D Gugge, s isch e Wunne, glänze in dr Sunne

13. März 2000 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Comité-Standort am Steinenberg wird an diesem prachtvollen Nachmittag mehrmals zu einer eigentlichen Freilicht-Konzertbühne – wenn sich zwei riesige Guggenmusiken im Kontermarsch kreuzen. Das ist erstmals der Fall, wie die Negro-Rhygass – der Major als Dompteur unter dem Circus-Dach voran – 50 brokatglänzende Clowns stark den Steinenberg herunter schränzt, und vom Theater her die Pumperniggel auf der Suche nach dem Urschrey mächtig dagegen halten.

Kurze Zeit später ist wieder Gugge-Time angesagt. Vom Bankenplatz her nähern sich die Krach-Schnygge. Sie spielen «S Määrli vo dr Äärde und iirem Undergang» aus, im Vortrab wackeln Määrlidante mit, der Guggemajor verkörpert den Nostradamus Basiliensis und das Spiel besteht aus übriggebliebenen Sonnen. Im Kontermarsch begegnen sie den Baggemugge, die auch im neuen Jahrtausend ganz auf Tradition machen – mit einer wunderschönen bordeaux-roten Alte Dante als Major und traditionellen Waggis im Spiel.

Der guggenmusikalische Höhepunkt wird aber zweifellos erreicht, wie die jubilierenden, 50 Jahre alten Schränz-Gritte auf den Plan schränzen. Zwei Steckenlaternen führen den Prachtszug an, ihnen folgt ein ansehnlicher Vortrab, der Guggemajor dem Jubelgeburtstag angepassst ganz in weiss, und dann das Korps in verschiedenen traditionellen Fasnachtskostümen – selbstverständlich alle ganz «schränz-gritte-like» im ebenso traditionellen Orange-Schwarz. Auf der Gegenseite (man sollte sie streng genommen gar nicht erwähnen, weil sie aufs Comité schränzen, doch irgendwann finden sie vielleicht einmal den Rank…) die Schotte-Clique mit einer Fledermaus als Major und etwa 50 Vampiren im Spiel.

Ehre für die schränzende Zunft legen aber noch manch andere Korps ein: Die 42 farbenprächtigen, violetten Alte Dante (eine Anspielung auf die erste Gluggere im Comité) der Fuege-Fäger, die erst 13-jährigen Grunz-Gaischter, die aber bereits mit einem Harst von 45 schränzenden Dummbeeter (sie glauben dem Nostradamus-Major alles) aufwarten. Und schon wieder der «Nostradamus perseenlig», nämlich im Spiel der 50 Ohregribler, oder dann die als blau-weiss-silberne Musketiere paradierenden Schränzharmoniker, aus deren Sujet «Alli fir aine, aine fir alli» man allerdings nicht ganz schlau wird.

So oft wie bei den Guggenmusiken die Sonnenfinsternis ausgespielt wird, so gerne persiflieren die Wagen-Cliquen (es drängt sich ja irgendwie auch auf) «Die Post». Heute nachmittag macht bei den Pöstlern für uns der Wagen der Pub-Rueche das Rennen. Er ist als Postbüro gestaltet, und auf ihm hoffen zehn abgekämpfte Pöstler (ob sie deswegen kaum intrigieren?) «s wird alles guet!»

A propos intrigieren: Eine löbliche Ausnahme – zumindest am Comité-Standort – sind zwei Exemplare der Schälle-Waggis, die auf der Vogel-Gryff-Fähre daher «schwimmen». Andere Wagen zeichnen sich nicht durch das gescheite Intrigieren aus, dafür durch einen aufwendigen, ideenreichen Wagenbau. Zu ihnen zählen etwa die Zoggeli-Schletzer, die nicht jedes Jahr – wie so viele andere – im gleich langweiligen Wagen daherkommen, sondern stets eine Idee umzusetzen versuchen. Dieses Mal heisst ihr Motto «Mir lösche Problem», ihr Wagen ist ein veritables Feuerwehrauto mit Anhänger. Ideenreich ist auch der Wagen der Schnäderänte-Clique. Das Sujet heisst «3 Dääg laif derbyy», auf dem Wagen fahren zwölf «Nordwandstolperi uff em Hinterstoiserquergang».

Schlicht grandios und heute Nachmittag eindeutig quasi der Formel-1-Wagen der Wagencliquen ist jener der Rhyschlappe-Waggis. Sie feiern ihr 25-jähriges Bestehen und haben aus diesem Anlass einen hölzernen, dreiteiligen wunderschönen Schlappen gebaut, wie er wohl auf dem Bach noch nie gewassert worden ist.

Bei der überaus grossen Anzahl Wagen ist selbstredend, dass auf der Route auch Negativ-Beispiele rollen. Zu ihnen sind etwa die Rotznase-Waggis zu zählen, deren Sujet «Wasch en ächte Waggis – hösch?» wohl das einzige ist, das sie noch über die Lippen bringen. Von Intrigierkunst keine Spur, ihr Handeln erschöpft sich in unablässigem Orangenwerfen. So wünschten wir uns eigentlich, dass am Mittwoch an ihrem Wagen zu lesen ist, was wir bei der Vorbeifahrt der den EuroAiport aufs Korn nehmenden Salon-Waggis gesehen haben:

Und was mir no

hänn welle sage

sali zämme, s isch

s Änd vom Wage…

Doch noch zu etwas Erfreulicherem: Sie gehören seit jeher an den Cortège und kommen in der Berichterstattung meist zu kurz – die Chaisen. Meist sitzen Alti Dante drin, aber keine gewöhnlichen. Die Kostüme aus feinsten Stoffen sind wunderheerlig, die Gesten von der Chaise herab zeugen von einer grandezza. Die Dipfli-Dante zum Beispiel in frühlingshaftem Weiss fächeln an diesem Prachtstag sinnigerweise mit kleinen Sonnenschirmen. Und Die Verrääblede stopfen selbstverständlich nicht auf die Art einzelner Waggis-Primitivlinge lüstern das weibliche Publikum am Strassenrand mit Räppli. Nein, sie verteilen mit charmhafter Gestik Cellophan-Säckchen, in denen nebst silbern glänzenden Räppli auf einem Zettel steht: «Stopf Di sälber!»