Schreye, bschysse, lamentiere, an dr Naase ummefiehre

13. März 2000 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Schnitzelbänggler sind in diesem Jahr politischer als auch schon, wobei sie im Zeitalter des globalen Denkens die lokale Politprominenz – von wenigen bewährten Zielscheiben abgesehen – weitgehendst verschonen. Bundesbern, der «grosse Kanton» im Norden und die alpenländischen Freunde im Osten bekommen heuer ihr Fett ab – und nicht zu knapp. So subtil wie d Fläädermyys schleichen sich allerdings die wenigsten ans Objekt ihres Spotts heran:

Wie kunnsch vom Wort «das Wild»

zum neye Wort «der Wilde»?

De hänggsch en e an Schluss, eso kasch s ney Wort bilde.

Hesch das emol kapiert

muesch mit em Dytsch nimm strigge,

und merggsch wie nooch binand

die Weerter «Kohl» und «Kohle» ligge.

Da geht der Peperoni schon schärfer an den grossen Dicken heran:

Der Helmut Kohl will duurehalte

und definitiv si Schnuure halte.

Dä grossi, diggi Schwyyger glaubt,

sii Taggtig syg perfäggt –

derbyy isch e Schwoob,

wo uf d Schnuure hoggt,

jo vo Huus us scho suschpäggt.

D Seeleweermer bringen dann die beiden übrigen Brennpunkte zusammen – und zwar so:

Erlychteret haan yych mit Gnuss zer Kenntnis gnoo,

Dasses im Bundesroot kaa ooni Blocher goo;

Stell dr vor, dä miecht dr Moritz glatt zem «Leuezwärg»

Und regierti wie bi sich im Sprängstoffwärgg:

S Parlamänt wurd grad entloo, Dr Ebner als Berooter gnoo.

«Freude herrscht» wurd kuum ain saage – mainsch das däät ys laid.

Denn regiert wie z Eeschtrich eher d «Haider-kait»!

Auf die lokale Ebene zurück führen uns d Stächmugge, die einige Symptome und Symbole aufzählen und die Pointe erahnen lassen:

Dreniersch jeeden Oobe

s Faaneschwinge?

Brobiersch bim Dusche

d Landeshymne z singe?

Issisch gärn e Wurscht vom Grill

und dringgsch lieber Bier as Tee,

und hesch im Sagg e Schwyzermässer

– no gheersch z Basel zer SVP!

Die ist auch dort vertreten, wo
d Zahnstocher das belauscht haben:

Im Verfassigsrot

sait an dr erschte Sitzig

e 83-jährig Mitgliid zimmlig hitzig

via Hörrohr zum Kolleg:

do muesch dy schämme,

soo vyl Alti –

gäll mir Junge hebe zämme!

Selbstverständlich darf auch die Expo nicht fehlen, die Penetrante schleichen sich ziemlich unverdächtig an dieses Sujet heran:

Dr glaini Fritzli

macht im Eglisee e Brunne.

Nääbedraa dr Franz –

wär wytter ka, het gwunne.

Am andre Beggirand kunnt d Mamme grad in Rage;

Do rieft dr Glai,

das isch doch nur en Arteplage.

Als Schuuflebuur zwar neu, aber als Pfäfferschoot mit viel Erfahrung, schildert er den Millenniums-Silvester so:

S isch e Bombe gsi, an däm Sylveschter,

vo St. Louis bis Gränzach nur Mega-Feschter.

Rundum ai Fyyrwärgg ass es dätscht und gracht,

und z Basel singe si «Stille Nacht»!

Buure-Reegle:

Es hätte die vo Basel-Tourismus, die Niete,

wenigschtens z Lieschtel e baar Kienbäse kenne miete.

Der neue Bangg Fätzerysser hat das aber ganz anders erlebt:

Die «Äggschen» am Millennium,

isch schlicht und aifach s Maximum.

Vo frieh bis spoot,

do glepfts und dätschts,

uns jeedefalls hets gfalle.

Der Standort, wo mir zuegluegt hänn: «Galerie Schwyzerhalle»!

Was wirklich passiert ist, kommentiert der Pierrot, der zu einem weiteren Spitzen-Sujet eine unerwartete Wende gefunden hat:

Nä nai, Sie hänn kai Suff,

uff däm Helge isch nyt druff,

i hoff, Sie diemer1s nit ybel näh,

aber das hätt sotte dä Urschrey gäh.

Wenn’s bletzlig sotti dunggel wärde,

und Sie bekemme au no

Kopfbeschwärde,

isch nit d’Sunnefinschternis

falsch gloffe,

denn hänn Si dr Prinz August

vo Hannover troffe.

Zu einem anderen Draufgänger ganz anderer Art ist d Filzluus dieser Vers eingefallen:

Dr Martin Ebner isch e Fräche.

Duet bi dr Hoff-Roche yynestäche.

Druffaaabe will är bstimmt brobiere,

no mit dr Striggedde z fusioniere!

Der jubilierende Gartezwärg ist ebenfalls in der Pharma-Branche fündig geworden.

D Girsbärger vom «Tagi»

losst sich vom Vasella lo fange;

noo me Bligg in d Novartis,

isch si grad wiider gange.

Von der Pharma zum Mega-Sujet-Renner «Körperwelten» ist es zumindest gedanklich ein kleiner Schritt. Der Fäärimaa kennt allerdings einen, der mit Professor van Hagens plastifizierten Anatomie-Präparaten nichts am Hut hat und einen Platz in einem «gewöhnlichen» Museum vorziehen würde.

Dr Boris Jelzin, so wird brichtet,

haig uf e Ehreplatz bi mir verzichtet.

Im Anatomische wär s ihm

grad so wohl, dört liige sie nämmlig im Alkohol.

Beim Peperoni bekommt die van-Hagensche-Technik makabre Züge:

Der Groossbappe leen mer blaschtiniere.

Dasch «IN» und billiger als kremiere.

Denn schyyble mer en

wie Wurschtsalat –

das got, är isch kai Hagere,

und scho kenne mer en

als Kunschtobjäggt –

im CD-Ständer lagere.

Geografisch in unmittelbarer Nähe der «Körperwelten» sind d Seeleweermer fündig geworden:

Dä hooch Duurm an dr Mäss

dä het mi fasziniert,

Deert wird dr freii Fall

jo richtig simuliert,

Jeede isch e Nicollier –

si schreye ganz verdutzt,

Wenn dunde bisch

wird mänge Sitz zerscht butzt.

Als Standort isch do s Rosedaal

Näbscht Prattele e gueti Waal,

D UBS haig sone Turm

als Simulator griegt,

S isch zem liebe, bis dr Ebner sait: «Dää fliegt».

In der Nähe steht auch jene Baiz, welche d Setzlig als Zielscheibe ausgewählt haben:

Im «Fröhlige Rhyfälderhof»

lauft’s Gschäft au nimm so flott.

D’Baizerslyt hänn schynt’s

der Uusdritt gä bim liebe Gott.

Der Pfarrer vo St. Clara bschtellt –

uff Drugg vom Vatikan –

sythär syni Bierli

nur no vis-à-vis im Hahn.

Auch nach dem Jahrhundertvers vom Anggebliemli gehört das Tram zum festen Repertoire der Bänggler. So auch beim Glettyse:

D’Drämlifiehrer nuschle,

ruggle, brämse, raase,

sinn hässig, schlehn Dire zu

vor dyner Naase.

Wär’s nit gscheyter –

ych wurd ain näh –

Me wurdi d Pfäfferspray

de Fahrgescht gäh?

Einen anderen öffentlichen Dienst nimmt der Hanslimaa aufs Korn:

S ganz Lääbe lang hän

die egglige Sieche,

verlangt, ass mer

e Saili um d Päggli mieche.

Hit muesch Glääberli nää, doch wäg em Lyym – kasch der s dängge,

blyybe d Päggli erscht rächt

im Verdailzäntrum hängge!

Die erste Frau im Fasnachtscomité hat d Kärnebigger schwer ins Grübeln gebracht.

S Fasnachtscomité muess

d Fasnachtskasse schoone,

me schpaart in erschter Linie

by de Subventioone.

Me well als näggschts –

heersch dur dr Grüchtekuchi rusche –

D Corina Chrischte

gege d Gigi Oeri tusche.

Nicht erst bei Philippi, sondern bereits morgen lesen wir uns wieder. Dann auch mit einer Würdigung des Vortrags und der Kostüme sowie einer weiteren – erneut zufälligen und höchst unvollständigen – Auswahl von Versen. Zuvor aber zum Abschluss noch die schon fast poetische Selbsterkenntnis der Seeleweermer:

Die ganzi Fusionitis –

isch das nit verruggt,

Die vyyle Arbetsloose

hän mi sehr bedruggt;

Im Läädeli griegsch zweenig Waar,

drum fahr i ins ShopVille

Und d Butzfrau us em Elsass

koscht au nit vyyl.

I mach mi sehr fir d Umwält stargg

Und flieg in Serengeti-Park

Mi Gäld haan ich bim Ebner

wils deert dopplet so rentiert

Do soll no aine saage

y haig als no nyt kapiert.