Mit dem Monstre-Trommelkonzert geht die lange Reihe der Vorfasnachtsveranstaltungen 2000 zu Ende. Die Premiere fand am 26. Februar im Grossen Saal der Messe Basel statt. Bis zum 4. März folgen noch neun weitere Vorstellungen.
Das «Drummeli» oder «Monschter», wie es liebevoll genannt wird, ist und bleibt die grosse Leistungsschau der Basler Stammcliquen. Es steht unter der Leitung des Fasnachts-Comités. Dieses Jahr boten die 20 Cliquen (19 pausierten) ausnahmslos Vorträge von erfreulich hohem Niveau. Sowohl das Musikalische als auch die jeweilige Präsentation wusste durchaus zu gefallen. Dass die Zeiten vorbei sind, wo man im einfachen Charivari seinen Marsch vortrug, entspricht dem Zeitgeist und macht die Sache für den Zuschauer interessanter.
Die Giftschnaigge eröffneten den Abend mit einem sauberen «Glopfgaischt». Nach dem Prolog («dr Urschrey hets verbloose, är goot als rächte Furz in d Hoose») folgten die Vorträge Schlag auf Schlag: Die Opti-Mischte spielten – mit den Kleinbasler Ehrenzeichen und einem Neptun mit Dreizack als Tambourmajor – den «Fäärimarsch». Der Dupf Club bot (vor versprayten Häusern am Heuberg) ein herrliches «Ohremyggeli», die Pfeifergruppe der Rootsheere als farbenprächtige Venezianer das «Rondo Basilea».
Durch «2000 Johr Drummelgschicht» führte die Junge Garde der 1948 gegründeten Drummel- und Pfyfferschuel der Spale-Clique. Ein beeindruckender Harst junger Tambouren und Pfeifer tat dies bravourös. Mit Diashow und lebenden Figuren (Binggis) ging die Geschichtsstunde von der Zeit der Mammuts über Indianer, amerikanische Bürgerkrieger, Napoleon bis zur Weltraumrakete. Die Reise endete selbstverständlich am Spalentor. Die Basler Mittwoch-Gesellschaft zog es, unterstützt von Pauke, Schlagzeug und einem Löffler, ins «Oberland». Dem Tambourmajor als Gämse (mit ä) zeigten Wegweiser, wo es zum Gämsberg geht.
In weiss-schwarz, mit einem tollen Hintergrund aus gleichfarbigen Larven, brachten die Verschnuuffer den «Piccolomini». Trotz dunkler Bühne, nur mit angeleuchteten grossen Uhren auf dem Kopf, fand sich die Pfluderi mit der «Pfyffer Daagwacht» gut zurecht. Wonach Die Aagfrässene, zusammen mit den Rosshofspatzen, vor einer Altstadtkulisse einen wunderschönen «Altfrangg» spielten. Vaterländisch präsentierte sich die Rätz-Clique. Mit Schweizerfahnen und 1.-August-Lampions, unterstützt von einer Ländlerkapelle, spielten sie das Pfeifersolo «s Echo vom Claraplatz». Dann waren die Zuhörer gefordert, denn die Naarebaschi machten «d Blätzede» zu einem Wettbewerb. Aus alten, wohlbekannten Fasnachtsmärschen spielten sie immer nur einen kurzen Ausschnitt. Auf einem vorgedruckten Blatt standen 25 Mal drei Märsche zur Auswahl. Eine fantastische Leistung, ein solches Potpourri auswendig zu lernen. Chapeau!
Den «Pinocchio» wählten Die Versoffene Deecht als Thema. Nicht nur der Tambourmajor hatte eine lange Nase, sondern auch die bekannten Gesichter auf grossen Plakaten: Bellnasi, Fendt 2001, Anonym (Blocher) und REY, welcher nach und nach zum UR SCH REY wurde. Farblich ganz in rot, mit Schweizer Kreuz auf dem Kopf, huldigten die Lälli-Clique dem «Goldvreneli». Der Central Club Basel nahm Die feschti? Wahl zwischen den Regierungsrats-Kandidaten Ida Chiavi und Marco Sponti als Hintergrund für ihren «Festival Marsch». D Wiehlmys machten sich mit futuristischen Gestalten und einem Fragezeichen auf dem Kopf Gedanken über die Zukunft der Fasnacht in «z Basel an mym Rhy». In farbverschmierter Atelier-Kleidung begrüssten die Muggedätscher «dr Hornig». Mit dem Lied «s ELFI-Gleggli lyttet scho» und Schuhschachtel-Larven à la «Kindski» bewiesen d BBB (Basler Bebbi Bingis) mit einem sauberen «Elfer», dass es auch früher schöne Märsche gegeben hat.
Einen tollen Auftritt hatte der Barbara-Club: Im Skidress, mit Bob, Schlitten, einem Schneemann und der Sion-Olympiafahne wurde der fantastisch vorgetragene «Luuser» zu «Sion 2006 – The Loser». Lustig die Idee der Märtplatz mit dem «Läggerli». Die Pfeifer steckten in roten Läggerli-Trommeln, die Tambouren hatten statt einem Brett ein grosses Läggerli vor dem Kopf und der Tambourmajor war eine grosse Hypokras-Flasche. Seibi und Seibi Mysli spielten mit dem «San Carlo» auf den Streit in der EXPO-Führung an. Gelungen die Idee, dass gegen Schluss nach und nach immer mehr Musiker davonliefen, bis nur noch ein einsamer Tambour auf der Bühne stand. Etwas erzwungen wirkte der Gag der Olympia, dem «Schottländer» ein Vor- und Nachspiel mit zwei Dudelsäcken anzuhängen.
Nach der kurzen Rauchpause mit Small-Talk holte wie üblich eine Gugge die Zuschauer in die Fasnachtswelt zurück. Dieses Jahr sind es die ihr 50-jähriges Jubiläum feiernden Schränz-Gritte (Felicitation) mit «E Hampfle Hits us fimf Johrzähnt». Als Statisten wirkten Winnetou, Old Shatterhand, ein Rocker und Michael Jackson mit. Seit Jahren hat das Drummeli-Ensemble etwas Mühe mit den Rahmestiggli. Nun, sie waren dieses Jahr nicht so schlecht wie auch schon, doch weder der «Prolog», noch «Spray ewäg!» mit schwacher Schluss-Pointe, die «Basler Märtanalyse» (nicht nur wegen kurzen Tonausfälle) und «Basilix und Helvetix» rissen niemanden von den Stühlen. Besser, zumindest optisch, als makabrer Totentanz der «Epilog» mit den Plastinaten der Körperwelten im Hintergrund und herrlichen alten Fasnachtsfiguren als lebendes Gegenstück. Ein genügend für «s Määrli vom Schagglin», welches so gerne Prinzessin geworden wäre.
Dass es nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich sehr gut ist, bewies das Ensemble in «Sargstadt Basel». Mit bekannten Melodien aus Mozarts Zauberflöte ging es um die Frage: Sarg, oder nicht Sarg. Stark dagegen «Strammi Vollbluet-Politiker», wo Blocher von einem Transparent herabblickend sich anhören musste, was Basel von der SVP denkt. Dem starken Beifall nach zu schliessen waren keine SVP-Wähler anwesend. Sie hätten sicher nicht über Sprüche wie «Wir haben mehr Mandate als Mitglieder» oder «Mit uns müssen sie rechnen, wir selber können es nicht» und «Wir haben eine grosse Zukunft hinter uns» gelacht. Träf auch der Schluss-Satz: «Mir nämme s Gschigg vo dr Stadt in d Hand. Zum Wohl fyr eych alli. Guet Nacht mitenand».
Die Schnitzelbänggler wurden durch die Comité-Bängg Gluggersegg und Peperoni vertreten. Mit einem schachbrettartigen, die Gruppe selbst verwirrenden Helge und schwachen Pointen ernteten d Gluggersegg nur höflichen Beifall. Weitaus besser, sowohl was die Helgen als auch die Pointen betraf, war der zweite Bangg. Vor allem sein abschliessender Ogi-Vers war super.
Für das Bühnenbild hatte sich Geni Goll etwas «geni»-ales einfallen lassen: Vor einer stilisierten Silhouette der Fasnachtsstadt Basel als Hintergrund sorgten fahrbare Kulissen für einen speditiven Ablauf.



