesem Erfolgsrezept folgt auch das Mimösli.
Musikalisch ist der Jahrgang 2000 sehr gut. Als erste bewiesen dies die Hofnaare. Elf rothaarige, sommersprossige Gören und ein Seeräuber intonierten fantastisch den Pfeifermarsch «Pippi Langstrumpf». Auch die drei Schwynsnaare vom Daig begeisterten mit dem rassig und exakt vorgetragenen Trommelmarsch «Celanesen». Zusammen spielten beide Gruppen den «Jubelmarsch». Hierbei wurden sie vom Pianisten Claudio Cotti «begleitet». Leider ging die Klavierbegleitung im Trommeltext etwas unter (Mikrofon?).
Eine beeindruckende Symbiose aus Musik und Bild war der Auftritt von Thomas Heid zum Abschluss des ersten Teils. In «Videorama» oder «Erde 2000, was ist passiert?» untermalt er mit perfekter Pfeiferkunst die auf zwei Leinwände geworfenen Dias. Beklemmende Bilder von kämpfenden Soldaten, zerstörten Städten und Flüchtlingszügen gehen über in herrliche Natur- und Tieraufnahmen. Dass dabei das Matterhorn seitenverkehrt war, ist sicher ein Premierenfehler.
Den zweiten Teil eröffnet traditionsgemäss eine Gugge. Dismal waren es d Schrumpfkepf. Sie schränzten in bester Manier und echtem Guggestil (kein Big-Band-Sound) den «Gugge-Zirkus». Die herrlichen Melodien aus «My Fair Lady», gespielt von den Hofnaare – mit einer echten Mary Poppins – und Claudio Cotti begeisterten das Premierenpublikum ebenso wie das «Dunnerwätter» der Schwynsnaare. Auch die von Pfeifern und Tambouren vorgetragene «American Patrol» war vortrefflich. Für den inzwischen unerlässlichen Mix aus fasnächtlicher und fremdländischer Musik sorgte das «Hula-Mimösli». Walter Roost (Hawaii-Gitarre) und Robert Felix (Bass) von den Hula Hawaiians, Horst Crush (Gitarre), Rita Hagen (mit rassiger Ukulele), sowie die Piccolo-Virtuosen Thomas Heid und Thomas Weber entführten die Zuschauer in die Südsee. Und als dann noch zwei leibhaftige Hula-Girls (Tänzerinnen vom Philipinischen Verein Maharlika) auf der Bühne ihre Hüften schwenkten, war die Begeisterung beim Publikum perfekt.
Bei den Textbeiträgen war das Niveau unterschiedlich. Die Idee, zum Auftakt das «Mimösli-Lied» in einer Rock-Version zu bringen, war lustig, der «Prolog» gut. «S Basler Wienerli» Arth Paul war im Gegensatz zum Vorjahr etwas zahm, auch wenn er «dank der CDU weiss, wo das Wort „jemanden verkohlen“ herkommt». Grossen Anklang fand vor allem sein Pippi-Lotti-Rap.
Auch zu brav der Silvesterabend «Alle Jahre wieder…» trotz einiger guten Pointen. «Warum liest ein Journalist Zeitung? Damit er weiss, was er gestern gedacht hat.» Oder «Was macht ein Schweizer Politiker, wenn er 100 000 Franken erhält? Er zählt das Geld nach.» Stark dagegen die Solonummer «Eusebius von der Mill» mit Peter Richner. «Jedes Doddeli het sy Hompage mit Fotteli», stellte er lakonisch fest. Gut auch «E flüchtigi Nummere», welche die stadtbekannte Familie Mangold von der Feldbergstrasse auf ihrer weltweiten Flucht vor dem Charivari zeigt. Der türkische Zollbeamte verweigert ihnen Asyl und verweist sie als Familie Müngüld in Richtung Schweiz, dem Asyl-Paradies. Dass die Schlusspointe wiederholt wurde brach ihr leider die Spitze. Schwach dagegen die Talk-Show-Parodie «Supergschyd».
Doch bei allen Beiträgen brillierte das Ensemble mit Hedy Kaufmann, Nicole Loretan, «Häbse» H.J. Hersberger, Peter Richner, Eugen Urfer und Dany von Wattenwyl mit toller schauspielerischer Leistung.
Sowohl dr Schorsch vom Hafebeggi zwai als auch d Ständerlampe sind als Bangg ein fester Bestandteil vom Mimösli. Schorsch, wie immer publikumswirksam mit seinen Versen, wurde durch den starken Beifall zu einer Zugabe animiert. Musikalisch leiser und – trotz anfänglicher Unsicherheit – mit feinen Pointen bestach wiederum d Ständerlampe.
Die Texte für die Rahmestiggli stammen von Hanspi Feuz, Armin Grieder, H.J. Hersberger und Paul Roninger. Etwas verwirrend die eher an Karneval erinnernde Saaldekoration. Oder sollte es eine Hommage an «Häbse» sein, der heuer nach 16 Jahren Charivari und neun Jahren Mimösli sein 25-jähriges Vorfasnachts-Bühnenjubiläum feiert?
In der Programmleitung des Mimösli gab es eine Änderung: Neben H.J. Hersberger und Thomas Baumgartner ist neu Johnny Engeler dabei. Er ersetzt den Ende Oktober letzten Jahres allzu früh verstorbenen Paul Schaub. «Bolle» hat auch in der Redaktion von Fasnacht Online eine nicht zu schliessende Lücke hinterlassen.



