Die Premiere von «Stärnestaub», dem Musical zum 25-jährigen Jubiläums des Glaibasler Charivaris, war ein durchschlagender Erfolg. Und das an einem «Dreizehnten»! Auch die im Vorfeld oft gestellte Frage, ob ein Musical noch etwas mit dem Charivari zu tun habe, wurde durch herzlichen, lang anhaltenden Schlussapplaus eindeutig mit «Ja» beantwortet.
Die Geschichte von Florian hört sich an wie ein Märchen, und ist doch für jeden Fasnächtler Realität. Was zu Beginn wie eine Fasnachtsliebe aussieht, erweist sich in Wirklichkeit als die Liebe zur Fasnacht. Florian (Reinhard Stehle) sitzt mitten in der Nacht im Nachthemd auf dem Dach eines Hauses, schaut zum Himmel und ruft: «Y bi do – y bi parat, hörsch my – y wart». Der «Fürwehrhauptmaa Brändli» (André Jaeggy), dessen Traum es immer schon war, einmal einen Menschen zu retten, sieht das und ahnt Schlimmes. Um Florian zu retten, steigt er zu ihm hinauf. Doch der will gar nicht gerettet werden. Darum erzählt er Brändli seine Geschichte, welche 1956 an einer Fasnacht begann. Als er im Storchen seine Mählsuppe isst, entdeckt er seinen «Stärnestaub» (Gina Günthard). Sie wollen zusammen fortgehen, werden aber durch eine Guggemuusig (Stenzer Gugge 63) getrennt. Nach langem Suchen findet er sie am Rheinufer wieder. Sie gesteht ihm, schon ihr Leben lang auf ihn gewartet zu haben, auch wenn sie nur in seiner Fantasie existiere. Doch am Donnerstag morgen, wenn das Martinsglöcklein vier Uhr schlage, werde er sie wiedersehen, wenn er nur fest an sie glaube.
Brändli hält die Geschichte für ein Hirngespinst. Doch Florian überzeugt ihn, dass, wenn man statt mit Augen und Ohren mit dem Herzen sieht und hört, alles wahr wird, an das man fest glaubt. Und nun hört auch Brändli wie eine Linde spricht. Oder die vor sich hinrostende Christina II (Isabelle Pike) im Rheinhafen davon singt, sich einmal loszureissen und via Amsterdam, Rotterdam und Hamburg nochmals bis zum Wiesendamm zu schwimmen. Plötzlich finden sich beide in den Fünfziger Jahren wieder. Der «Gryffegass-Jimmy» (Roland Herrmann) tanzt mit einer Politesse (Maureen Jarham) Rock’n’Roll, in der Kanalisation feiern die Ratten, Johann Peter Hebel erzählt dem jungen Florian (Alex Felix) von seiner ersten grossen Liebe, und im «Alte Schluuch» tobt der Maskenball. Durch die Strassenwischer, welche schon vor vier Uhr den Fasnachtsdreck wegwischen wollen, werden sie wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Vom Dach aus sehen sie, wie die Fee den jungen Florian entführt. Brändli versteht nun, dass der alte Mann nie mehr von diesem Dach heruntersteigen wird. Wieder auf dem Boden entdeckt er am Himmel zwei Sterne, die sich finden. Und nur er kennt deren Geheimnis.
Stärnestaub besticht durch gute Texte (Tino Krattiger, welcher auch Regie führt), tolle Musik (Dixieland, Rock’n’Roll, Blues und Fasnachtsmusik) und herrliche Songs (Alex Felix). Verblüffend die Idee, das Bühnenbild mit einfachen, farbigen Elementen (Kuben, Pyramiden) zu gestalten. So kann innert kürzester Zeit bei offener Bühne umgebaut werden.
Der lang anhaltende Schlussapplaus und die vielen Blumen für die Mitwirkenden werden das Charivari-Team für die grossen Anstrengungen der letzten Wochen etwas entschädigt haben. Und wer weiss: Wenn wir fest daran glauben, erscheint uns an der nächsten Fasnacht unsere Fee.



